Frauen wegretuschieren

Einserkastl |

Man darf gespannt sein, ob und wie Ikea seinen ethischen Anspruch wieder hineinretuschiert

Die saudische Version des Ikea-Katalogs sorgte vergangene Woche für einen medialen "shit-storm" der Sonderklasse.

Der Katalog zeigt exakt die gleichen Bilder von Sofas mit skurrilen Namen und Möbeln, die im Bild viel besser aussehen als in der Wohnung. Mit einer Ausnahme: Die Frauen auf den Fotos fehlen plötzlich. Wenn etwa eine Familie beim Zähneputzen gezeigt wird, hat der Saudi-Katalog dasselbe Bild - jedoch mit kunstvoll wegretuschierter Mutter.

Zwar besteht der Klerus des als Staatsreligion waltenden Wahhabismus darauf, dass Frauen nur züchtig gekleidet zu zeigen sind. Ein T-Shirt, das die Unterarme frei lässt, untergräbt die Moral. Nur: In fast allen Fällen hätten die Zensoren an den Bildern gar nichts auszusetzen gehabt, wie Ikea jetzt zugeben musste. Die Bilder wurden aus purem Übereifer manipuliert.

Nun gelten die Schweden schnell einmal als "Taliban der politischen Korrektheit", und tatsächlich macht ihnen beim Kampf gegen Frauendiskriminierung nicht so bald wer etwas vor. Wer hohe moralische Standards setzt, muss aber auch darauf gefasst sein, dass diese bei seinen globalen Marken ebenso eingefordert werden.

Den Scheichs taugt es natürlich, wenn moderne Frauenbilder mittels Airbrush einfach zum Verschwinden gebracht werden. Man darf aber gespannt sein, ob und wie Ikea seinen ethischen Anspruch wieder in die öffentliche Wahrnehmung hineinretuschiert. (corti, DER STANDARD, 8.10.2012)

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