Gesundheitslotsen für Wiens Migranten

8. Oktober 2012, 15:11
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Initiative von Volkshilfe und Innenministerium - Schulungen starten am 21. November

Wien - Migranten einen besseren Zugang zum Wiener Gesundheitssystem ermöglichen: Das ist das Ziel des neuen Projekts "MiMi-Gesundheitslotsen in Wien", das von der Volkshilfe Wien und dem Staatssekretär für Integration, Sebastian Kurz, am Montag in einer Pressekonferenz präsentiert wurde. Ab 21. November werden mehrsprachige interkulturelle Gesundheitslotsen ausgebildet. Diese sollen dann im kommenden Jahr in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit Informationsveranstaltungen zu Gesundheitsthemen in Migranten-Communities weitergeben.

Aufholbedarf

Das Gesundheitsbewusstsein von Migranten soll gesteigert werden: Denn laut Kurz würde es vor allem Aufholbedarf bei Menschen aus der Türkei und Ex-Jugoslawien geben. So hätten rund 76 Prozent der Österreicherinnen pro Jahr eine Mammografie durchführen lassen, aber nur 55 Prozent der betroffenen Migrantinnen. Ein ähnliches Bild zeichne sich auch beim Krebsabstrich ab: Circa 56 Prozent der Österreicherinnen würden diesen jährlich machen, bei den Frauen aus der Türkei und Ex-Jugoslawien liege der Anteil bei 32 Prozent. Aber auch bei Impfungen sind Österreicher mit rund 53 Prozent im Vergleich zu Migranten mit ungefähr 40 Prozent deutlich besser geschützt, hieß es.

"Integration ist eine Querschnittsfunktion mit sieben verschiedenen Handlungsfeldern und eines davon ist Gesundheit. Wir kommen zwar an die Mehrzahl der Migranten über Schule oder Projekte heran, aber es gibt eine Gruppe, die wir kaum erreichen. Dabei handelt es sich oft um Frauen aus bildungsfernen Schichten im urbanen Raum", stellte der Integrationssekretär fest. Aus diesem Grund habe man sich mit der Volkshilfe Wien zusammengesetzt und ein Projekt nach Beispiel des deutschen Ethnomedizinischen Zentrums in Hannover entwickelt.

Gesundheitslotse als Bindeglied

Erfolgreich integrierte Migranten sollen nicht so gut integrierten Menschen bei Gesundheitsfragen ehrenamtlich helfen. Dabei gehe es nicht darum, den Sozialarbeiter zu ersetzen, betonte Ramazan Salman, Geschäftsführer des Ethnomedizinischen Zentrums. Vielmehr sei der sogenannte Gesundheitslotse ein Bindeglied zwischen Migranten und dem Gesundheitssystem. Dieser mache im Zuge von Informationsveranstaltungen auf das bestehende Gesundheitsangebot in der jeweiligen Muttersprache gezielt aufmerksam.

Esma Köse ist bereits seit Jahren in Hannover als Gesundheitslotsin in Moscheen, Schulen oder Kulturzentren unterwegs. "Viele Frauen kommen aus der Türkei. Sie sprechen oft nur türkisch und daher gehen sie nicht zu Veranstaltungen in deutscher Sprache. Wenn aber jemand in der eigenen Muttersprache mit ihnen spricht, dann schafft das Vertrauen und auch heikle Themen, die oft im Gesundheitsbereich vorkommen, können angesprochen werden", berichtete die türkischstämmige Deutsche über ihre Erfahrungen.

Lehrgang

In Wien erhalten Interessierte im Rahmen des MiMi-Projekts (Mit Migranten für Migranten, Anm.) in 50 Lehreinheiten eine Ausbildung in Gesundheitsfragen und Prävention. Der Lehrgang schließt mit einem Zertifikat als interkultureller Gesundheitslotse ab. Gesucht werden ab sofort mehrsprachige Migranten, die Interesse an Gesundheitsthemen haben und über gute Deutschkenntnisse verfügen. Zudem müssen sie über einen guten Kontakt zu ihren Landsleuten verfügen, damit sie die Informationen weitergeben können.

Das Gesundheitsprojekt läuft vorerst nur in der Bundeshauptstadt bis Ende 2013, hieß es. Pläne über eine Verlängerung und Ausdehnung in die Bundesländer seien aber bereits angedacht. Dafür bräuchte es aber weitere Unterstützer, betonte Stephan Amann von der Volkshilfe Wien. Diese finanziert das Projekt in Wien derzeit gemeinsam mit dem Innenministerium. Große Partner wie die Arbeiterkammer Wien, die Ärztekammer Wien, das Institut für Frauen- und Männergesundheit, die Wiener Gebietskrankenkasse und die Wirtschaftskammer Wien konnten laut Projektinitiatoren aber ebenfalls gewonnen werden. (APA, 8.10.2012)

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