Ein Plan für die 110 Millionen Menschen des Donauraums

  • "Brain gain": Viele Hoffnungen ruhen auf dem geplanten Forschungs- und Innovationsfonds der Donauregion.
    foto: standard/andy urban

    "Brain gain": Viele Hoffnungen ruhen auf dem geplanten Forschungs- und Innovationsfonds der Donauregion.

Hirnschmalz als wichtigstes Transportgut: Wie kann die EU-Donauraumstrategie bei den Menschen ankommen? Eine Konferenz suchte Antworten

Krems/Wien - Die Donau fließt durch den reichsten und den ärmsten Teil Europas: Deutschland und Österreich am Oberlauf, Rumänien, die Republik Moldau und die Ukraine im Mündungsbereich. Nicht nur historisch und kulturell, auch wirtschaftlich und sozial stimmt, was Michael Weithmann in seiner soeben erschienenen Donau-Geschichte schreibt: "Die Donau repräsentiert in ihrer Widersprüchlichkeit die Seele Europas."*

Die im Vorjahr verabschiedete EU-Donauraumstrategie hat das Ziel, die Widersprüche zum Vorteil möglichst vieler der rund 110 Millionen Menschen der Region (acht EU-Mitgliedsländer, vier Kandidaten, zwei ohne Beitrittsperspektive) zu entschärfen. Wohlstandsförderung, Stärkung der Zivilgesellschaft, Ausbau der Infrastruktur, des Umweltschutzes, der kulturellen und wissenschaftlichen Kooperation: Das klingt gut und schlüssig - aber was haben die Menschen davon, dort, wo sie leben?

Mensch im Mittelpunkt

"Der Mensch im Mittelpunkt" - das war der Ansatz einer internationalen Konferenz am Freitag an der Donau-Universität Krems. Die Bestandsaufnahme fiel einigermaßend ernüchternd aus. Viel von der Donauraumstrategie ist bei den Menschen noch nicht angekommen. Logische Schlussfolgerung: Bewusstseinsbildung hat Vorrang. Gleichzeitig aber müssen die schon bestehenden Netzwerke ausgebaut und konkrete Projekte entwickelt werden, ob im Transportsektor (etwa ökologisch verträglicher Ausbau der Schiffbarkeit), bei erneuerbarer Energie oder - einem ganz zentralen Punkt - in Wissenschaft und Forschung.

Die Europäische Investitionsbank (EIB), deren Mittel demnächst aufgestockt werden, lechzt geradezu nach Möglichkeiten: "Wir brauchen die Projekte", sagte Vizepräsident Wilhelm Molterer. Nach der Anfangseuphorie hapere es jetzt bei der Arbeit "in der Ebene". Es werde noch immer zu sehr in nationalen Kategorien gedacht.

"Brain drain"

Wissenstranfer ist nach allgemeiner Ansicht ein, wenn nicht der Schlüsselbereich. Viel war vom "brain drain" die Rede, von der Abwanderung geistigen Potenzials aus den ärmeren Regionen, und wie er in einen "brain gain" umzuwandeln sei durch "brain circulation", einen Gehirnschmalzkreislauf sozusagen, befördert vom Wissen um das große Entwicklungspotenzial der Makroregion Donauraum mit ihren drei Millionen Studierenden. Viele Hoffnungen ruhen da auf dem geplanten Forschungs- und Innovationsfonds der Donauregion.

Der Wiener Demografie-Experte Werner Fassmann wies darauf hin, dass die Uni Wien bereits 5200 Studierende aus dem Donauraum hat, fast so viele wie aus Deutschland: "Hier wächst zweifellos etwas zusammen, das Anlass zu Optimismus gibt." (Josef Kirchengast, DER STANDARD, 8.10.2012)

* Michael W. Weithmann: Die Donau. Geschichte eines europäischen Flusses. Böhlau Verlag/Verlag Friedrich Pustet 2012.

Share if you care