Konflikt auf den Philippinen: Ein Rahmen für den Frieden

Kommentar7. Oktober 2012, 18:09
1 Posting

Der Friedensprozess steht auf tönernen Füßen

Schon einmal war der Frieden im Süden der Philippinen greifbar nahe. 2008 waren die Ehrengäste bereits zur pompösen Feier nach Kuala Lumpur, wo die Verhandlungen zwischen muslimischen Separatisten und der philippinischen Regierung stattfanden, unterwegs. Doch dann machte der Oberste Gerichtshof der Philippinen wenige Stunden vor der Unterzeichnung des Friedensabkommens den Verhandlern einen Strich durch die Rechnung. Der Friedenspakt wurde für verfassungswidrig erklärt.

Das Ergebnis der elfjährigen Verhandlungen war einmal mehr Gewalt auf der Insel Mindanao, die aufgrund ihres Rohstoffreichtums auch "Land of Promise" genannt wird. Und auch vier Jahre später steht der Friedensprozess noch auf tönernen Füßen. Ein Abkommen macht noch lange keinen Frieden. Vieles hängt von der Umsetzung ab.

Denn das Abkommen, das der philippinische Präsident Benigno Aquino am 15. Oktober mit der Moro Islamischen Befreiungsfront (MILF) unterzeichnen will, stellt lediglich einen Rahmen dar. Wichtige Details wie etwa der Umfang des halbautonomen Gebiets sind noch ungeklärt. Unsicher ist auch, wie die zu 93 Prozent katholische Bevölkerung bei der geplanten Volksabstimmung abstimmen wird.

Gelingt es Aquino, diese Hürden zu überwinden, nachhaltigen Frieden zu schaffen und die Rebellen zu entwaffnen, könnte dies ein wichtiger Impuls für weitere Verhandlungen mit der maoistischen New People's Army (NPA) und der Terrorgruppe Abu Sayyaf sein. (Verena Diethelm, DER STANDARD, 8.10.2012)

Share if you care.