Sony PRS-T2 im Test: Ein E-Reader mit einem großen Problem

  • Schöne Farben, gutes Display, aber das allein überzeugt nicht.
    foto: sony

    Schöne Farben, gutes Display, aber das allein überzeugt nicht.

  • Der Reader Store funktioniert in Österreich nicht
    vergrößern 478x604
    screenshot: derstandard.at

    Der Reader Store funktioniert in Österreich nicht

Sonys E-Book-Reader macht dem spontanen Leser das Leben schwer

Wie soll man einen E-Reader testen, bei dem der Reader Store gleich mal vorweg nicht "in ihrem Land verfügbar" ist? Schwierige Sache, oder wie andere vermutlich sagen würden: Glatt durchgefallen. Aber geben wir dem Reader eine Chance und legen diesen Fakt bis zum Fazit mal beiseite. Denn es ist für jeden Kunden, der sich diesen Reader kauft, eigentlich eine ärgerliche Sache, dass man eine Hardware hat, bei der ein wichtiger Bestandteil der Software bzw. des Service nicht funktioniert. Bereits 2011 vertröstete man bei Sony wartende Lesefans mit den Worten "bald". Wann damit also zu rechnen ist, ist noch völlig unklar.

Formate

Also macht man es auf die Old-School-Variante und lädt sich - beispielsweise bei gutenberg.org - ein kostenloses Buch runter. Doch in welchem Format muss man es überhaupt runterladen? In den Unterlagen findet man nichts, also macht man es wie es wohl jeder macht und sucht die Produktseite im Internet auf. Der Reader kommt mit EPUB-Dateien, PDFs, RSS-Newsfeeds, JPEGs und Sonys Reader-Format BBeB klar. MP3, DRM und AAC werden ebenfalls unterstützt. 

Technisches

Man lädt die Datei einfach mittels USB-Anschluss auf das Gerät. In der Zwischenzeit kann man sich kurz mit den technischen Daten auseinandersetzen: Das Gerät ist 164 Gramm schwer, also nur vier Gramm leichter als sein Vorgänger, der PRS-T1. Mit sechs Zoll Durchmesser ist das Gerät auch gleich groß geblieben. Verändert hat sich zum Vorgänger also sehr wenig. 170 dpi, 800x600 Pixel Auflösung, Dual-Touch IR-Touchscreen und WLAN waren auch beim PRS-T1 schon vorhanden. Ebenso die zwei Gigabyte Speicher. MicroSD-Slots haben die Geräte auch. 

Teilweise lange Reaktionszeiten

Das Setup für den Reader dauert am Rechner einige Minuten. Sehr ungewöhnlich war dabei, dass nach dem Installationsvorgang der Mac neu gestartet werden musste. Über dieses Programm kann man sehr einfach seine Bücher verwalten. Import, Export und die Auflistung der Bücher funktionieren einwandfrei. Auf dem Reader ist das Buch dann im "Bücherregal" zu finden. Das Umblättern geht relativ flott, wobei immer ein "Flimmereffekt" dazwischen auftritt. Dieser tritt zwar auch bei Amazons Kindle auf, aber nicht so oft und lang. 

Guter Kontrast

Auch im direkten Licht ist der Text sehr gut lesbar. Der Kontrast ist gut und auch im Sonnenlicht gegeben. Es gibt acht verschiedene Schriftarten und Schriftgrößen, deren Einstellung etwa zwei Sekunden dauert, aber E-Paper ist eben nicht schnell, dessen sollte man sich bewusst sein. Während des Lesens kann man Notizen machen, die Ansicht anpassen, die Seitennavigation einstellen und Handschriftliches festhalten. Ein Stift wird allerdings nicht mitgeliefert. Weiters kann man noch etwas auf Facebook teilen und einige andere Optionen verwenden. Lesezeichen muss man ebenfalls keines setzen, denn der Reader merkt sich den Lesefortschritt.

Hervorragende Akkuleistung, schlechter WLAN-Empfang

Nach 1,5 Wochen war beim E-Reader von Sony nicht eines von fünf Strichen bei der Batterieanzeige weg. Das Navigieren durch das Menü verlangt etwas Geduld ab, denn vom Drücken bis zum Eintreten des gewünschten Ereignisses muss man manchmal etwas warten. Ist man in den Anwendungen, findet man einen Browser, eine Sektion für regelmäßig erscheinende Medien, Notizen, Wörterbuch, Handschrift, Text-Memo, Bilder, Einstellungen, Evernote und Facebook. Der Browser ist relativ flott für einen Reader-Browser und funktioniert problemlos. Der WLAN-Empfänger dürfte aber ziemlich schwach sein. In einer Umgebung, in der das WLAN sowohl vom Notebook, vom Smartphone als auch von der XBOX sehr gut empfangen wird, hatte der E-Reader Probleme mit dem Verbinden, was sich durch ständige Verbindungsabbrüche beim Surfen bemerkbar machte.

Fazit

Um das Lesevergnügen zu einem Ende zu bringen, lässt sich abschließend sagen, dass der Sony Reader bestimmt ein gutes Tool für Menschen ist, die einen E-Reader nur für den Urlaub oder die Geschäftsreise brauchen. Spontan sollte man dann nicht sein, denn die Bücher muss man vorher mangels Reader Store auf den Reader vom PC laden oder man weicht auf die zwei alternativen Stores von bol.com oder ManyBooks.net aus. Allerdings funktioniert das nur, wenn man Glück hat und eine Internetverbindung zustande bekommt. Dass Sonys eigener Reader Store in Österreich nicht funktioniert ist vermutlich ein sehr großes Argument gegen den Kauf des Gerätes. Das Lesen geht relativ flüssig und flott, der Akku scheint lange zu halten. Der Browser des PRS-T2 ist schnell, aber die Reaktionszeiten im Menü sind teilweise relativ lang. Angesichts der großen Konkurrenz, die dem Reader blüht - Amazons Kindle Paperwhite, der schon in zahlreichen Medien gelobt wurde - muss das Gerät noch einiges aufholen, um sich am Markt zu etablieren. Ironischerweise ist der PRS-T2 auf Amazon.de und um 160 Euro zu finden, was am günstigsten ist, und in den Farben schwarz, weiß und rot verfügbar. Der Kindle Paperwhite kostet in seiner WiFi-Only-Version nur 119 US-Dollar. Wer 3G will, muss noch mal 60 Dollar draufschlagen, was immer noch weniger als der Sony-Preis ist. Müsste man dem Gerät eine Schulnote geben, so bekäme der E-Book-Reader von Sony in diesem Test eine 3 mit einem dicken Minus. (iw, derStandard.at, 21.10.2012)

Share if you care