Der Mörder-Opel aus Ceausescus Fuhrpark

Kolumne |
  • Der Opel Rekord P2, hier als zweitürige Limousine. Auch lieb anzusehen.
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    Der Opel Rekord P2, hier als zweitürige Limousine. Auch lieb anzusehen.

In Niederösterreich steht ein solitäres Auto zum Verkauf

In Niederösterreich steht ein Opel zum Verkauf. Nicht irgendein Opel. Es ist ein Oldtimer, ein Opel Rekord Coupé aus dem Jahr 1962. Blau ist er, lieb anzusehen.

Ach ja, nicht irgendein Opel. Dieser Opel Rekord P2 wurde 1961 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA vorgestellt, er unterschied sich ganz wesentlich von seinem Vorgängermodell: Die Panoramascheiben verschwanden, die Karosse wurde geradliniger. Durch die niedrige Dachlinie und das langgezogene Heck des Coupés erhielt dieser Opel den Spitznamen "Der rasende Kofferraum".

Aus Ceausescus Fuhrpark

Das Modell P2 wurde in der Coupé-Variante in der Ausstattung aufgewertet und war letztendlich um einiges teurer als die Limousine. Das war auch der Grund, warum nur relativ wenige Fahrzeuge gebaut wurden und der Wagen heute sehr selten ist. So preist auch der Verkäufer den Wagen als besondere Gelegenheit an.

Ach ja, eines noch: Dieser ganz spezielle Opel Rekord von 1962 stammt aus dem Fuhrpark des rumänischen Diktators Nicolae Ceausescu.

Folgerichtig jubelt der Verkäufer, ein Autohaus in Niederösterreich: "Mördercoupé eingetroffen!" Wer kann bei einem Autoangebot schon auf den Umstand eines "60.000-fachen Mordes" verweisen? Da nehmen sich die 60 PS vergleichsweise mickrig aus.

Ausfahrt Klein-Pöchlarn

Wer also einen Wagen aus dem Fuhrpark von Nicolae Ceausescu haben will, wird in Klein-Pöchlarn in der Wachauer Straße 12 sicher gut bedient. Der rumänische Staatspräsident wurde 1989 gemeinsam mit seiner Frau Elena zum Tode verurteilt und gleich hingerichtet.

Das Auto hat fünf Sitze, vier Zylinder und ein Drei-Gang-Schaltgetriebe. "Dem Fahrzeug liegen Originaldokumente der Securitate bei", wirbt der Verkäufer. Das Auto ist unrestauriert, angeblich aber gut fahrbereit. Blut klebt nicht dran. Schade, fast. (Michael Völker, DER STANDARD, 5.10.2012)

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