Wien: Ein Streit um Grün oder Glas bei Haus unter Denkmalschutz

Bettina Fernsebner-Kokert
8. Oktober 2012, 18:05
  • Im Innenhof des Biedermeierhauses "Am Heumarkt 7" im dritten Bezirk sollen zwei Glaswürfel für Büros errichtet werden. Die Bewohner fürchten nun um das Grün in ihrem Haus.
    foto: standard/cremer

    Im Innenhof des Biedermeierhauses "Am Heumarkt 7" im dritten Bezirk sollen zwei Glaswürfel für Büros errichtet werden. Die Bewohner fürchten nun um das Grün in ihrem Haus.

Dürfen im begrünten Innenhof eines denkmalgeschützten Hauses nachträglich Büros eingebaut werden? Nein, befinden die Bewohner. Unter bestimmten Auflagen schon, meint hingegen das Denkmalamt

Wien - Die Rasenflächen der beiden Innenhöfe des Biedermeierhauses "Am Heumarkt 7" sind mit einer liebevoll in Form geschnittenen niedrigen Buchsbaumhecke eingefasst, Bankerl laden dazu ein, die Herbstsonne noch ein wenig zu genießen. Doch jetzt fürchten Bewohner um einen der Höfe und ganz besonders um die alten Bäume. Eine Steuerberatungsfirma, die bereits ihren Sitz in dem Haus hat, braucht größere Büroräumlichkeiten und plant, im ersten Innenhof zwei Glaskuben zu errichten, die unterirdisch verbunden sein sollen.

Nachträglicher Einbau

"Das Haus stammt aus dem Jahr 1828 und ist denkmalgeschützt", sagt eine Bewohnerin zum STANDARD, "ich frage mich, wie es möglich sein kann, dass in den Höfen nachträglich etwas gebaut werden kann." Es gebe zwar die Auflage, dass die Bäume umgraben werden müssen, "aber alte Bäume haben doch weitverzweigte Wurzeln, ich weiß nicht, wie das funktionieren soll, ohne die Bäume zu schädigen."

Im Bezirk scheint die Begeisterung für die nachträglichen Einbauten enden wollend zu sein. Am Mittwoch wird sich der Bauausschuss des dritten Bezirks mit dem Projekt befassen.

Die Grünen im Bezirk sprechen sich vehement dagegen aus. "Wir werden es im Ausschuss ablehnen", sagt die grüne Bezirkschefin Eva Lachkovics. Es gebe aus ihrer Sicht keinen Grund, warum dieses Projekt umgesetzt werden solle, betont sie. Außerdem hätten die Innenhöfe eine Gartenwidmung, und es sei "völlig ausgeschlossen", dass die Landstraßer Grünen einer Umwidmung zustimmen werden. Es gebe zudem im dritten Bezirk genügend freie Büroflächen, etwa künftig in Wien Mitte.

Das Denkmalamt habe bei den Höfen keine Handhabe, weil zwar das Gebäude und die Umrahmung der Grünflächen, aber nicht die Grünanlagen selbst unter Denkmalschutz stünden, sagt der Vorsitzende des Bauauschusses, Rudolf Zabrana (SP).

Hof muss erkennbar bleiben

Selbstverständlich habe das Denkmalamt ein Wort mitzureden, betont der Wiener Landeskonservator Friedrich Dahm auf Nachfrage des STANDARD. Das Wiener Denkmalamt hat gemeinsam mit der MA 19 (Architektur und Stadtgestaltung) Auflagen festgelegt, unter deren Einhaltung die Errichtung der Glaswürfel möglich wäre. So muss der zentrale Durchgang frei und die Sichtachse in den dahinter liegenden Hof erhalten bleiben. "Der Hof muss von allen Punkten aus als solcher erlebbar bleiben", erläutert Dahm die Kriterien. Deshalb dürfen die Glaskuben auch an keiner Stelle mit der Hoffassade in Berührung kommen und nicht höher als acht Meter werden.

Bei der Steuerberatungsfirma wollte man zu den baulichen Expansionswünschen in Richtung Innenhof auf Nachfrage nichts sagen und verwies auf die Eigentümerin der Liegenschaft, die Industrieliegenschaftenverwaltungs AG (Ilag). Ein Rückruf der Ilag blieb bis zu Redaktionsschluss aus. (Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD, 9.10.2012)

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es ist ja ganz einfach: da kommt einer mit Geld und will was haben weil man mit Geld alles haben kann was man will und dann sind die anderen die haben Geld oder keines und wollen es nicht haben. schlussendlich wird sich der durchsetzen der mehr geld hat...

Das Jugendstiljuwel Otto-Wagner-Areal/Steinhof muß saniert und gerettet werden - KEINE Verbauung im denkmalgeschützten Ensemble

Das Bundesdenkmalamt richtet sein Fähnchen natürlich auch in den jeweils genehmen politischen Wind!“ Wie sonst ist es zu erklären, daß soeben auf dem DENKMALGESCHÜTZTEN Areal des Jugendstilensembles des Otto-Wagner-Spitals ein riesiges abstoßend hässliches VAMED-Wellnesshotel entsteht? Sogar ist die Goldene Kuppel der weltberühmten Kirche von diesem Standpunkt aus nicht mehr zu sehen! Da hat das BDA in vorauseilendem Gehorsam (oder warum sonst?) dieses Areal „PPREISgegeben“, die „Stadtbildpflege“ MA19 schweigt dazu laut – hats geknistert, geraschelt?

Die Präsidentin des BDA und Ihr Hofrat Dahm - sie haben ALLE kläglich versagt; der „Tag des Denkmals“ ist für das Otto-Wagner-Spitalsareal/Steinhof ein Tag des Versagens-Einverständnisses.

Otto-Wagner-spital/Steinhof ist der "Spiegelgrund" gewesen! !

Klar, daß die Erinnerung an diese Gräueltaten (Dr. Gross, BSA) ausgelöscht werden muß!
Da paßt der Politgünstlings-Wohnpark samt Wellness-Oase der gemeindeeigenen Gesiba hervorragend ins Konzept des Vergessen_Machens und Vernichtens.

Nur eines kann dieses Erbe für unsere Nachwelt retten:
Der UNESCO-Weltkulturererbe-Schutz muß endlich erreicht werden, um die Verwerter, Aasgeier, Geldhaie und Spekulanten in Politik und Wirtschaft abwehren zu können!

http://www.avaaz.org/de/petiti... n/?czFMbab

http://www.steinhof-erhalten.at/bauvorhab... vamed.html

http://www.aktion21.at/themen/index.htm

ich befürchte,

dass das durchgeht. im 3. bezirk hat ja auch das denkmalamt erlaubt, dass auf ein arsenalgebäude (unter denkmalschutz!) noch wohnungen draufgebaut wurden.

Und? Eine Stadt muß sich entwickeln und erneuern können und daß bedeutet nicht immer mehr Wohn- und Gewerbesilos in eine immer ausufernden Peripherie zu pflanzen.
Denkmalschutz bedeutet sinnvollerweise zumeist auch nicht, wie oft missverstanden, den unbedingten Erhalt von Bausubstanz in einem möglichst originalgetreuen Zustand, sondern den verantwortungsvollen Umgang mit gebautem kulturellem Erbe. - Und das beinhaltet das Lebendighalten von Einzelbauten und Ensbles, Nicht die Überführung in ein totes Museumsstück.

können mit der aussage "eine stadt muss sich entwickeln und erneuern können" die gängigen bauvorschriften, die für alle gleich gelten (sollen), umgangen werden? oder darf sich nur eine handvoll gut vernetzter auf diese erneuerung berufen?

Das können sie sich doch selbst beantworten.
Die Gesetze, die für alle gültig sind, erlauben oder verbieten es eben. Bei so einem Projekt gibt es aber keine eindeutigen Vorschriften. Da müssen diverse Ämter/Magistrate miteinbezogen und ein Konsens gefunden werden.
Wie sie sich natürlich denken können, ist es, wie überall und schon immer, mit den nötigen beziehungen einfacher eine Entscheidung nach eigenenm Willen zu erwirken. Das dürfte wenig überaschend sein.
Grundsätzlich ist aber für Alle das gleiche Recht zuständig und gleiche Entscheidungen möglich.

warum wollen die Grünen bloß immer alles reglementieren. Die wollen alles und jeden in ihr eingeschränktes Weltbild pressen. Früher hab ich mir mal gedacht die wären liberal.

Unter bestimmten Auflagen..

geh bitte! das denkmalamt, diese "sie wünschen, wir widmen"-anstalt.

die bewohner sollten froh sein, dass man nicht 10 cm an die fassade irgendeinen aluklotz a la augarten baut oder teile des ensembles mit fadenscheiniger begründung einfach niederreisst. das passiert nämlich, wenn der richtige mit den fingern schnippt und bauen will.

Chuzpe!

Soll sich der Steuerfuzzi komplett neue Räume suchen.
Leerstand in Gewerbeobjekten gibt es zur Genüge.

Was heißt Chuzpe?

Eine Firma braucht eine Erweiterung. Aus durchaus verständlichen Gründen ist ein Standort gewünscht und der jetzige ist durchaus nett und angenehm. Also überlegt die Firma einen Ausbau.

Geht das nicht, wird man halt ein anderes Büro nehmen. Aber nicht beklagen, wenn das ev. nicht mehr in Wien ist.

lg
Dimple

Da hat aber jemand gute Connections

Aber eine Brücke von der Südosttangente will das Denkmalamt unter Schutz stellen.

Die saufen dort definitiv zu viel unter Tags.

in der kurzen zeit, wo die ihre büros beschnuppern, kann man nicht so viel saufen. das geht sich rein technisch nur am oktoberfest aus

Sehr interessant

Ich habe ein kleines Häuschen in einem Innenhof aus dem 19. Jhdt. in schlechter Lage (15. Bez.), umgeben von Häusern aus den 60er Jahren. Kein Denkmalschutz und nix. Wollte bei der Generalsanierung eine Seite vom Dach 30cm anheben, um im Dachboden stehen zu können. Das wurde mir untersagt, da alle wiener Innenhöfe Grünraum sind und eine Erweiterung der darin befindlichen Bausubstanz (auch nach oben in die Luft) verboten ist. Wie erklärt man mir dann sowas? Vielleicht hätte ich einen 8m hohen Glaskobel oben drauf setzen sollen, das wäre dann genehmigt worden?

Echt,

sie haben danach gefragt, ob sie das Dach anheben dürfen? Das hätte eh niemand nachgemessen...

schluck ein paar vitamin b tabletten dann wird alles gut :)

Ja, es gibt etliche solche Geschichten. Beim BDA scheint es eine eigene Abteilung Freunderlwirtschaft zu geben.

Da darf man dann abreißen, wenn man möchte etc.

wer braucht denn noch weitere Bueros?

Es gibt ja jetzt schon einen enormen leerstand.

Ja genau. Ihre Wohnung ist im schlechten Zustand und ihr Nachwuchs hätte gern ein eigenes Zimmer? Dann ziehen sie doch woanders hin! Es gibt ja genug Wohnungen. Besonders im 10. wäre da noch einiges frei. Sie zahlen vielleicht mehr, der Umzug kostet viel Geld und ihre neuen Nachbarn... naja, sie können ja ein besseres Schloß einbauen ;)

wenn die wohnung zu klein wird, kann ich im hof einen glaskubus aufstellen und das kinderzimmer dort hinverlegen?

Wenn sie die Genehmigung dafür bekommen, natürlich.
Aber in höfen zu bauen ist keine einfache Aufgabe.
Ein kindezimmer ist ein Aufenthaltsraum, so müssen sie erst einmal die Belichtung nachweisen. Dann dürfen bestehende Gebäude meist in der Belichtungssituation nicht beeinflusst werden, - also müssen sie Abstände und maximalhöhen einhalten. Dazu kommen dann noch Brandschutz, bzw Fluchtwegvorschriften. Wenn sie bestehende Bäume haben, brauchen sie evt. ein Baumgutachten, das ihnen sagt, welche der Bäume erhaltenswert sind. Wenn der Bestand unter Denkmalschutz steht, dann wird das BDA ihnen vermutlich nicht erlauben anzubauen - ihr Kinderzimmer wird also nur über den Hof zugänglich sein, etc..pp...

erst wenn....

erst bis der letzte Baum usw...... fast 200 Jahre einfach ein schöner grüner Hof, jetzt Opfer des Kapitalismus? Zitiere Reinhard Mey:
sieht den keiner dass der König keine Kleider anhat:
......der Architekt, der die Schönheit von Glas und Beton erklärt
und dann in sein Haus aufs Land rausfährt..................
bleibt zu hoffen, dass die Vernunft doch siegen wird. Bitte lasst unsere grüne Oase so wie sie ist!
Ein in dieser Wohnender

2 interessante Dinge

2 Dinge sind an den bisherigen Postings interessant.

1. Die Meinung, die Landstraßer Grünen würden umfallen
(Beweise für derartige Vorkommnisse werden nicht erbracht)

2. Die Feigheit derer, die die wildesten Anschuldigungen treffen, unter ihrem richtigen Namen zu posten (stattdessen versteckt man sich hinter irgendwelchen Nicknames)

Fazit: Es werden wilde Anschuldigungen verteilt, der Wahrheitsbeweis will oder kann nicht angetreten werden, und um Rechtfertigungen aus dem Weg zu gehen wird das Ganze unter Pseudonamen veranstaltet

Präzisierung

Der Hinweis mit "Anschuldigung und Nicknames" bezog sich auf die Postings vor 20:45, wobei jenes von "Carlos Clementin" um 19:58 noch nicht sichtbar war (offensichtlich dauerte das Freischalten gestern länger)

zu 1.

zu 1.:bitte wie ist das mit den Grünen? Die SPÖ und die ÖVP sind meines wissens nach dagegen.
und zu 2.: bitte keine Verallgemeinerungen!

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