Erneut Selbstverbrennungen in Tibet

7. Oktober 2012, 17:11
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27-Jähriger und 42 Jahre alter Autor erliegen Verletzungen

Lhasa/Peking - Aus Protest gegen die chinesische Besatzung haben sich erneut zwei Tibeter selbst angezündet und damit getötet. Wie der Sender Radio Free Asia am Sonntag berichtete, setzte sich tags zuvor der 27-jährige Sangay Gyatso auf dem Gelände des Klosters Dokar in der nordwestchinesischen Provinz Gansu in Brand und erlag seinen Verletzungen. Bereits am Donnerstag starb laut Aktivisten der 42-jährige Autor Gudrub nach einer Selbstanzündung.

Radio Free Asia veröffentlichte im Internet ein Foto, auf dem die verkohlte Leiche des jüngeren Mannes zu sehen sein soll. Eine Bestätigung für die Echtheit des Bilds gab es jedoch nicht. Auch die chinesischen Behörden waren nicht zu einer Stellungnahme bereit.

Der Schriftsteller Gudrub setzte sich der Aktivistengruppe International Campaign for Tibet zufolge im Bezirk Nagchu in Brand und forderte dabei die Rückkehr des geistlichen Oberhaupts der Tibeter, des Dalai Lama, aus dem Exil. Der Mann sei in eine Klinik gebracht worden, wo sein Tod festgestellt worden sei.

Der Autor hatte zu Jahresbeginn in einem Artikel geschrieben und darin beklagt, Tibeter, die um das Wohl ihres Volkes besorgt seien, würden oft willkürlich festgenommen und misshandelt. Tibeter, die sich weigerten, den Dalai Lama zu verurteilen oder Chinas Herrschaft zu akzeptieren, würden insgeheim getötet oder verschwänden.

Nach Angaben des Senders und der Aktivisten stieg die Zahl der seit Februar 2009 nach Selbstanzündungen gestorbenen Tibeter mit den beiden neuen Todesfällen auf 44. Zehn weitere Tibeter zündeten sich den Angaben zufolge in dem Zeitraum selbst an, überlebten jedoch.

China hält Tibet seit dem Jahr 1951 besetzt. Während eines Aufstands der Tibeter im Jahr 1959 floh der Dalai Lama über die Grenze nach Indien, wo er seitdem - wie zahlreiche andere Tibeter auch - in Dharamshala im Exil lebt.

Die Tibeter klagen über soziale und wirtschaftliche Benachteiligungen sowie eine Zerstörung ihrer Kultur und Tradition in ihrer Heimat. Die Regierung in Peking verweist hingegen immer wieder auf ihre Bemühungen zur wirtschaftlichen Entwicklung der dünn besiedelten Bergregion. (APA, 7.10.2012)

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