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Liebe Community,
ich bin jetzt seit mehreren Jahren (mehr oder weniger) permanenter Leser des Online-Standard und der bunten Mischung aus interessanten, lustigen, dubiosen und informativen Kommentaren unter den Artikeln. Nicht selten sind diese Kommentare sogar interessanter oder anziehender als der eigentliche Artikel (vor allem z. B., wenn das Thema des Artikels förmlich danach ruft, sarkastisch-humorvoll auseinandergenommen zu werden, wie erst kürzlich die nackten Bananen).
Und einen nicht kleinen Stellenwert nehmen dabei die Stricherl ein. Das ist nicht unverständlich. Zwar wird sich der eine mehr und der andere weniger in seiner Gemütslage davon beeinflussen lassen, wie gut seine Meinung ankommt, aber ich denk, niemand hat was dagegen, Bestätigung von Mitlesern zu erfahren. Es schafft ein Gefühl der Verbundenheit, man fühlt sich eventuell sicherer in seinem Werte- und Weltanschauungspalast, und man hat vielleicht einen nicht ganz verkehrten Humor.
Und dann gibt's natürlich die roten Stricherl. Sicherlich hat jeder bereits einige abbekommen, aber solange sie sich in Maßen halten, entweder im Totalwert oder in Relation zu den grünen, ist das ja kein Problem. Aber dabei bleibt's oft nicht.
Ich frage mich ernsthaft, ob diese roten Stricherl wirklich mehr positiven Nutzen haben, als sie Schaden anrichten. Natürlich hab ich sie selber schon in Mengen ausgeteilt. Wenn ich mit Sicherheit weiß, dass jemand Blödsinn redet, oder wenn ich stark (bzw. mit hoher emotionaler Beteiligung) gegen etwas bin, dann zögere ich nicht lange und teil aus. Ist auch verlockend. Derjenige soll nur wissen, wie sehr mich sein unpassender Beitrag in meiner Welt stört.
Aber was entsteht dadurch? Einerseits, und das stell ich euch frei zu glauben, dass das nur bei mir so ist: Wenn es sehr viele sind, ohne dass durch Polarisierung auch ein paar grüne dabei sind, frage ich mich, woran das liegt. Und egal was die Antwort ist, es trifft mich irgendwie. Ich hab mich in den letzten Jahren etwas davon entfernt, Bestätigung aus dem Internet zu suchen, weil, man könnte sagen, das Internet ist eine b**ch, und abgesehen davon sollte man sowieso selbstbewusst sein, solange man die Fähigkeit bewahrt, sich belehren zu lassen und hin und wieder seine Meinung zu ändern.
Trotzdem treffen mich eindeutig negative Feedbacks, vor allem dann, wenn ich nach ehrlicher Reflexion (und vor allem Diskussion, ich lass selten was im Raum stehen) die Leute nicht dazu bring, von ihrem negativen Feedback abzukommen und ehrlich und ohne negative Besetzung mit mir zu reden. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass es wenigen oder niemandem von euch so ähnlich geht.
Ein anderer Effekt ist, dass die roten Stricherl (und ein bisschen auch die Aussicht auf grüne) dazu führen, dass man sich überlegt, was man schreibt. Und davon vielleicht ein bisschen zu viel. Man möchte ja gut ankommen. Ich hab die Vermutung, dass diese öffentliche Bewertung jedes Kommentars dazu führt, dass wir uns selber zu kleinen Populisten erziehen. Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich versuche, was Verträgliches zu schreiben, und wenn ich draufkomme, versuch ich davon abzukommen und ehrlicher zu schreiben. Und damit zu riskieren, geflamt zu werden.
Angenommen, wieder mal, dass ich nicht der Einzige bin, und davon bin ich fest überzeugt, frag ich euch: Was wollt ihr? Eine Arena, in der nur die verträglichsten Durchschnittsmeinungen durchkommen? In der Leser gezüchtet werden, die sich der gängigen Meinung anpassen, weil grüne Stricherl nicht lügen können und rote Stricherl in Massen wie eine Ohrfeige schallen?
Zugegeben, mein Beitrag ist durch einen sehr aktuellen Vorfall motiviert worden. Aber ich würde mir diesen Aufsatz hier nicht antun, wenn mir nicht ehrlich was dran liegen würde, die STANDARD-Community auf ein Problem hinzuweisen, das ich schon länger zu sehen meine, und zu versuchen, sie gemütlicher zu gestalten. Eigentlich wäre ich für eine komplette Abschaffung von Bewertungen. Aber eine Abschaffung von negativen Bewertungen wäre schon ein großer Schritt. Ich glaub nicht, dass man zeitlich mehr Aufwand betreiben muss, kurz ein "richtig!" oder etwas dergleichen zu posten, wenn man schnell zustimmen möchte. Und wenn man anderer Meinung ist, bin ich fest davon überzeugt, dass es mehr Sinn hat, diese zu artikulieren und miteinander zu reden. So ändert man nämlich wirklich Meinungen. Ehrlich und nachhaltig, nicht populistisch in einer virtuellen Internetblase.
Euer Dominik (Dominik, derStandard.at, 9.10.2012)
Dominik ist auf derStandard.at als "domanz" unterwegs.
Der Text ist ein Beitrag eines Posters im neuen Blog "PosterInnen-Blickwinkel". Wir bitten um weitere Einsendungen zum Thema Community an community@derstandard.at
Hinweise & Rechtliches
Eine gesunde Demokratie lebt von der Vielfalt und Probleme werden durch den offenen Diskurs gelöst. Ein solcher offener Diskurs sollte von Sprechtabus und Denkschablonen möglichst verschont bleiben.
Die Gefühlskälte, die asylwerbenden Menschen entgegengebracht wird, ist nicht zu begreifen
Eine E-Mail-Korrespondenz zum demokratischen Wert von Postings
Post an die Redaktion von dieStandard.at: Leserin René G. wünscht sich mehr Raum für sachorientierte Diskussion
Poster "schau, schau" hat das Gefühl von PosterInnen eingefangen, die Feedback an die Redaktion geben
*Ich bin für die roten Stricherl*
Ich kann diese Seiten nicht leiden, wo man nur positiv bewerten kann. Manche Dinge verdienen einfach eine negative Bewertung.
*Wenn man die roten Stricherl abschafft, dann die grünen auch gleich mit!*
Entweder bewerten in beide Richtungen, oder gar nicht bewerten.
*Deanonymisierung der Bewertung*
Ich fände es aber gut, wenn das Stricherlsystem nicht anonym wäre, sondern wenn man zu seiner Bewertung stehen muss.
*Korrektur*
Außerdem wär's fein, wenn man seine Bewertung korrigieren kann. Mir ist es leider nicht erst einmal passiert, dass ich versehentlich auf den falschen Button gedrückt habe. Da wär's gut, wenn man seine Meinung durch Drücken des anderen Button korrigieren könnte ...
2. Was wirklich nervt, sind die Multiposter. Wenn man fuer ein Post in einer Wurscht zunaechst 20 gruene bekommt, und dann auf einmal, ueber Nacht, 15 rote (und nur rote), dann stimmt doch was nicht. Bestimmte Poster und Themen (zB Bedingungsloses Grundeinkommen) sind fuer solche Phaenomene praedestiniert.
Ich schlage vor, die Multiposter auf statistischem Wege zu identifizieren. Das kann ja nicht so schwierig sein. Ab einer bestimmten
- Korrelation der Votes
- Koninzidenz der Zeit und Artikel, zu denen gepostet wird,
bekommen alle beteiligten Nicks einen Warnhinweis, dass Multinick Verdacht besteht. Wenn's dann weiter geht, werden alle beteiligten Nicks, bis auf einen zufaellig ausgewaehlten gesperrt.
Ich bin fuer das rote Stricherl. Bei bestimmten Themen weiss ich schon im Vorhinein, welche meiner Posts in Minuten oeffentlich geschlachtet werden und welche eine gruene Welle haben werden. Bei anderen nicht, und dann ist mir das Feedback - rot oder gruen - willkommen.
Die Diskussion unten war echt witzig uebrigens (inkl der Stricherl) und der Beitrag gut.
Natürlich kann man die roten stricherl kontrovers sehen...
Ich bin der Meinung, dass die Stricherl nur bedingt Einfluss auf die verfassten Beiträge haben.
Und, nichts für ungut, man sollte schon so gefestigt sein, dass man anonym zu seiner Meinung stehen kann, auch wenn es dann rote Stricherl regnet.
und zum Thema "nur richtige Meinungen zählen"
ja, das stimmt ist aber eine inhärente Eigenschaft in jeder Art von Gruppe
(Z.b werden sie mit Pro Jagd Argumenten hier schnell mal rote Stricherl bekommen).
Doch wie gesagt, dass ist in vielen Lebensbereichen so.
Ich mag das Stricherlsystem.
Finde ich auch eine sehr gute Idee. Zusätzlich Bin ich für Hinaufheben der Postings mit vielen guten Bewertungen (wie auf Youtube). Ich weiss, da geht bei hierarchischen Diskussionen schwer aber vielleicht ist es möglich.
@domanz: Danke für Ihren PosterInnen-Blickwinkel. Die Diskussion zeigt, dass die Stricherl ein wichtiges Thema sind und dass es viele unterschiedliche Meinungen dazu gibt. Wir werden die roten Stricherl übrigens beibehalten ;)
@alle: Wer hat noch interessante PosterInnen-Blickwinkel? Immer nur her damit: community@derstandard.at
Übrigens, nächste Woche gibt es den ersten Beitrag einer Posterin! Und was für einen.
Ich bin da etwas eigen ;-)
Wobei ich die Chance vielleicht nutzen sollte, solange man noch seinen Nick wechseln kann ... Mir ist nämlich überhaupt nicht nach irgendeiner Art von Bekanntheit oder Nachvollziehbarkeit, sondern will einfach nur thematisch meinen Senf abgeben (den dann die Leute unvoreingenommen für gut oder weniger gut befinden).
Nur die wenigsten machen die eigene Meinung davon abhängig. Entweder jemand hat eine Meinung, und Vertritt sie, oder nicht, egal welche Bewertung es dafür gibt. Nach dem Mund muss niemand reden.
Leider werden neg. Bewertungen zu schnell auch als "Ich fühle mich in der Meinung bestätigt - alle die XY so bewerten sind links - rechts", gewertet. Es scheint bei manchen also tatsächlich böses Blut zu geben, womit eine Diskussion weiter entgleist.
Sie deshalb komplett abschaffen, wäre auch nicht das gelbe vom Ei. Sie sind manchmal ein guter Ausweg, um nicht stattdessen böse Dinge zu schreiben, aufgrund von Vergleichen, die einfach daneben sind. Bsp. Vergleiche mit dem 3. Reich, wenn es um Themen wie Asyl geht, etc.
Das Abschaffen der roten könnte immerhin zu einem gewissen aussterben von multinicks führen.
Ich habe einen sehr "unterhaltsamen" Diskussionpartner im Forum, von dem ich auch bei ewig langen Diskussionen, wo bestimmt keiner mehr mitliest, immerwieder 3 rote bekomme...oft im tagesabstand je 1 mehr...dann postet "er" wieder.
Er krigt auch immer 3 grüne:)
Nun sind mir die stricherl gerade in dem Fall egal, aber ich habe auch manchmal das Gefühl mit genau dieser Person, aber verschiedenen nicknames zu diskutieren...das ist dann doch nervend(weil man sich ja nicht sicher sein kann, dass es der selbe ist).
Kurz: Ich bin dafür die roten abzuschaffen. Ein guter Kommentar bekommt auch so genug "grün".
warst du montessori schüler ?
ich würde ja vorschlagen, eine eigene risotto community im derstandard zu gründen, aber auf mich hört auch keiner...
und viele sind ganz süchtig nach positiven bewertungen oder diesen "gefällt mir" dingern auf facebook, weil ihnen das im realen leben fehlt (kein wunder, wenn sie den ganzen tag vorm computer hocken und sozial inkompatibel sind hätte ich jetzt gesagt, wenn ich zynisch wäre...).
Schlimmer noch, ich wurde von meiner Mutter unterrichtet statt zur Schule zu gehen und lebe nach den Prinzipien der Mormonen. Ich esse gerne Honig mit Yoghurt und suche mit dem Teleskop nach Außerirdischen auf dem Mond.
Was machst denn du so gern in deiner Freizeit?
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