Scala-Intendant Lissner wechselt 2015 an die Pariser Oper

Musikdirektor der Wiener Festwochen wird Nachfolger von Nicolas Joel - Subventionskürzungen in Paris - Nachfolgesuche in Mailand beginnt

Mailand/Paris - Stephane Lissner, Intendant der Mailänder Scala und Musikchef der Wiener Festwochen, wird ab 2015 Intendant der Opera national de Paris. Das französische Kulturministerium teilte am Montag mit, dass der 59-jährige Lissner dem gleich alten Intendanten Nicolas Joel folgen werde. Lissner hatte erst im Juni seinen Vertrag an der Scala bis 2017 verlängert, die er seit 2005 führt. Lissner, der bis 2013 auch Musikdirektor der Wiener Festwochen ist, kündigte am Montag an, dass er bis Ende der Weltexpo (1. Mai bis 31. Oktober 2015) in Mailand bleiben werde und urgierte die baldige Ernennung seines Nachfolgers als Scala-Intendant.

Die Ablöse von Joel, der 2009 an die Spitze des Pariser Opernhauses kam, kommt nicht überraschend. Sein künstlerisches Programm stand immer wieder in der Kritik. Im Interview mit dem "Journal du dimanche" hatte sich Joel erst am vergangenen Wochenende über Sparvorhaben des Kulturministeriums beklagt, bei denen 2013 die Subventionen der Oper um 2,5 Prozent gekürzt würden. Frankreichs Ministerin für Kultur und Kommunikation, Aurelie Filippett (39) setzt radikal den Rotstift an. So wird es vorläufig in Paris kein Fotografie-Museum geben, kein prähistorisches Zentrum "Lascaux 4" in der Dordogne und keinen zusätzlicher Saal für die berühmte Comedie Française. Auch das Centre Pompidou, der Louvre oder das Musee d'Orsay müssen mit Subventionskürzungen zwischen 2 und 2,5 Prozent rechnen.

Gespräche auch mit Dominique Meyer

Auch mit dem Direktor der Wiener Staatsoper, Dominique Meyer, hatte die Kulturministerin für den Pariser Posten Gespräche geführt. Dieser sah jedoch "keinen Grund, aus Wien wegzugehen", wie er der APA versicherte. Die Pariser Oper verfügt über zwei Spielstätten mit 1.800 Plätzen (Garnier) und 2.700 Plätzen (Bastille). Französische Beobachter hoffen nun an der Seite von Lissner auf ein Rückkehr von Daniel Barenboim, der 1989 die Bastille-Oper verlassen musste.

Stephane Lissner wurde am 23. Jänner 1953 als Sohn eines Russen und einer Ungarin in Paris geboren. Mit 18 Jahren gründete er sein erstes eigenes Theater, "Le Theatre Mecanique". 1977 bis 1979 war er Generalsekretär des Centre Dramatique National von Aubervilliers, 1979 bis 1983 Ko-Intendant des Centre Dramatique National von Nizza. Ab 1983 arbeitete er als Administrator des Pariser Musiktheaters "Theatre du Chatelet", an dessen Spitze er von 1988 bis 1998 stand. 1993 bis 1995 war er daneben auch Generaldirektor des Orchestre de Paris. 1996 übernahm er auch die Leitung des "Königlichen Theaters von Madrid", verließ das Opernhaus 1997 allerdings aufgrund anhaltender Streitigkeiten mit der Verwaltung und dem spanischen Kulturministerium wieder. Ab 1998 war er Ko-Intendant (zusammen mit Peter Brook) des Theatre des Bouffes du Nord in Paris und Intendant des Festival International d'Art Lyrique d'Aix-en-Provence (bis Ende 2006). Seit 2005 ist er Musikdirektor der Wiener Festwochen und Intendant der Mailänder Scala. Auch in den vergangenen Jahren wurde er immer wieder für höchste Posten gehandelt - etwa für die Berliner Staatsoper Unter den Linden oder die Salzburger Festspiele

Nachfolgesuche

In der lombardischen Hauptstadt wird indes bereits über den möglichen Nachfolger Lissners an der Scala spekuliert. "Für die Stabilität des Opernhauses wäre es sinnvoll, frühzeitig den Namen meines Nachfolgers zu wissen", betonte Lissner heute im Interview mit dem TV-Sender RAI. Der Mailänder Bürgermeister, Giuliano Pisapia, erklärte, er werde sich auf die Suche nach einem Nachfolger für Lissner machen. Dieser solle in der letzten Phase von Lissners Mailänder Aufenthalt mit seinem Vorgänger zusammenarbeiten, um einen reibungslosen Übergang im Theater zu ermöglichen. Als aussichtsreicher Kandidat zählt laut italienischen Medien der künstlerische Direktor des Madrider Opernhauses Teatro Real, der frühere Salzburger Festspielintendant Gerard Mortier. Auch er ist derzeit mit einem rigorosen Sparkurs der Regierung und Budgetkürzungen um rund 15 Prozent konfrontiert. (APA, 8.10.2012)

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