Moto Cage-six: Yamaha brutal und radikal

Jetzt blickt Yamaha in die Zukunft. Zum einem mit einem Motorrad, zum anderen arbeiten die Japaner an einem Motorenkonzept

Auf der Autoshow in Paris hat es gleich so gehagelt vor Zukunftsvisionen. Die Hersteller zeigen je nach Vermögen ihre Muskeln, obwohl der Markt in Europa stagniert. Den Motorradherstellern geht es nicht viel besser. Die meisten keuchen so laut, dass man es schon von Weitem hört - auch diejenigen, denen es gut geht, weil sie mehr und mehr an Boden gewinnen. Die einen müssen ihren Vorsprung ausbauen, die anderen sehen ihre Felle davon schwimmen.

Um Yamaha war es in letzter Zeit unangenehm ruhig. Die Super Ténéré, die an und für sich ein wirklich gelungenes Motorrad ist, war den potentiellen Käufern zu schwer und zu teuer. Die kleine Ténéré, die fast jeden in seinen Bann gezogen hat, der einmal drauf saß, hatte anscheinend nicht die Kraft gehabt, die Leute anzuziehen. Im Supersport-Segment gab es kaum Neuerungen, während BMW mit der S1000RR einen beinharten Angriff fuhr.

Aber jetzt hat Yamaha wieder Visionen, sogar Konzepte. Und die zeigen die Japaner natürlich jetzt im Herbst, just wenn die Konkurrenz die neuen Motorrad-Modelle vorstellt. Jetzt ist der Zeitpunkt, um das Markenimage aufzupolieren. Und wo möchte Yamaha hin?

Konzept-Motorrad mit Stunt-Ambitionen

Moto Cage-six heißt das "neue Concept-Bike mit einem radikalen, urbanen Styling, das sich Anleihen aus der Freestyle-Szene" zieht. Es ist ein „extremer Auftritt in brutaler Optik", meint man bei Yamaha und zollt damit dem Boom der Trendsportarten Tribut. "Das Yamaha Concept-Bike Moto Cage-six ist klar von der Stuntfahrer-Szene inspiriert, die mittlerweile zu einem integralen Bestandteil der Motorrad-Kultur geworden ist."

Um den künftigen Stuntfahrern nicht kontinuierliche Ebbe im Geldbörsel zu hinterlassen, hat die Moto Cage-six einen Schutzkäfig um den Motor. Dazu gibt es einen knackigen Auspuff, der unter dem Reihen-Vierzylinder Platz findet, auch Fußrasten an der Vorderachse sowie dort, wo man jene des Sozius andenken würde, Griffelschützer und eine Frontmaske, die an das Gesicht eines futuristischen Donald Duck in einem Superhelden-Abenteuer erinnert. Was wir aber auch sehen, ist eine recht günstige Schwinge.

Kurzum, wesentlich innovativer, obschon auch nicht ganz neu ist das Motorenkonzept, das Yamaha gerade entwickelt. Reihenvierer, Zwei- und Einzylinder stehen ja schon satt im Programm. Demnächst könnte ein Reihendreizylinder dazukommen. "Das neue Motorenkonzept markiert einen wichtigen Entwicklungsschritt, mit dem Yamaha die Weichen für die Zukunft des Motorradmarktes stellt", erklärt Yamaha.

Aller guten Dinge sind drei

Dreizylinder kennen wir ja bis jetzt vor allem von Triumph - doch davon abzukupfern gilt natürlich nicht. Man holt sich die Ideen aus dem eigenen Haus - am besten aus der Supersport-Geschichte: "Das Crossplane-Konzept, das in der Werksrennmaschine YZR-M1 und dem Supersportler YZF-R1 sehr erfolgreich eingesetzt wird, spielt auch bei der Konstruktion des komplett neuen Dreizylinder-Motors eine entscheidende Rolle."

Er dürfte dann auch in einer Supersport oder einer sportlichen Naked eingesetzt werden, wenn man Yamaha zuhört: „Der neue Dreizylinder-Motor ist leicht, baut schmal und kompakt und eröffnet in den Disziplinen Drehmoment, Sound und Effizienz völlig neue Dimensionen. Er hat das Potenzial siegreiche Rennsporttechnik auf die Straße zu bringen." Auf das Ergebnis darf man gespannt sein, vor allem weil Yamaha alles daran setzen wird, damit wieder Boden in Europa gut zu machen. (Guido Gluschitsch, derStandard.at, 8.10.2012)

 

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