Syrien: Türkei hätte Assad-Nachfolger

7. Oktober 2012, 18:43
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Syrischer Vizepräsident al-Sharaa wieder vorgeschlagen

Die türkische Regierung wünscht sich Syriens Vizepräsidenten Faruk al-Sharaa als Chef einer Übergangsregierung und Nachfolger von Staatschef Bashar al-Assad. Das erklärte Außenminister Ahmet Davutoglu am Wochenende im türkischen Staatsfernsehen. Angesichts großer Vorbehalte in der türkischen Bevölkerung gegenüber der militärischen Eskalation mit Syrien war der Außenminister bemüht, in dem Konflikt wieder eine politische Perspektive zu öffnen.

Al-Sharaa habe eine "sehr vernünftige und gewissenhafte Haltung" gezeigt und sich nicht an dem Blutbad im Land beteiligt, sagte Davutoglu. Keiner kenne das System besser als al-Sharaa. Die Ansage aus Ankara dürfte al-Sharaas Position noch prekärer machen. Der 73-Jährige hat Beobachtern zufolge mit Assad gebrochen und erscheint offenbar nur noch auf Anweisung in der Öffentlichkeit. Al-Sharaa habe versucht zu fliehen, erklärte Davutoglu, sein Name sei auch für die Opposition annehmbar.

Al-Sharaa, ein Sunnit, war zwei Jahrzehnte lang syrischer Außenminister und wurde 2006 auf das Amt eines Vizepräsidenten abgeschoben. Die Arabische Liga hatte bereits in ihrem Friedensplan vom Jänner dieses Jahres den syrischen Vizepräsidenten als Chef einer Übergangsregierung vorgeschlagen, ohne al-Sharaa explizit zu nennen; seine Kollegin im Amt ist die 80-jährige Najah al-Attar. Damaskus hatte den Plan abgelehnt. Seither wurde der Aufstand in Syrien zum Bürgerkrieg.

Gefechte an türkisch-syrischer Grenze

Bei Gefechten zwischen Rebellen und der syrischen Armee schlugen Samstag und Sonntag erneut Artilleriegeschoße auf türkischem Boden ein. Bei den Einschlägen nahe des Dorfs Güvecci und in Akçakale wurde niemand verletzt. Der Gouverneur der Provinz Hatay warnte die Bevölkerung an der Grenzlinie, nicht auf die Balkone ihrer Häuser oder freies Gelände zu gehen.

Die türkische Armee feuerte als Antwort auf die Granateneinschläge wieder über die Grenze nach Syrien. Die Rebellen nahmen später den syrischen Vorposten bei Güvecci ein. Syriens Führung soll türkischen Angaben zufolge die Armee angewiesen haben, nicht näher als zehn Kilometer an die türkische Grenze zu kommen. (Markus Bernath, DER STANDARD, 8.10.2012)

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    Mit Assad gebrochen: Faruk al-Sharaa.

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