Der Master wird immer männlicher

8. Oktober 2012, 09:42

Zwar strömen bereits mehr Frauen als Männer an die Unis, verlassen sie aber auch wieder früher - schon nach dem Bachelor

Wien - Frauen zieht es ins Schöngeistige, Männer in die Technik - so sehr Klischee, wie leider wahr. Die geisteswissenschaftlichen Sphären weiten zwar den Horizont, werfen aber kaum materiellen Gewinn ab. "Die Unterschiede bei Gehalt und Karriereverlauf sind jungen Frauen oft nicht bewusst", sagt Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ).

Dass Frauen mit einem Anteil von 59 Prozent ihre männlichen Kollegen bei den Erstzulassungen bereits überholt haben, wird die Einkommensschere daher wohl auch nicht schließen. Die Wahl, wer was studiert, hängt zum Teil noch immer vom Geschlecht ab. "Den krassesten geschlechtsspezifischen Unterschied sieht man noch immer bei der Fächerwahl", sagt Martin Unger, Autor der Studierenden-Sozialerhebung.

Eine kleine Quotenschau

Dabei liegt das Extrem an den Universitäten bei einem Frauenanteil von lediglich 20 Prozent an der Montanuniversität Leoben. Auch an den Fachhochschulen sind in den technischen Fächern nur 20 Prozent Frauen zu finden, während ihr Anteil 82 Prozent in den Gesundheitswissenschaften beträgt. An den Pädagogischen Hochschulen liegt der große Unterschied in der Schulstufenwahl: Der Volksschulsektor wird mit 91 Prozent von weiblichen Erstsemestrigen dominiert. Um diese Kluft zu schmälern, fordert die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) eine geschlechtssensible Bildungsberatung.

Diese soll bereits ab der Unterstufe im Lehrplan verankert sein: "Frauen soll dabei die Möglichkeit technischer und naturwissenschaftlicher Studien aufgezeigt werden", sagt Janine Wulz (GRAS) vom Vorsitzteam der ÖH. Unabhängig von der Studienwahl bleibt jedoch eine Gehaltsdifferenz offen, die nicht bloß durch das Fach zu erklären ist - "ein Einkommens-Gap, der tatsächlich nur am Geschlecht liegt", sagt Unger.

54 Euro weniger pro Monat

"Diskriminierende Bezahlung ist gesetzeswidrig, da gibt es keine Grauzone. Das ist leider noch immer nicht bei allen angekommen", sagt Heinisch-Hosek. Im Schnitt liegt der monatliche Einkommensunterschied während dem Studium bei 54 Euro.

Die Fächerwahl wirkt sich aber nicht nur auf die Bezahlung, sondern auch in der inhaltlichen Nähe von Arbeit und Studium aus: Lediglich 48 Prozent aller erwerbstätigen Studentinnen gaben an, dass ihr Job etwas mit ihrem Studium zu tun hätte. Bei ihren männlichen Kollegen liegt dieser Anteil bei 61 Prozent.

"In Fächern wie Informatik, ist der Arbeitsmarkt so leergefegt, dass auch schon Studierende beschäftigt werden", sagt Unger. Aber auch innerhalb einer Fächergruppe bleibt eine Differenz: Gerade im technischen Bereich ist der Anteil von Jobs, die unmittelbar mit dem Studium zu tun haben, bei Männern weitaus höher als bei ihren Kolleginnen.

Beim Übergang in aufbauende Studien zeigt sich ein den Erstinsktiptionen entgegengesetztes Bild. Die auffälligste Entwicklung in den letzten Jahren betrifft den Übertritt vom Bachelor- ins Masterstudium, wo in den ersten Jahren nach der Umstellung auf die neuen Studiengänge noch kein Geschlechterunterschied zu sehen war. Seither beginnen relativ konstant 87 Prozent der Männer ein Masterstudium; von den Frauen sind es mittlerweile nur noch 77 Prozent - Tendenz weiter sinkend (siehe Grafik). "Da tut sich eine Schere auf, die immer größer wird", sagt Unger.

Von dieser Differenz von zehn Prozent nimmt ein Drittel der Frauen ein weiteres Bachelorstudium auf, der Rest verlässt die Uni gleich nach dem Erstabschluss. Doch wodurch ist es bedingt, dass Frauen eher früher die Uni verlassen? Zehn Prozent der männlichen Bachelorstudenten gaben bei der Sozialerhebung an, dass sie studieren, um später einen besser bezahlten Job zu bekommen. Ein Aspekt, der bei Frauen eher eine nachgeordnete Rolle bei der Studienentscheidung spielt. (Oona Kroisleitner, DER STANDARD, 4.10.2012)

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das schreit nach einer Quotenregelung

Je freier eine Gesellschaft, desto eher folgt jeder seinen - teilweise auch von Geburt vorgegebenen(!) - Neigungen.

An die, welche es noch nicht kennen:

http://www.youtube.com/watch?v=KQ2xrnyH2wQ

Aufgrund dieser Doku wurde ein Skandinavisches (!) Gender-Institut zugedreht.

Master vs Mistress

Der Master wird immer männlicher? Master <=> Mistress... So schaut's aus!

Genau deshalb haben's den Abschluss eingeführt.

Damit mehr Volk mit einem schlechteren Abschluss früher von der Uni abgeht.

Und ich erinnere mich noch gut von meiner eigenen Studienzeit her, wie manche junge Damen geradezu inbrünstig vom Bachelor überzeugt waren.

Bis zu dem Moment, wo's sich damit bewerben wollten. Danach wollten's meist doch noch den Master "dranhängen".

die mag. studien gibts ja nur in österreich

..vl sollten sich manche unternehmen auf das bachelor/master system einstellen, anstatt gleich draufzuhauen und die bachelor absolventen als "zu schlecht" zu bezeichnen. die neuen studien sind ja eigentlich so ausgelegt, dass die absolventen nach dem bachelor praxis im beruf sammeln und danach noch ein masterstudium absolvieren. finde diese idee grundsätzlich nicht schlecht, nur stellt sich meiner meinung nach die wirtschaft in österreich quer und kennt den bachelor nicht an.

Und vor dem Bologna-System

hat es etwa keine Studienabbrecher gegeben? Jetzt bekommt man immerhin eine gewisse Anerkennung dafür, dass man, bevor man das Studium abbricht, sich nicht nur die Rosinen aus dem Studienplan pickt, sondern eine ausgewogene Zusammenstellung von Pflichtfächern absolviert.

Unsinn.

Die Politik hat die Hochschulen mit diesem System willfährig der Wirtschaft ausgeliefert und die interessieren sich einen Dreck für das Gemeinwohl.

Stattdessen werden nun eifrig die Universitäten gegen die FHs ausgespielt und eine Menge junge Menschen in ein verlängertes Schulsystem gezwungen - bei einem Abschluss, der weder überall anerkannt ist, noch honoriert wird.

Und mit Humboldts Idealen brauche ich bei so einem Ignoranten dann gar nicht erst anfangen, denn den wirst eh nicht kennen.

"Der Master wird immer männlicher"

zum täglichen spiel "wie richte ich mir die zahlen so dass sie mir passen" gäbe es wieder mal viel zu sagen. ich beschränke mich darauf hinzuweisen dass
0.59 * 0.77 immer noch mehr sind als 0.41 * 0,87, also sind im masterstudium mehr frauen.

stimmt vermutlich:
aber Vorsicht: Sie setzen die Quote bei den Bachelor-Erzulassungen mit der bei den Bachelor-Absolventen gleich.

stimmt das hab ich nicht bedacht

Da hilft nur noch eine Quote.

Potentielle Studienanfängerinnen sollten zusammengetrieben werden und dann wird einfach ein Teil zB für die Montanuni bestimmt und die haben das dann gefälligst auch zu studieren.

Ebenso wie ein Mindestanteil einfach verpflichtet gehört, gefälligst den Master zu machen.

[sarcasm /off]

also ich würde die quote anderrum einführen:
die männlichen studenten werden gezwungen, entsprechend dem anteil der weiblichen studienabbrecher ihr studium vorzeitig abzubrechen (die müssen sich das dann untereinander ausschnapsen, wer sich für die quote opfert).
dann ist wieder gendergerechtigkeit hergestellt.

und das mit den gendergetrennten testauswertungen ist auch noch ausbaufähig. man könnte ja z.b. die zwischen- und abschlussprüfungen für männliche studenten schwerer (oder wahlweise für weibliche studenten leichter) machen ....

Ich kenn leider ein paar Mädels bei denen ich davon überzeugt bin, dass Sie ein technisches Studium gepackt hätten (auch im Vergleich zu manchen Männern und Frauen, die hier in Leoben herumkrebsen) aber's sich selbst nicht zugetraut haben.

Oder keine Lust dazu haben.

Ich würd auch viele Sachen "packen", will aber nicht alle davon wirklich machen. Schon mal an diese Möglichkeit gedacht?

Nein, weil Sie das ja auch artikulieren würden.

Das machen sie ja implizit.

Beispiel Informatik, TU: Im 1. Semester sicher noch über 15% Frauen im Hörsaal, dieser Anteil geht aber rapide zurück zugunsten von "typischen Frauenstudien", wenn man nachfragt. Und sicher nicht wegen "blöden Sprüchen" und "struktureller Gewalt".

Wie sieht denn die implizite Artikulation aus?

Im Wechsel von Informatik...

...auf die Geiwi. War das nun wirklich so schwer zu verstehen?

"Die Unterschiede bei Gehalt und Karriereverlauf sind jungen Frauen oft nicht bewusst", sagt Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek

.

Das sind angehende Akademikerinnen.
Da stellt sich die Frage ob die Damen so dumm sind wie die Frau Bundesminister meint, oder unterstellt die Frau Bundesminister das einfach den Damen?

ich tippe auf zweiteres.

Alles in Allem einfach eine Bestätigung der norwegischen Doku die gerade sehr viel erklärt.

Ob man es wahrhaben will oder nicht: Frauen "wollen" solche Berufe und Männer "wollen" andere. Wenn sie es sich aussuchen und frei wählen dürfen, umso mehr.

http://www.youtube.com/watch?v=K... ure=relmfu

"ich tippe auf zweiteres."

Option drei: Sie schließt von sich auf andere.

deutet das nicht mehr darauf hin, dass das "wollen" schon durch die unterschiedliche behandlung (verschiedene erziehung) geformt wird?

offenbar eben nicht.

Die Lösung liegt in den Studienrichtungen.

Ganz offensichtlich sollte man den Frauen nicht die Wahl lassen was sie studieren wollen, die armen Hascherln tendieren offenbar zu falschen Studienentscheidungen.
Lösung: Komplettes Streichen von Psychologie, Publizistik, Politikwissenschaften, Germanistik, Afrikanistik und Kunstgeschichte. Dann bleibt ihnen nicht mehr viel anderes mehr übrig als "lukrativ" zu inskribieren!

"In Fächern wie Informatik ist der Arbeitsmarkt so leergefegt, dass auch schon Studierende beschäftigt werden"

Bruhahaha! Jeden weiteren Kommentar erspar ich mir.

selbstverständlich werden daher zugangsbeschränkunge für das fach eingeführt.

es gibt keinen technikermangel, es mangelt nur an solchen, die für den mindestlohn 70 h pro woche arbeiten, ohne gewissheit auf festanstellung.

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