Putin feiert seinen 60er

7. Oktober 2012, 20:07
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Geschenke von den Unterstützern - Rückzugsforderungen von den Gegnern

Moskau/St. Petersburg - Kein lupenreiner Jubel für Wladimir Putin zum 60er: An seinem runden Geburtstag hat der russische Präsident heftige Kritik von Opposition und Politologen einstecken müssen. Angesichts von Sonderausstellungen und Galakonzerten für den Staatschef am Sonntag sprachen Regierungsgegner von einem "Personenkult wie in Nordkorea". Bei Protesten gegen Putin seien in Moskau und St. Petersburg mehrere Demonstranten festgenommen worden, meldete die Agentur Interfax.

Der Politologe Gleb Pawlowski beklagte einen "tiefen Graben zwischen der Staatsführung und der Gesellschaft" seit Putins Rückkehr ins Präsidentenamt im Mai 2012. Von Regierungschef Dmitri Medwedew und Präsidenten von Ex-Sowjetrepubliken kamen dagegen Glückwünsche für den Staatschef, der in seiner Geburtsstadt St. Petersburg feierte.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkelhob in einem Schreiben an Putin die besondere Bedeutung der bilateralen Beziehungen hervor. Beide Länder könnten zentrale internationale Probleme nur gemeinsam lösen.

In der russischen Teilrepublik Nordossetien im Kaukasus hissten Bergsteiger ein riesiges Putin-Porträt auf einem 4.150 Meter hohen Gipfel. Medwedew schenkte dem Jubilar ein Buch des Künstlers Alexander Benois (1870-1960). Kulturminister Wladimir Medinski bezeichnete den Präsidenten als den demokratischsten Kremlchef seit Zar Nikolaus II. (1868-1918), der von Revolutionären gestürzt und später von den Bolschewiken getötet wurde. Dagegen schickte die Opposition dem "Dauerherrscher", der das offizielle russische Pensionsalter erreichte, eine Parkbank und Pantoffeln zum "Rückzug in den Ruhestand".

Der Politologe Igor Jurgens forderte Putin rund sechs Monate nach dessen Rückkehr ins Präsidentenamt zur Modernisierung Russlands auf. "Falls er dies nicht tut, ist sein Scheitern programmiert", sagte Jurgens. Putin selbst kritisierte in einer Geburtstagssendung des Staatsfernsehens die Opposition, die "nichts könne außer schreien". Die Mehrheit der Russen stehe hinter ihm, betonte der Kremlchef. Putin war schon von 2000 bis 2008 Präsident. Danach amtierte er als Premier, weil er gemäß Verfassung nicht unmittelbar als Staatschef wiederkandidieren konnte. (APA, 7.10.2012)

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    Putin, ganz so, wie er sich am liebsten sieht.

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