Chavez sichert sich weitere sechs Jahre

8. Oktober 2012, 07:21
501 Postings

Hugo Chavez gewinnt die Wahl in Venezuela und bleibt bis 2019 Präsident - Herausforderer Radonski gesteht Niederlage ein

Caracas/Wien - Hugo Chavez will nach seinem erneuten Wahlsieg ein noch "besserer Präsident" für sein Volk sein. "Heute beginnt ein neuer Regierungszyklus, in dem wir verpflichtet sind, jeden Tag noch besser zu sein und mit noch mehr Effizienz auf die Bedürfnisse unseres Volkes zu reagieren", sagte der linksgerichtete Politiker am Sonntagabend vom Balkon des Präsidentenpalastes in Caracas aus. Er verpflichte sich, "ein besserer Präsident als in den vergangenen Jahren zu sein".

Venezuela werde unter seiner Führung den "Übergang zum demokratischen Sozialismus des 21. Jahrhunderts weiter verfolgen", versprach der von Vertrauten und Ministern umringte Wahlsieger. An die Opposition richtete er einen Appell zur "nationalen Einheit".

Chavez erhielt bei der Präsidentschaftswahl am Sonntag 54,42 Prozent der Stimmen, wie die Nationale Wahlkommission nach Auszählung von 90 Prozent der Wahlzettel mitteilte. Sein Herausforderer Henrique Capriles Radonski kam demnach auf 44,97 Prozent. Damit kann der seit 1999 amtierende Staatschef weitere sechs Jahre regieren.

Opposition räumt Niederlage ein

Capriles räumte seine Niederlage ein und gratulierte Chavez zum Wahlsieg. "Ich übersende ihm meine Glückwünsche", sagte er vor seinen Anhängern. Er sei dennoch stolz, dass ihm so viele Wähler ihre Stimme gegeben hätten. Wer zu gewinnen wisse, der müsse auch verlieren können, sagte der 40-Jährige am Sonntagabend. Er werde weiterarbeiten, damit sich die Situation Venezuelas verbessere. "Ich respektiere den Willen des Volkes. Ich werde immer für Venezuela arbeiten. Die Venezolaner können auf mich zählen. Ich bin ein Demokrat."

Beschimpfte Bush als Teufel

Mit seiner Verstaatlichungspolitik hat Chavez nach 14 Jahren an der Macht die Bevölkerung gespalten. Auf der internationalen Bühne ist der ehemalige Offizier zu einem der umstrittensten Politiker geworden. Bei jeder Gelegenheit stilisiert er sich als Kämpfer für die Unterdrückten, sein Image als Erzfeind der USA pflegt er mit Leidenschaft. So beschimpfte Chavez George W. Bush in der UNO-Vollversammlung als Teufel. Ungeachtet dessen sind die Vereinigten Staaten immer noch der wichtigste Käufer von venezolanischem Öl. Mit den Petro-Dollars finanziert Chavez wiederum einen Großteil seiner Sozialprogramme.

Herausforderer Capriles kämpfte unter dem Motto "Hay un camino" (Es gibt einen Weg) für eine Kombination aus freier Marktwirtschaft und Sozialpolitik. Als Leitbild nennt der Gouverneur des zweitgrößten Bundesstaats Miranda das Nachbarland Brasilien, wo Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva erfolgreich einen Mittelweg zwischen Sozialismus und Kapitalismus beschritten hat. Die Wahlniederlage für Capriles ist eine schwere Schlappe für die Regierungsgegner, obwohl der Ex-Gouverneur eines der besten Ergebnisse der Opposition erzielen konnte.

Weitere Amtszeit bis 2019

Chavez hat sich nun eine weitere Amtszeit bis 2019 gesichert. Mit der Zeit hat sich der "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" des linkspopulistischen Staats- und Regierungschefs zunehmend radikalisiert. Immer heftiger wurden seine Attacken gegen den "Imperialismus" der USA und politische Gegner. Einen Großteil der Wirtschaft ließ der selbst ernannte "Soldat des Volkes" verstaatlichen, das Land führt er im autokratischen Stil.

Sozial- und Bildungsreformen

Während Gegner von einer Diktatur des 58-Jährigen sprechen, ist Chavez bei der ärmeren Bevölkerung aufgrund seiner Sozial- und Bildungsreformen sowie der Verbesserung des Gesundheitssystems beliebt. Die finanziellen Mittel dafür stammen überwiegend aus den Einnahmen der staatlichen Ölindustrie. Der Ölexport stellt die Haupteinnahmequelle Venezuelas dar, größter Abnehmer sind die USA, die Chavez trotz anderslautender Drohungen in der Vergangenheit weiterhin beliefert.

Chavez stammt aus ärmlichen Verhältnissen und wollte nach eigenen Angaben anfangs Maler, später Baseballspieler werden. Schließlich trat er jedoch der Armee bei, wo er auch den Grundstein für seine spätere militärisch-politische Karriere legte. Von 1983 bis Mitte der 90er Jahre führte er die paramilitärische "Revolutionäre Bolivarische Bewegung 200". Bereits 1992 stand er an der Spitze eines Staatsstreiches gegen den damaligen Präsidenten Carlos Andres Perez. Der Umsturzversuch scheiterte, Chavez landete für zwei Jahre im Gefängnis.

1999 gelangte er schließlich auf demokratische Art und Weise an die Spitze des Staates. Der für seine rhetorisch geschickt angelegten und oft stundenlangen Reden bekannte Linksnationalist beruft sich auf den Helden der lateinamerikanischen Unabhängigkeitsbewegung Simon Bolivar (1783-1830). Dementsprechend benannte er das Land in "Bolivarische Republik Venezuela" um und gab dem Land eine neue "bolivarische" Verfassung.

Spekulationen über Gesundheitszustand

2002 überstand Chavez einen Militärputsch und einen zweimonatigen Generalstreik, 2004 ein von einem Bündnis von Opposition, Unternehmern, Gewerkschaften, Medien, Bürgervereinigungen und Künstlern angestrengtes Referendum über seine Amtsenthebung. 2006 wurde er mit einer deutlichen Mehrheit von 62 Prozent der Stimmen wiedergewählt. 2009 sicherte sich Chavez in einem von ihm selbst initiierten Verfassungsreferendum, die Möglichkeit einer unbegrenzten Wiederwahl, nachdem ein ähnliches Referendum 2007 gescheitert war.

Heftige Spekulationen gab es zuletzt um den Gesundheitszustand des venezolanischen Präsidenten. Mitte 2011 wurde eine Krebserkrankung des Staatschefs bekannt, nach mehreren Operationen und Therapien auf Kuba erklärte sich Chavez im Juli 2012 jedoch für völlig genesen. Chavez, der mit der katholischen Kirche auf Kriegsfuß steht, war zweimal verheiratet und hat fünf Kinder. (APA, 8.10.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Hugo Chavez bleibt Präsident.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Oppositionskandidat Henrique Capriles Radonski räumte seine Niederlage ein und gratulierte Chavez.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Jubelnde Chavez-Anhänger vor dem Präsidentenpalast in Caracas.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Grünes Licht für eine weitere Amtszeit von Hugo Chavez. Seine Anhänger feiern in den Straßen von Caracas.

Share if you care.