IWF schraubt Prognose drastisch zurück

8. Oktober 2012, 23:30
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Euroraum wird 2013 erneut Region mit niedrigsten Zuwachsraten - Konjunktur in Österreich trübt sich ein

Draußen vor dem Tokyo International Forum, einem Kongresszentrum im Herzen der japanischen Hauptstadt, wirkt die Welt noch in Ordnung. Auf überdimensionalen Videowalls werben japanische Unternehmen mit futuristischen Spots für ihre neuesten Smartphones und Luxusautos. Beim Eingang zum Kongressgelände zeigt eine Hightech-Ausstellung japanische Mini-Roboter. Innovation ist die "DNA" des Fortschrittes, steht auf einem Poster.

Doch im Inneren des Tokyo Forums, wo am Montagabend die Jahrestagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) begonnen hat, war von Aufbruch nichts zu merken. Im Gegenteil, es herrschte Endzeitstimmung. Tenor bei der Eröffnung der Tagung: Nach einer kurzen Verschnaufpause 2011 sind die Probleme der Weltwirtschaft 2012 wieder voll zurückgekehrt. Die Erholung wird spürbar nachlassen und im kommenden Jahr kaum an Fahrt gewinnen.

Nur Versprechungen

Dazu passend präsentierte der IWF einen ausgesprochen düsteren Wirtschaftsbericht, der für Europa nichts Gutes verheißt. "Im Gegensatz zu unseren früheren Annahmen, hat die Eurokrise nichts an Intensität eingebüßt", heißt es in dem Papier des IWF-Chefökonomen Olivier Blanchard. Zwar lobt der IWF die Pläne zur Schaffung einer gemeinsamen Bankenaufsicht in der Eurozone, und auch die Ankündigung der Europäischen Zentralbank, nötigenfalls unbeschränkt Staatsanleihen schwächelnder Länder zu kaufen, fand in Tokio Unterstützung.

Bisher seien dies aber nur Versprechungen, die den Abfluss von Kapital aus der Euro-Peripherie nicht stoppen konnten. In Zahlen gegossen ergibt sich ein klares Bild: Die Eurozone wird nach 2012 auch 2013 zur Region mit dem deutlich niedrigsten Wachstum. Im kommenden Jahr soll sie um gerade 0,2 Prozent wachsen, das ist um 0,5 Prozent weniger als noch bei der letzten Prognose im Juli angenommen.

Am deutlichsten nach unten revidiert wurde der Ausblick für Spanien, wo die Rezession doppelt so schlimm ausfallen soll als noch im Sommer erwartet. Die spanische Wirtschaft wird demnach im kommenden Jahr um 1,3 Prozent schrumpfen. Ähnlich drastisch revidiert wurde der Ausblick für Italien (minus 0,7 Prozent im kommenden Jahr). Mit Ausnahme Irlands rutschen sämtliche Europeripherieländer in die Rezession. Diese Entwicklung wird auch die Kernländer der Eurozone via rückläufiger Ausfuhren treffen. So senkte der IWF seine Prognose für Deutschland ab, wo er heuer und 2013 nur mehr ein Wachstum von 0,9 Prozent erwartet. Für Österreich wurde die Prognose 2012 (plus 0,9 Prozent) nicht verändert, für das kommende Jahr rechnet der Währungsfonds aber nur mit einem Plus von 1,1 Prozent (zuletzt: 1,8).

Während die USA zumindest auf stabile Zuwachsraten hoffen können, fällt die britische Wirtschaft heuer in die Rezession zurück. Trotz des schwächeren Inlandskonsums und sinkender Exporte, erwartet der IWF für China im kommenden Jahr ein kräftiges Wachstum von 8,2 Prozent. Das ist wesentlich optimistischer als eine ebenfalls am Montag veröffentlichte Prognose der Weltbank.

Wohlgemerkt sind diese Zahlen Teil eines optimistischen Szenarios, in dem die Eurozone die Schuldenkrise in den Griff bekommt und sich Republikaner und Demokraten in den USA auf eine Anhebung des Schuldenlimits und auf neue Einsparungen einigen können.

Die Zahlen bedeuten laut Währungsfonds, dass die Rekordarbeitslosigkeit in der Eurozone 2013 nahezu unverändert bleibt. In seiner letzten Prognose ging der IWF von einer Arbeitslosigkeit von 19,3 Prozent in Griechenland im kommenden Jahr aus. Inzwischen rechnet er mit deutlich über 25 Prozent. (András Szigetvari aus Tokio , DER STANDARD, 9.10.2012)

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    Die Probleme der Weltwirtschaft sind 2012 wieder voll zurückgekehrt.

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