Entsprechung

Einserkastl8. Oktober 2012, 18:44
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Für die Kirchenspitze ist die eigene Welt völlig in Ordnung

Der Papst sagte in seiner Rede zur Bischofssynode (=Versammlung) in Rom, es bestehe eine "offenkundige Entsprechung zwischen der Krise des Glaubens und der Krise der Ehe". Wenn man bedauert, dass auf die Ehescheidung nicht mehr die Strafe des kirchlich unterstützten gesellschaftlichen Todes steht - und die materielle Existenzvernichtung für die Frauen -, dann kann man dieser Ansicht sein.

Oder wenn man glaubt, dass auch eine unerträgliche Ehe um des christlichen Glaubens willen auf alle Fälle aufrechterhalten werden muss. Sonst nicht.

Es ist fast schon ein Klischee, die Abgehobenheit und geistige Isolation der Kirchenführung und besonders dieses Papstes zu beklagen oder zu kritisieren. Wenn man sich aber die Bilder von der Synode ansieht - diesen ästhetisch überwältigenden Prunk, den das Papsttum zu entfalten vermag; wenn man selbst einmal die herrlichen Renaissance-Säle des Vatikan mit den Werken der größten Künstlergenies der Menschheit durchschritten hat; wenn man einmal bei einer Generalaudienz die Massen unten auf dem Petersplatz erlebt hat - dann kann man doch nachvollziehen, was an der Spitze der katholischen Kirche offenbar gedacht wird: dass die eigene Welt in Ordnung ist und man sich nicht ändern muss.

Die ungeheure kulturelle, soziale und geistige Leistung der Kirche bleibt trotzdem. Aber es wird schwerer, sie in Rechnung zu stellen. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 8.10.2012)

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