Gotteskrieger "Captain Hook" ist in New York

Kopf des Tages7. Oktober 2012, 19:18
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Hassprediger Abu Hamza wurde an die USA ausgeliefert

Wollte man Abu Hamza (54) schmeicheln, man könnte ihn als den Doyen des britischen Jihadismus bezeichnen. Die Londoner Finsbury-Park-Moschee, in der er ab 1997 predigte, galt als wichtigster Treffpunkt radikaler Fundamentalisten. Hier lauschte ihm einer der 9/11-Attentäter, drei der Mörder, die sich 2005 in der Londoner U-Bahn in die Luft sprengten, und Richard Reid, der "Schuhbomber", der in den USA in Haft sitzt. Das Schicksal teilt Hamza nun mit ihm: Am Wochenende wurde er von Großbritannien an die Vereinigten Staaten ausgeliefert.

Er soll mitschuldig sein an einer Geiselnahme 1998 im Jemen, bei der mehrere Touristen starben, außerdem soll er Terrorcamps in Oregon organisiert und Anschläge in Afghanistan unterstützt haben. Ihm droht lebenslange Haft, in Großbritannien saß er bereits die vergangenen sieben Jahre im Gefängnis.

Geboren 1958 in Ägypten, zog Hamza mit 21 nach Großbritannien und heiratete eine Britin. In London schlug er sich zunächst als Rausschmeißer im Rotlichtviertel durch und schloss seine Ausbildung zum Bauingenieur ab. Erst als seine Ehe scheiterte, begann er, sich für den Islam zu interessieren.

Erstmals Kontakt zu Radikalen soll er in den frühen 1980ern gehabt haben, als er als Übersetzer für verletzte Mujahedin aus Afghanistan arbeitete, die sich in London behandeln ließen. Kurz darauf zog er selber in den Krieg am Hindukusch.

Angeblich bei dem Versuch, eine Tretmine zu entfernen, verlor Hamza dort ein Auge und einen Arm, statt einer rechten Hand trägt er seither einen Eisenhaken - "Captain Hook" nennen ihn britische Boulevardmedien deshalb. 1993 zog er trotz der Behinderung in den Jugoslawien-Krieg, um bosnische Muslime zu unterstützen.

Zurück in London, setzte er seinen Kampf gegen die Ungläubigen in Finsbury Park fort: Sie seien "Vieh", das man "schlachten" darf, soll Hamza gepredigt haben, den Holocaust bezeichnete er in seinen Reden als "Strafe Gottes" für die Juden. 2004 hatte die britische Polizei genug, Hamza wurde verhaftet und wegen Volksverhetzung verurteilt. Die kommenden Jahre saß er seine Strafe ab und kämpfte gegen seine Auslieferung an die USA - letztlich erfolglos.

Eines seiner sieben Kinder aus seiner zweiten Ehe setzt den Kampf des Vaters derweil fort - als Rapper. Mohammed Kamel Mostafa, so der bürgerliche Name des jungen Mannes, rappt als MC Hamza über den Jihad und Kalaschnikows. (Tobias Müller, DER STANDARD, 8.10.2012)

  • So sieht der Gerichtszeichner Abu Hamza.
    foto: epa/shepard

    So sieht der Gerichtszeichner Abu Hamza.

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