Österreichischer Regieverband "verwundert" über Viennale-Strategie

8. Oktober 2012, 13:27
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Regisseur Ulrich Seidl hat seine "Paradies"-Filme wegen "nicht akzeptabler" Programmierung vom Wiener Filmfestival zurückgezogen

Wien - Österreichs Filmregisseurinnen und Filmregisseure zeigten sich am Montag in einer Aussendung "verwundert über die Strategie der Viennale-Leitung, Welterfolge des österreichischen Kinoschaffens auf Programmplätze zu verweisen, die von den Filmschaffenden nur als Affront empfunden werden können". Diese Vorgehensweise stehe "in eklatantem Widerspruch zu den von internationalen Filmfestivals gepflegten Usancen". Der Verband FilmRegie Österreich stellt sich damit hinter Filmemacher Ulrich Seidl, der seine Filme "Paradies: Liebe" und "Paradies: Glaube" von der diesjährigen Viennale zurückgezogen hat, weil er die anvisierten Termine um jeweils 18 Uhr nicht akzeptabel fand.

"Befremdliches Verhältnis zum österreichischen Film"

Die Vorgehensweise der Viennale ist laut Regieverband "allerdings und bedauerlicher Weise nur die jüngste von zahlreichen Manifestationen des zutiefst befremdlichen Verhältnisses der Viennale zum österreichischen Film". Es gehe in dieser Angelegenheit nicht um persönliche Befindlichkeiten, sondern um grundsätzliche künstlerische und filmpolitische Positionen. Die Entscheidung Ulrich Seidls, "seine beiden in den Wettbewerben von Cannes und Venedig gefeierten Filme aus dem Programm der Viennale zurückzuziehen, genießt daher die Unterstützung, Sympathie und Solidarität der Kolleginnen und Kollegen des Verbands Filmregie", heißt es in der Aussendung weiter.

Viennale bedauert Seidls Entscheidung

Die Viennale hatte ihrerseits Seidls Entscheidung in einer Aussendung bedauert: "Ich schulde meine Entscheidung jedoch der Autonomie des Festivals und den Möglichkeiten einer freien Programmgestaltung", rechtfertigte sich Festivaldirektor Hans Hurch.

Seidls jüngste Filme waren in den Wettbewerben von Cannes und Venedig uraufgeführt worden, für "Paradies: Glaube" erhielt der Regisseur in Venedig den Spezialpreis der Jury. Der Filmemacher hatte sich für die ersten beiden Teile seiner "Paradies"-Trilogie bei der Viennale eine Vorführung im Hauptabend gewünscht. (red, derStandard.at, 8.10.2012)

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