Die Verschwörung der Alten

Helmut Ploebst
8. Oktober 2012, 17:44
  • Percy Kofranek und Susanne Kirnbauer in "Come Back".
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    foto: steirischer herbst / wolfgang silveri

    Percy Kofranek und Susanne Kirnbauer in "Come Back".

Doris Uhlichs Tanzstück "Come Back" ist für alle Beteiligten zum Abenteuer geworden

Graz - So wie die Wiener Choreografin Doris Uhlich (35) den Titel Come Back für ihr neues Stück verwendet, wirkt er wir eine geflüsterte, dringliche Einladung. Diesem Flüstern sind fünf von ihrer Ballett-Kompanie an der Wiener Staatsoper längst verabschiedete Tänzerinnen und Tänzer gefolgt: Marialuise Jaska, Susanne Kirnbauer, Percy Kofranek, Renate Loucky und Violetta Storch.

Die Uraufführung im ausverkauften Mumuth beim Steirischen Herbst ist für alle Beteiligten zum Abenteuer geworden. Dank Uhlichs Überzeugungskraft haben die aus der klassischen Tradition kommenden Spitzentänzer auf der Bühne Handlungen vollzogen, die für sie früher wohl undenkbar gewesen wären. Und eher nicht in den Rahmen ihrer Definition von Tanz gepasst hätten.

Mit Uhlich schließen sie an die Auseinandersetzung um den Stellenwert reifer Tänzer in Ballett und Moderne an. Größen wie Alicia Alonso, Maya Plisetskaja, Marcia Haydée, Birgit Cullberg oder Mikhail Baryshnikov konnten zwar noch jenseits der fünfzig auftreten, aber sie sind Ausnahmen. Selbst Jirí Kylián ist trotz seines Ruhms mit seiner Gruppe für reife Tänzer NDT III gescheitert. Was ist da los?

Ein Akt der Aufklärung

Jugendlichkeit ist zum Beuteschema für eine Gesellschaft geworden, die ihre Jugend effizientest missbraucht, indem sie diese verunsichert, anpasst und ausnutzt. Da stört es, wenn selbstbewusste, weil erfahrene Alte aus ihrem Weggeräumtsein zurückkehren. Warum? Weil, wie die noch junge Choreografin und ihre reifen Tänzer zeigen, Jugend und Alter heute als Opfer dieser Gesellschaft zusammengehören. In diesem Sinn ist Come Back eine Art Verschwörung, die über die derzeit schwächelnden Grenzen zwischen historischen und neuen Ästhetiken hinausgeht. Da das Stück als ein Akt der Aufklärung konzipiert ist, erfährt das Publikum einiges über die fünf Persönlichkeiten auf der Bühne: was sie denken, was sie sagen und wie sie an die Herausforderungen im Stück herangehen.

Dafür kreiert die Choreografin ein künstlerisches Feld, das die jüngere Tanzgeschichte umgrenzt: unter anderem zwischen Jérôme Bel, Chris Haring, dessen Stück Kind of Heroes in Come Back klar erkennbar wird - und ihrer eigenen Arbeit Spitze mit Susanne Kirnbauer und Harald Balluch. Im Jänner wird das vom Grazer Publikum mit Verständnis aufgenommene Stück im Brut Theater in Wien gezeigt. (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 9.10.2012)

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immer diese inhaltlichen Fehler in der "Qualitäts-Zeitung"

Percy Kofranek war Gruppentänzer an der Volksoper!

Und dass hier auch wieder das Klischee bedient wird, dass Klassische Tänzer früher nur dem Klassischen Ballett gehuldigt haben ist auch bedenklich! An der Wiener Staatsoper wurden immer moderne Choreographien auch gezeigt. Susanne Kirnbauer und Marieluise Jaska haben zum Beispiel auch Choreographien von Grete Wiesenthal an der Wiener Staatsoper getanzt.

Kurze Zusammenfassung

Achtung Spoiler Alarm
https://vimeo.com/50929507

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