Keine Engelmacherinnen

8. Oktober 2012, 17:16
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"Der lange Arm der Kaiserin": Regisseurin Susanne Riegler gastiert mit ihrer Filmdoku über die Geschichte der Abtreibung im Ega

Wien - Richtersfrauen, Lehrerinnen, Krankenschwestern, Arbeiterinnen: Aus allen Gesellschaftsschichten seien die Frauen gewesen, die ungewollt schwanger wurden und bei ihrer Großmutter Hilfe suchten, erinnert sich die Enkelin. Als "Engelmacherin" habe sich die Oma aber nie gesehen. Denn das war ursprünglich die Bezeichnung für Frauen, die absichtlich Kinder sterben ließen, um sich am Pflegegeld zu bereichern.

Frau P.s Enkelin ist eine der Zeitzeuginnen, die Susanne Riegler für ihren wohltuend unpathetischen Dokumentarfilm über die Geschichte des Schwangerschaftsabbruches befragt hat. Frauen und Männer - u. a. der Gynäkologe Alfred Rockenschaub - erinnern sich an eine Zeit des Schweigens, der Unaufgeklärtheit und der Angst. Auch Freda Meissner-Blau spricht über ihre demütigende Erfahrung eines illegalen Abbruchs.

Der lange Arm der Kaiserin nennt die 54-jährige Journalistin ihr Zeitdokument, das sie heute Abend im Wiener Frauenzentrum Ega zeigt. In Rückblenden erklärt sie die Geschichte des Abtreibungsparagrafen: Maria Theresia sanktionierte Schwangerschaftsabbruch mit dem Tod durch Schwert. Erst seit 1. Jänner 1975 ist die Fristenregelung in Kraft.

Riegler, Referentin des Feministischen Grundstudiums am Rosa Mayreder College, widmete ihren Low-Budget-Film Johanna Dohnal, Kämpferin für die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs. Dohnal zu Ehren fungiert Elisabeth Orth als Sprecherin.

Der ORF zeigt kein Interesse an dem Film. Macht nichts. Gastiert und diskutiert das Ein-Frau-Filmunternehmen (Riegler organisiert Vertrieb und DVD-Versand selbst) eben erfolgreich in österreichischen und deutschen Programmkinos. (Andrea Schurian, DER STANDARD, 9.10.2012)

9.10., 19 Uhr: Ega-Frauen im Zentrum, 1060 Wien, Windmühlgasse 26

  • Tabuthemen Sexualität, Verhütung, ungewollte Schwangerschaften, 
Abtreibung.
    foto: der lange arm der kaiserin

    Tabuthemen Sexualität, Verhütung, ungewollte Schwangerschaften, Abtreibung.

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