Merkel stärkt den Griechen den Rücken

  • Angela Merkel auf Kurzbesuch in Athen.

Deutsche Kanzlerin besucht Athen: Griechenland will Zusagen einhalten und im Euro bleiben, der gemeinsame Feind sei die Krise

Athen/Berlin/Brüssel - Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wünschte sich bei ihrem ersten Besuch in Griechenland seit Ausbruch der Krise, dass das Land in der Eurozone bleibt. Der Weg sei schwierig, werde für das Land aber lohnend sein, sagt Merkel nach ihrem Treffen mit dem griechischen Premierminister Antonis Samaras. Begleitet wurde der Besuch von massiven Protesten in Athen.

Samaras beteuerte gegenüber den internationalen Geldgebern, dass sein Land die Reformzusagen erfüllen wird. "Ich habe Frau Merkel gesagt, das griechische Volk wird leiden, ist aber entschlossen, im Euro zu bleiben." Sein Land wolle nicht mehr Geld und auch keine besonderen Zugeständnisse, betonte der Athener Regierungschef. Merkel sei als Freundin des Landes empfangen worden. 

"Feind ist die Krise"

Samaras sagte auf die Frage, ob er den Eindruck habe, dass er eine Garantie für den Verbleib seines Landes in der Eurozone erhalten habe: Er sei sicher, dass die Welt verstehe, welchen Kampf sein Land führe, um die Krise zu überwinden. Die EU und die Länder der Eurogruppe wollten Griechenland helfen. Sie würden anerkennen, welche Opfer das griechische Volk erbracht habe und was die Regierung zur Bekämpfung der Krise tue. "Unser Feind ist die Krise", sagte er. Es müsse alles getan werden, um den jungen Menschen Arbeit zu geben.

Die deutsche Kanzlerin bestätigte, dass Griechenland in einer schwierigen Phase sei. Den Menschen dort werde sehr viel abverlangt. Inzwischen sei jedoch ein großes Stück des Weges zurückgelegt. "Es gibt jeden Tag Fortschritte. Ich glaube, dass sich dieser Weg, obwohl er sehr schwierig ist, für Griechenland lohnen wird." Gemeinsam habe man das Interesse, Glaubwürdigkeit in der Welt wieder zurückzugewinnen. EU-Währungskommissar Olli Rehn kündigte an, dass die nächste Hilfsrate von 31,5 Milliarden Euro spätestens im November an Athen ausgezahlt werde.

Am Troika-Bericht werde weiterhin gearbeitet, sagte Merkel. Allerdings gehe Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Die Zeit sei jedoch selbstverständlich begrenzt. Die Kanzlerin bescheinigte Griechenland zudem, dass in der letzten Zeit das Reformtempo "sehr viel schneller geworden" sei. Sie glaubt, dass vieles in Gang sei. Sie sei weder als Lehrerin noch als Notengeberin nach Athen gekommen, betonte Merkel. Sie verwies darauf, dass es auch in Deutschland dauere, Reformen umzusetzen. Als Ostdeutsche wisse sie zudem, wie lange es dauere, neue Verwaltungen aufzubauen.

Proteste

Für den eintägigen Besuch wurden in der griechischen Hauptstadt massive Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Die Polizei stellte auch Einheiten zum Schutz der deutschen Botschaft und anderer deutscher Einrichtungen bereit, wie die griechische Presse berichtete. Verdächtige sollten vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen werden.

Festnahmen in Athen

Zehntausende Griechen haben beim Besuch von Merkel in Athen gegen die internationalen Sparauflagen und den Euro-Kurs der Kanzlerin protestiert. In der Innenstadt kam es vereinzelt zu Ausschreitungen. Die Polizei setzte Tränengas, Blendgranaten und Schlagstöcke ein. Demonstranten diffamierten die Kanzlerin erneut mit Nazi-Vergleichen. Einige trugen Wehrmachts- und SS-Uniformen, Hakenkreuzfahnen wurden verbrannt. 7000 Sicherheitskräfte waren im Einsatz und riegelten das Regierungsviertel ab. Die Polizei meldete zunächst 50 Festnahmen. 

Auf dem Platz vor dem Parlament und auf dem zentralen Omonia Platz versammelten sich nach Schätzung der Gewerkschaften rund 50.000 Menschen, die Polizei sprach von etwas weniger als 40.000 Demonstranten. Mehrere Dutzend teils vermummte Demonstranten warfen Steine auf die Sicherheitskräfte, einige versuchten eine Absperrung vor dem Parlament zu durchbrechen. Die Demonstration vor dem Parlament wurde am Nachmittag zwar aufgelöst, trotzdem kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Randalierern und Polizei.

Auch vor dem griechischen Parlament versammelten sich Demonstranten. Einige trugen Transparente mit dem Spruch "Frau Merkel - get out" ("Frau Merkel - hau ab"). Vor dem Parlament war für den Nachmittag eine Demonstration der Gewerkschaften sowie der größten Oppositionspartei Bündnis der radikalen Linken (Syriza) geplant.

Der deutsche Linken-Chef Bernd Riexinger nahm zusammen mit dem Chef des linksradikalen Syriza-Bündnisses, Alexis Tsipras, an der Demonstration vor dem Parlament teil. Die ursprünglich geplanten Reden der beiden wurden aber abgesagt. Der Grund blieb zunächst unklar. Auf dem Platz wurde erst gar keine Rednerbühne aufgebaut.

Lob von Eurogruppe und IWF 

Die Eurogruppe und der Internationale Währungsfonds haben Griechenland unterdessen Erfolge bei der Sanierung seiner öffentlichen Finanzen und bei Strukturreformen bescheinigt. Er sei beeindruckt, mit welcher Entschlossenheit die griechische Regierung auf alle Wünsche ihrer Währungspartner eingehe, sagte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker. "Es gibt Fortschritte vor Ort", sagte auch IWF-Chefin Christine Lagarde. "Aber es muss noch mehr getan werden, an allen Fronten."

Gleichzeitig forderten die internationalen Geldgeber die griechische Regierung auf, bis zum EU-Gipfel am 18. Oktober alle noch offenen Punkte abzuarbeiten, die als Voraussetzung für eine Auszahlung der nächsten Hilfsgelder verabredet wurden. (APA, 9.10.2012)

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Ein Hohn ist das von Frau Merkel schon.

Abgesehen davon dass die griechische Regierung nun wieder Geld investieren soll um sie zu schützen, ist es eine Frechheit dass sie unter diesen Umständen hinfliegt und das „gemeine Fußvolk“ ignoriert. Da merkt man dass sie diese richtigen, realen Probleme überhaupt nicht interessieren, hauptsache sie bringt die Interessen der Banker durch und bringt vielleicht noch ein paar Versprechen für ihre Industrie durch.

Dabei verarmt auch die deutsche Bevöllkerung nach und nach. Gestern dazu ein sehr beeindruckender Report „Armes reiches Deutschland“.

Wenn einmal die Mittelschicht (die ja keine mehr ist) mit samt den Armen (so bezeichnet sich keiner) auf die Straße geht in ganz Europa hat sie nichts m

Welchen Griechen wird der Rücken gestärkt?

Höchstens denen die ca. 200 Milliarden Schwarzgeld aus Griechenland geschmuggelt haben. Nicht jenen, die sich Kindergärten für ihre Kinder und medizinische Versorgung nicht mehr leisten können.

P.S.: Aber eines ist natürlich klar: bei uns - den Guten - werden nur Randalierer bei Demonstrationen von der Polizei mit Tränengas, Gummiknüppeln und Blendgranaten behandelt.

Das geht aber so was von in die hose! Wie solle die Griechen den jemals von den Schulden runterkommen ausser man

schmeißt ihnen noch ein paar milliarden nach und macht eine Schuldenschnitt von mindesten 75% und dannzahlen auch wir voll Schottermizzi!

Griechenland hat ueber seine Verhaeltnisse gelebt.
Nun muss es die Konsequenzen tragen.

Brennt es nieder! Brennt es auf die Grundmauern nieder!!

/Sarkasmus

nöö, hast im prinzip recht.

Dei Nazi-Vergleiche werden den Griechenlandtourismus der Deutschen wohl ordentlich antreiben.

Bestimmt. Mein Opa ist schon ganz wild darauf, die Schauplätze seiner Jugendstreiche noch einmal zu sehen.

Leider ist er auf Stütze. Aber, sagte er gestern: "In Griechenland ist's ja bald so billig wie auf 'ner KDF-Kreuzfahrt."

Also, das wird auf jeden Fall ein Riesengeschäft, Mallorca und Ballermann adee.

Stattdessen: "Costa, mach mal Lala und beam den Ouzo rüber, aber zackzack, wenn ich bitten darf!"

Denn deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun.

Warum sollten sie auch Geld verdienen,

sie bekommen es doch ohnehin.

Feind ist die Krise

Krise = Finanzsystem => Feind = Finanzsystem !

dass sich hier

wirklich jemand darüber freud,dass deutschland den griechen und der restlichen eu sagt was zu tun ist und wie man leben muss,ist mehr als beachtlich.jedem muss klar sein hinter deutschland stehen banken,fi und konsorten.griechenland ist ja nur der erste schritt.auch das übrige europa wird längere lebens und wochenarbeitszeiten,niedrigere löhne,abschaffung der urlaubs und weihnachtsgelder in kauf nehmen müssen.der erste schritt wurde in österreich mit der abschaffung der befristeten invaliditätspension schon gemacht.kranke gehen also arbeiten oder bekommen kein geld.weil keines mehr da ist.man braucht es für banken und fi.das ist aber nur ein erster schritt.schon bald wird auch kein geld mehr für normale pensionen usw. da sein.

Deutschland war der erste Schritt. Die deutschen Arbeitnehmer wurden ausgepluendert um den Exportwahnsinn zu finanzieren mit der Konsequenz dass man des Sueden inklusive Frankreich niederkonkurriert hat.

Griechenland ist etwas anderes. Allerdings haben die weit weniger falsch gemacht als behauptet wird. Die Sparziele werden verfehlt, weil es sich um Defizitziele handelt. Die Produktivitaet in Griechenland ist extrem gestiegen, die Lohnsteigerungen waren also nicht so massiv wie immer behauptet wird.

die germanen und die gesamte eu

sollte dafür sorgen, dass das geld der griechischen steuerbetrüger nach griechenland zurückfliesst und dort mit 90% versteuert wird!

damit wären alle probleme gelöst.

aber die arschlöcher beschützen ja europaweit steuerbetrüger und sonstige abzocker!!!!!

na aber sicher nicht weil wie willst mit ca 90 Mill 380 Mill wettmachen?

in der schweiz liegen milliarden

unversteuertes griechisches geld!

Was Deutschland nicht alles machen sollte!

Eigentlich ist das die genuine Aufgabe des griech. Staates!

Die EU

wird sich (real gesehen) Griechenland nicht mehr leisten können.
Kann das sein??

die eu wird sich, real gesehen, ein verzinstes geldsystem nicht mehr lange leisten können - die staatspleiten sind nur folge dieses systems und wiederholen sich in ihm in regelmäßigen abständen - die letzte deutsche währungsreform ist 60 jahre her, und wir erreichen wieder den mathematischen kippunkt dieses umverteilungssystems.....ursache und wirkung

"Die Kanzlerin trug gestern ausgerechnet ihr Kostüm von der Fußball-EM. Als Deutschland Griechenland besiegte."

Unsere Angela ist die beste:

http://www.express.de/politik-w... 57826.html

Wahrscheinlich hat sie etwas anderes zu tun, als eine Checkliste zu fuehren, ...

... wann und wo sie welches Kleid/Kostuem jemals anhatte.

Mich wuerd es jedoch ueber nicht wundern, wenn Faymann seine Zeit mit soetwas verbringt.

Weltmacht Deutschland!

Nichts demonstriert (!) den Status Deutschlands auf der globalen Buehne eindrucksvoller wie diese zig-tausenden Demonstranten in Griechenland.

Deutschland ist - ganz ohne Absicht - jedoch nicht unverdient dank seiner Tugenden (Sparsamkeit, Fleiss und Umsicht) wieder eine Weltmacht geworden.

Gegen Schwache wird niemals demonstriert. Polarisieren tun nur die Starken wie die USA, Russland, China ... und nun Deutschland.

Egal wie man zu Deutschland steht, es ist wahrlich bemerkenswert, dass dieses Land, 1945 aus Ruinen auferstanden, die Wiedervereinigung so gut ueberstanden hat und wirtschaftlich jede andere europaeische Macht hinter sich lies.

BTW: Auch Oesterreich hat - trotz der Skandale - allen Grund auf das Erreichte stolz zu sein.

Klar doch, bis zur nächsten Klatsche, denn zwei genügen nicht. Und nicht zu vergessen: Wir sind Papst!

Ja, komisch nur dass wir das gar nicht wollten. Solange alles funktioniert hat waren wir glücklich dass Frankreich so getan hatte als wären sie eine Weltmacht, die brauchen das nämlich

Es ist ein Trugschluss, dass die wahren Maechtigen ...

... Ihren Einfluss vor allem durch Selbstinszenierung und Poebeleien begruenden. Das funktioniert so in Hollywood, hat aber mit echter Macht wenig zu tun.

Frankreich poltert. England tut so als ob sie noch ein Empire haetten. Und die USA hat ihre Hand im Irak und Afghanistan bei weitem ueberspielt. An kernigen Spruechen hat es damals Bush, Rumsfeld und Cheney nicht gefehlt.

Aber so funktioniert Macht nicht.

Macht und Neid muessen verdienet werden, und manchmal wird jemand - wie Deutschland - unfreiwillig in eine Fuehrungsrolle gestossen.

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