Polizeiskandal von Marseille zieht immer weitere Kreise

8. Oktober 2012, 17:42
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Inzwischen 30 Mitglieder von Spezialeinheit suspendiert

Marseille - Der Polizeiskandal in der südfranzösischen Hafenstadt Marseille weitet sich immer mehr aus. Inzwischen seien 30 von insgesamt 70 Mitglieder einer Spezialeinheit für den Norden der Stadt suspendiert worden, hieß es am Montag aus Ermittlerkreisen. Zwölf von ihnen waren bereits am Freitag suspendiert worden, seitdem mussten 18 weitere Beamte ihren Dienst quittieren.

Ihnen wird vorgeworfen, Dealern Drogen und Geld abgeknöpft zu haben, um sich selbst zu bereichern. Innenminister Manuel Valls beschloss bereits die Auflösung der Einheit. Nach Einleitung von Vorermittlungen im November waren die verdächtigen Beamten in ihren Dienstwagen und im Kommissariat mit Wanzen und Geheimkameras überwacht worden. Vor knapp einer Woche dann wurden zwölf Beamte der Einheit festgenommen, in ihren Spinden wurden Drogen und Geld gefunden.

Vorwürfe von "beispielloser Schwere"

Innenminister Valls sagte am Freitag, in der Polizei sei "kein Platz für diejenigen, die die Regeln brechen". Die Vorwürfe gegen die Beamten seien von "beispielloser Schwere". Staatsanwalt Jacques Dallest sprach sogar von einem "Krebsgeschwür" bei der Polizei. Es handle sich "um eine schwerwiegende Affäre, die noch lange nicht vorbei ist". Demnach wird unter anderem wegen Raubes, Schutzgelderpressung und Drogenhandels ermittelt.

In Marseille tobt ein brutaler Bandenkrieg zwischen Drogendealern. Seit Jahresbeginn wurden dabei fast 20 Menschen getötet. Bei den Morden setzen die Gangster häufig auch Kalaschnikows ein. Die französische Regierung hat den Kampf gegen die Drogenkriminalität in der Stadt zu einer ihrer Prioritäten erhoben. Bereits vor zwei Jahren war die Polizei der Stadt von einem Skandal erschüttert worden, bei dem es um Verbindungen von Beamten in die Unterwelt ging. (APA, 8.10.2012)

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