Mitt Romney, der reiche Onkel aus Amerika

Ansichtssache
9. Oktober 2012, 13:04
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foto: reuters/dylan martinez

Mitt Romney und Großbritannien - it's complicated. Im Sommer nutzte der republikanische Kandidat zur US-Präsidentschaft seinen Wahlkampfbesuch in London, um den englischen Olympiaplanern die Leviten in Sachen Organisation zu lesen. Die Briten waren wenig überraschend not amused. Davor soll sich der Kandidat ob der angeblichen Vernachlässigung des "anglosächsischen" Erbes durch die Obama-Regierung echauffiert haben. Der Hohn der britischen Presse folgte den Fettnäpfchen, in die der Millionär aus Massachusetts in der alten Welt zielsicher zu treten pflegte, auf den Fuß. Dabei wurzeln Romneys familiäre Bande genau dort, wo England so richtig britisch ist: in der industriereichen Grafschaft Cumbria im Nordwesten Englands, hart an der Grenze zu Schottland.

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Die Romneys des 19. Jahrhunderts waren eine Tischlerfamilie aus dem Städtchen Dalton-in-Furness, das heute knapp 11.000 Einwohner zählt. Mit Ausnahme des Porträtmalers George Romney, den es im 18. Jahrhundert für seine Kunst nach London zog und nach dem heute eine Straße in Dalton benannt ist, blieb die Familie unter sich.

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1837 konvertierten die Romneys mit Hilfe amerikanischer Missionare zum Mormonentum und bestiegen 1841 ein Schiff, das sie nach New Orleans an der Südküste der USA brachte. Die freie Überfahrt nach Amerika war Teil des Heilsversprechens. Ihr Weg führte die Familie aus dem rauen, von sozialer Not gezeichneten englischen Nordwesten später den Mississippi hinauf bis nach Illinois, von wo aus es sie mit anderen Mormonen nach Utah zog. Ganz in der Nähe ihrer alten Heimat, in Preston, markiert seit 1998 ein 48 Meter hoher Turm den größten Mormonentempel Europas. Sucht man eine europäische Hauptstadt dieser Spielart des Christentums - in der alten Heimat der Romneys hätte man sie gefunden.

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Nicht alle Romneys konvertierten damals freilich - und nicht alle folgten dem Ruf Amerikas. Die pensionierte Fabriksarbeiterin Jennie Iveson, eine 69-jährige Witwe aus dem Nachbarort Barrow, ist Mitt Romneys Cousine vierten Grades. Nicht, dass ihr das bisher bewusst gewesen wäre. "Das war eine große Überraschung", sagte sie einem Reporter des Agentur Reuters. "Ich habe ihn ein paar Mal im Fernsehen gesehen, erst letzte Woche. Er sieht ein bisschen aus wie mein Bruder." Jennie Iveson wünscht ihrem berühmten Verwandten jedenfalls viel Glück.

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Während Amtsinhaber Barack Obama 2011 den Herkunftsort seines irischen Familienteils besuchte, ließ Romney den armen Nordwesten Englands und damit auch die Ivesons links liegen. (Reuters/red, derStandard.at, 9.10.2012)

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10 Postings

...turaluraluralu they're looking for monkeys up at the zoo... ...nicht mal für die britische armee hats greicht

"Mit Ausnahme des Porträtmalers George Romney [...] blieb die Familie *unter sich*."

Seit 200 Jahren? Na servas! :-p

Merkt man doch sowieso...

Ja, dafür ist er aber eh noch gut beinand...

Körperlich möglicherweise...

Wir sind doch alle Brüder und Schwestern ;-)

Zum Glück nicht.

Der letzte Satz ist super! Pro-Obama-Spin pur.

Man hätte es auch so formulieren können:

"Während Amtsinhaber Barack Obama 2011 den Herkunftsort seines irischen Familienteils besuchte, verzichtete Romney darauf, aus populistischen Gründen Personen zu besuchen, die er nicht kennt, und mit denen er angeblich sehr weitschichtig verwandt sein soll."

Alle Standard-Artikel ueber die US Wahl sind Pro-Obama-Spin pur.

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