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Nematocarcinus lanceopes (oben) hat sich von der letzten Eiszeit nicht kalt erwischen lassen: Die flexible Art hat sich einen breiten Genpool bewahrt. Chorismus antarcticus (unten) schlitterte hingegen mit Glück am Aussterben vorbei.

Frankfurt - Veränderungen des Weltklimas können einschneidende Auswirkungen auf verschiedene Spezies haben. Aktuell wird dieses Thema in erster Linie in Zusammenhang mit der gerade stattfindenden Erderwärmung diskutiert. Auch das vorangegangene Ereignis dieser Art war eine Erwärmung, am Ende der letzten Eiszeit - der Effekt gilt aber auch umgekehrt. Wie Populationen beeinflusst wurden, als es auf der Erde kälter wurde, haben nun Forscher des Senckenberg-Forschungsinstitut anhand von Meereskrebsen untersucht.
"Wir haben erstmals sogenannte 'Artverbreitungsmodelle' genutzt, um den derzeitigen Lebensraum von drei Garnelenarten in der Antarktis zu rekonstruieren", erklärt Michael Raupach aus dem Deutschen Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung. Die Modelle basieren auf der Annahme, dass jede Art - aufgrund von verschiedenen klimatischen und ökologischen Faktoren - einen bestimmten Lebensraum besiedelt. "Bei der Untersuchung der antarktischen Garnelen mussten wir auf solche Modellierungen zurückgreifen, denn einfach zählen lassen sich die Tiere wegen der ausgedehnten antarktischen Vereisung nicht", erläutert Raupach.
In einem zweiten Schritt hat das internationale Meeresforscher-Team
die durch die Krebse besiedelten Gebiete während der letzten Eiszeit
modelliert. "Uns hat besonders interessiert, wie sich dieses extreme
Vereisungsereignis vor rund 20.000 Jahren auf die antarktische Fauna
ausgewirkt hat", sagt der Wilhelmshavener Biologe. "Unsere Ergebnisse
zeigen, dass der Lebensraum zweier Arten während der letzten Eiszeit
drastisch reduziert wurde." Dies führte zu kleinen, isolierten
Populationen und einem enormen Verlust der genetischen Variabilität der
vorwiegend im Flachwasser lebenden Krebstiere. Dieser als "genetischer
Flaschenhals" bezeichnete Prozess kann durch Verringerung der
genetischen Vielfalt bei gefährdeten Tierarten mitunter zu deren
Aussterben führen.
Doch nicht alle Krustentiere reagierten so
extrem auf die zunehmenden Eismassen: So wich eine Art
(Nematocarcinus lanceopes) einfach in angrenzende Tiefseebecken aus und
bewahrte sich so einen reichhaltigen Genpool. "Wie man an den
drei Garnelenarten sieht, sind es besonders die klimatischen
Veränderungen und die Mobilität der Tiere, welche die Populationsdynamik
von marinen Lebewesen in der Antarktis beeinflußen", ergänzt Raupach. (red, derStandard.at, 12. 10. 2012)
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