Der Master wird immer männlicher

Zwar strömen bereits mehr Frauen als Männer an die Unis, verlassen sie aber auch wieder früher - schon nach dem Bachelor

Wien - Frauen zieht es ins Schöngeistige, Männer in die Technik - so sehr Klischee, wie leider wahr. Die geisteswissenschaftlichen Sphären weiten zwar den Horizont, werfen aber kaum materiellen Gewinn ab. "Die Unterschiede bei Gehalt und Karriereverlauf sind jungen Frauen oft nicht bewusst", sagt Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ).

Dass Frauen mit einem Anteil von 59 Prozent ihre männlichen Kollegen bei den Erstzulassungen bereits überholt haben, wird die Einkommensschere daher wohl auch nicht schließen. Die Wahl, wer was studiert, hängt zum Teil noch immer vom Geschlecht ab. "Den krassesten geschlechtsspezifischen Unterschied sieht man noch immer bei der Fächerwahl", sagt Martin Unger, Autor der Studierenden-Sozialerhebung.

Eine kleine Quotenschau

Dabei liegt das Extrem an den Universitäten bei einem Frauenanteil von lediglich 20 Prozent an der Montanuniversität Leoben. Auch an den Fachhochschulen sind in den technischen Fächern nur 20 Prozent Frauen zu finden, während ihr Anteil 82 Prozent in den Gesundheitswissenschaften beträgt. An den Pädagogischen Hochschulen liegt der große Unterschied in der Schulstufenwahl: Der Volksschulsektor wird mit 91 Prozent von weiblichen Erstsemestrigen dominiert. Um diese Kluft zu schmälern, fordert die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) eine geschlechtssensible Bildungsberatung.

Diese soll bereits ab der Unterstufe im Lehrplan verankert sein: "Frauen soll dabei die Möglichkeit technischer und naturwissenschaftlicher Studien aufgezeigt werden", sagt Janine Wulz (GRAS) vom Vorsitzteam der ÖH. Unabhängig von der Studienwahl bleibt jedoch eine Gehaltsdifferenz offen, die nicht bloß durch das Fach zu erklären ist - "ein Einkommens-Gap, der tatsächlich nur am Geschlecht liegt", sagt Unger.

54 Euro weniger pro Monat

"Diskriminierende Bezahlung ist gesetzeswidrig, da gibt es keine Grauzone. Das ist leider noch immer nicht bei allen angekommen", sagt Heinisch-Hosek. Im Schnitt liegt der monatliche Einkommensunterschied während dem Studium bei 54 Euro.

Die Fächerwahl wirkt sich aber nicht nur auf die Bezahlung, sondern auch in der inhaltlichen Nähe von Arbeit und Studium aus: Lediglich 48 Prozent aller erwerbstätigen Studentinnen gaben an, dass ihr Job etwas mit ihrem Studium zu tun hätte. Bei ihren männlichen Kollegen liegt dieser Anteil bei 61 Prozent.

"In Fächern wie Informatik, ist der Arbeitsmarkt so leergefegt, dass auch schon Studierende beschäftigt werden", sagt Unger. Aber auch innerhalb einer Fächergruppe bleibt eine Differenz: Gerade im technischen Bereich ist der Anteil von Jobs, die unmittelbar mit dem Studium zu tun haben, bei Männern weitaus höher als bei ihren Kolleginnen.

Beim Übergang in aufbauende Studien zeigt sich ein den Erstinsktiptionen entgegengesetztes Bild. Die auffälligste Entwicklung in den letzten Jahren betrifft den Übertritt vom Bachelor- ins Masterstudium, wo in den ersten Jahren nach der Umstellung auf die neuen Studiengänge noch kein Geschlechterunterschied zu sehen war. Seither beginnen relativ konstant 87 Prozent der Männer ein Masterstudium; von den Frauen sind es mittlerweile nur noch 77 Prozent - Tendenz weiter sinkend (siehe Grafik). "Da tut sich eine Schere auf, die immer größer wird", sagt Unger.

Von dieser Differenz von zehn Prozent nimmt ein Drittel der Frauen ein weiteres Bachelorstudium auf, der Rest verlässt die Uni gleich nach dem Erstabschluss. Doch wodurch ist es bedingt, dass Frauen eher früher die Uni verlassen? Zehn Prozent der männlichen Bachelorstudenten gaben bei der Sozialerhebung an, dass sie studieren, um später einen besser bezahlten Job zu bekommen. Ein Aspekt, der bei Frauen eher eine nachgeordnete Rolle bei der Studienentscheidung spielt. (Oona Kroisleitner, DER STANDARD, 4.10.2012)

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