Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten: Genetische Ursachen

9. Oktober 2012, 11:15
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Der genetische Einfluss scheint größer zu sein, als bisher angenommen - Hochdosiertes Vitamin B verringert die Wahrscheinlichkeit des Auftretens

Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten treten in Europa bei etwa einem von 500 Neugeborenen auf und gehören damit zu den häufigsten angeborenen Erkrankungen. Die genaue Ursache einer Spaltbildung ist bisher noch nicht hinreichend erklärbar.

Neben genetischen Einflüssen wurden auch Umwelteinflüsse vermutet. "Doch der genetische Einfluss scheint größer zu sein, als bisher angenommen wurde", sagt Alexander Hemprich, Direktor der Leipziger Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, zu den Ergebnissen einer aktuellen Studie der Universität Bon, an der auch Patienten der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Leipzig teilgenommen hatten.

Veränderungen auf dem Chromosom 8

"Immerhin kann man fast die Hälfte aller Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten, die nicht im Rahmen anderer Syndrome auftreten, auf genetische Veränderungen auf dem Chromosom 8 zurückführen. Das sind wirklich sehr hilfreiche Hinweise. Denn wenn zwei Menschen zusammenkommen, die beide diese Veränderungen auf dem 8. Chromosom haben, wissen die beiden, dass der Weg zur Spaltbildung bei dem daraus entstehendem Kind etwas stärker gebahnt ist", so Hemprich.

Für den Leipziger Experten ist es wichtig, dass weiter an der Identifizierung von äußeren Einflüssen und genetischen Faktoren geforscht wird. Die Erkenntnisse aus diesen Studien können langfristig dazu beitragen, zum Beispiel die Wirkung von Vitamin-B-Komplexen bei der Spaltbildung zu manifestieren: "Wir wissen, dass Vitamin B, hochdosiert vom Beginn des Kinderwunsches bis hin zum Ende des dritten Schwangerschaftsmonats verabreicht, die Wahrscheinlichkeit einer Spaltbildung deutlich absenken lässt".

Multifaktorielle Genese

Man geht heute davon aus, dass verschiedene Ursachen bei der Entstehung von Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten zusammentreffen und spricht von einer so genannten multifaktoriellen Genese. Erbliche Veranlagungen spielen dabei eine größere Rolle, doch wesentlicher dürften individuelle Störungen während der Phase der embryonalen Gesichtsbildung sein. Daher haben exogene Faktoren gegen Ende des zweiten bzw. zu Beginn des dritten Schwangerschaftsmonats einen möglichen ursächlichen Einfluss auf die Spaltentstehung. Durch Faktoren wie Durchblutungsstörungen der Gebärmutter, Vitaminmangel, Strahlenbelastung sowie Alkohol und Nikotin werde diese begünstigt, so Hemprich. (red, derStandard.at, 9.10.2012)

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