Wahl in Krems: Sieger sehen anders aus

Kommentar8. Oktober 2012, 19:49
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Offensichtlich ist eine Proteststimmung entstanden, aus der Freiheitliche, Grüne und Kommunisten zusätzliche Stimmen schöpften

Die Wahlbeteiligung in Krems war am Sonntag rekordverdächtig gering. Der Stimmenzuwachs der SPÖ lässt sich nur hinter dem Komma ausmachen, aber man ist nicht nur zufrieden. Nein, quer durch Österreichs Sozialdemokratie spricht man von einem "Riesenerfolg". Das ist beschämend.

Zwar gibt es für die Roten Grund zur Freude: Immerhin waren sie in der Stadt an der Donau zuletzt vor über 60 Jahren stimmenstärkste Partei. Außerdem wurde Krems als heimliche Landeshauptstadt in den vergangenen Jahren mit diversen Prestigeeinrichtungen bedacht. Die Sozialdemokraten sollten sich dennoch auch an der Nase nehmen: Trotz offensichtlich großer Enttäuschung seitens der Wähler gegenüber der Kremser Volkspartei schafften sie es nicht, sich von dem beachtlichen Kuchenstück, das die VP verlor, auch nur ein paar Bissen zu sichern. Ganz offensichtlich ist eine Proteststimmung entstanden, aus der Freiheitliche, Grüne, Kommunisten zusätzliche Stimmen schöpften. Den Sozialdemokraten gelang das nicht.

Sensation ist das keine, und ein Riesenerfolg, wie Landes- und Bundespartei meinten, sieht anders aus. Das "klare Signal für die Zukunft" ist vor allem jenes: die geringe Wahlbeteiligung. Dass von den 23.000 Wahlberechtigten in Krems 8500 Personen es vorzogen, ihre Stimme gar nicht abzugeben, zeigt, dass die Politik die Leute nicht erreicht. Das gilt nicht nur für die Schwarzen in Krems. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 9.10.2012)

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