Morbus Homole

Kolumne8. Oktober 2012, 16:04
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Bezirksobmann Karl Homole möge bald genesen, wünscht sich Heidi List. Damit sich das Parkchaos im 18. Bezirk auflöse

Eine Bekannte von mir und der Bezirksobmann von Wien-Währing, Karl Homole, sind Seelenverwandte. Diese Erkenntnis macht sie nicht froh. Wie sie darauf kommt? Um Entbehrungen zu entgehen, bedient sie sich ihrer gesegneten Fantasie. Sie lebt, absichtlich oder unabsichtlich, man weiß es nicht, immer mit Männern zusammen, die abwesend sind. Entweder körperlich aus beruflichen Gründen, oder sie sind geistesabwesend oder beides.

Das liegt nicht an ihr, sagt sie, die waren schon vorher so. Wie auch immer, sie hat sich daher eine Eigenschaft aus der Kindheit bewahrt und spinnt auf Knopfdruck. Schupft den Haushalt, den Laden als Selbstständige und die Kinder großteils alleine. Und tut so, als wäre es anders, als würde ihr jemand helfen und als hätte sie Ansprache nach Feierabend. Oder überhaupt einen Feierabend. Damit fühlt es sich nicht so an, als ob dem anders wäre. Das ist natürlich eine totale Katastrophe, was das Thema Emanzipation und Einfordern von 50/50 betrifft. Aber es lässt sie die Realitiät aushalten. Wahrscheinlich gibt es dafür einen Ausdruck in der Psychiatrie - notorische Weitermachung oder wer weiß.

Es ist nichts

Herr Homole tickt ähnlich, scheint's. Er hat auch ein immens ungünstiges Händchen, was nachhaltige Entscheidungen für seinen Bezirk betrifft. Nach seiner Pseudoumfrage zum Parkpickerl - die, sagen wir, leicht suggestiv war - war deren Ausgang nicht erstaunlich. "Wollt ihr was zahlen?", wurde gefragt. Nein, äh, danke, haben die Leute gesagt. Des Weiteren hätte er fragen können, sollte nicht vielleicht eine kleine Südseeinsel für alle urlaubsreifen Währinger annektiert (friedlich natürlich), das Fernsehprogramm besser und die Handytarife billiger werden? Guter Plan, hätten die Leute gesagt.

Und jetzt herrscht Ausnahmezustand in seinem kleinen Königreich, und zwar ein echter, lästiger. Keine Parkplätze, Beschimpfungen und Drohungen der Bürger untereinander sowie Ausbruch von Rassismus gegenüber Ausländern, zum Beispiel Niederösterreichern. Sachbeschädigungen, Unfälle, Verkehr wie wahnsinnig, Protestflut an ihn und den Rest der Bezirksräte ohne Ende. Und Herr Homole, der ausgefuchste Lauser, der kennt den Trick meiner Bekannten. Es ist nichts. Weil wenn man nicht will, dass was wirklich Arges ist, dann ist auch nichts.

Und er postet daher eisern Einladungen zu Fressveranstaltungen auf seinem Facebook-Account. Lässt die zig Protestpostings ungerührt unkommentiert. Die E-Mail-Anfragen werden mit einem, scheint's, Copy-Paste-Brief von seinen Angestellten beantwortet, ja, schade, die Stadtregierung ist schuld. Er fordert auf Medienanfragen jovial das Ende der Parkpickerl in anderen Bezirken. Und gondelt ansonsten durch seinen schönen Bezirk, im Park vermutlich, dort stören ihn die Autokarawanen nicht. Vielleicht mit einem kleinen Blümchen im Knopfloch.

Möge er genesen

Es gibt aber Situationen, da ist Schuld kurz wurscht. Die nennt man akut. Die kann man später evaluieren, sogar die berühmten sechs Monate lang. Und dann was neues planen, in Homoles Fall in Richtung Verkehrspolitik für die Menschen, vielleicht sogar etwas mit Hirnschmalz, Rot-Grün ist schuld hin oder her. Er könnte jetzt was tun. Das Parkpickerl einführen, angeblich geht das innerhalb von drei Wochen. Auf Zeit. Um dann neu zu verhandeln mit der Stadtregierung. Einen Krisenstab einführen, der die teilweise echt verzweifelten Bürger betreut. Sich ein Bild machen. Wollen wir hoffen, dass es nie ein Erdbeben gibt in Währing. Womöglich würde Herr Homole sich über die Schutthaufen drübertragen lassen, mit einer doppelten Augenklappe, und vor sich hinrepräsentieren. Weil es ist ja nichts.

Und da, so konnte ich meiner Bekannten versichern, ist der Unterschied zwischen ihr und dem Herrn Homole. Sie lässt das Baby nicht in seiner voll gemachten Windel sitzen, um darüber zu sinnieren, ob die bei ihrer Entscheidung für seinen Vater noch ganz bei Trost gewesen ist. Weil wenn die Scheiße dampft, dann dampft sie jetzt. Sie tut was, wenn es drauf ankommt, und spinnt zwar weiter, aber nicht auf Kosten derer, für die sie Verantwortung hat. Aber er, er leidet am Morbus Homole. Möge er genesen. Rasch, bitte. (Heidi List, derStandard.at, 8.10.2012)

  • Freie Parkplätze weit und breit. Ein Zustand, von dem die Bewohner in Währing nur träumen können.
    foto: heribert corn

    Freie Parkplätze weit und breit. Ein Zustand, von dem die Bewohner in Währing nur träumen können.

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