Venezuela hält am Chavismo fest

8. Oktober 2012, 18:21
35 Postings

Seit 14 Jahren an der Macht, ließ sich Venezuelas Präsident Hugo Chávez am Wochenende für weitere sechs Jahre bestätigen

Zwar wurde der neuerliche Wahlsieg von Hugo Chávez mit einem Feuerwerk gebührend gefeiert, doch er war nicht so überragend, wie die Zahlen auf den ersten Blick vermuten ließen. Der seit 14 Jahren regierende Sozialist bleibt für weitere sechs Jahre venezolanischer Präsident - er siegte mit 54 Prozent der Stimmen über Henrique Capriles, der knapp 45 Prozent erreichte. Doch das Ergebnis bedeutet für Chávez gleichzeitig einen Stimmenverlust von fast zehn Prozentpunkten im Vergleich zu 2006 und vor allem ein Erstarken der Opposition.

Capriles beglückwünschte den Amtsinhaber und bedankte sich bei seinen mehr als sechs Millionen Wählern: Sie hätten nicht verloren, sondern den Grundstein gelegt für eine andere Option. "Fast die Hälfte des Landes ist nicht einverstanden mit dieser Politik", betonte der 40-jährige Anwalt.

"Sieg der Völker"

Chávez sprach kurz vor Mitternacht vom Balkon des Präsidentenpalastes zu zehntausenden begeisterten Anhängern. "Dies ist ein Sieg der Völker Lateinamerikas", sagte der 58-Jährige in Anspielung auf seine antiamerikanische Bündnispolitik. Er bemühe sich, jeden Tag noch besser zu werden, gelobte er triumphierend, aber deutlich erschöpft.

Der Präsident verkündete, er wolle den Sozialismus weiter vertiefen. Unter anderem will er die Volksräte stärken - andere Instanzen wie Bürgermeister und Gouverneure - bisher eine Bastion der Opposition - sollen entmachtet werden. Das Parlament spielt seit langem kaum noch eine Rolle, da der Präsident per Dekret regieren kann und den Großteil der Staatseinnahmen am ordentlichen Haushalt vorbei in Sonderfonds dirigiert, die keinerlei Kontrolle unterliegen. Während des Wahlkampfes gelobte Chávez zwar Veränderung, nach dem Sieg war davon aber keine Rede mehr.

Die Wahl hat die Polarisierung des Erdölstaates in zwei Lager konsolidiert; eine Annäherung oder gar Aussöhnung gilt wegen der grundlegenden Differenzen als unwahrscheinlich. Die nächste Kraftprobe steht bei den Regionalwahlen im Dezember bevor.

Trotz des deutlichen Vorsprungs stehen Chávez keine einfachen Jahre bevor. Unwägbar bleibt vor allem der Erdölpreis, der von der chinesischen Nachfrage abhängt. Keine Klarheit gibt es auch bezüglich Chávez' Gesundheit: Offiziell ist er vom Krebs geheilt, doch während des gesamten Wahlkampfes wirkte er erschöpft. Und ein Chavismo ohne Chávez ist für viele schlicht undenkbar. (DER STANDARD, 9.10.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Chávez-Anhänger vereinnahmt Che Guevara für die venezolanische Revolution.

Share if you care.