Chavez stellt sich in Venezuela erneut der Wiederwahl

Oppositionspolitiker Capriles könnte dem langjährigen Machthaber gefährlich werden

Caracas - In Venezuela entscheidet die Bevölkerung heute (Sonntag) in einer Präsidentenwahl über die politische Zukunft von Hugo Chavez. Der sozialistische Staatschef tritt trotz seiner Krebsoperationen für eine weitere Amtszeit an. Nach knapp 14 Jahren an der Macht ist Chavez mit dem Oppositionspolitiker Henrique Capriles erstmals ein ernster Gegner erwachsen. Umfragen deuteten zuletzt auf ein knappes Rennen hin.

Schon vor der Öffnung der 13.800 Wahllokale bildeten sich an manchen Orten lange Schlangen. Rund 139.000 Soldaten waren im Einsatz, um die Sicherheit des Urnengangs in dem südamerikanischen Land zu gewährleisten. Die Wahlzentren sollten um 18.00 Uhr Ortszeit (Montag 00.30 Uhr MESZ) schließen. Ergebnisse wurden für die Nacht erwartet.

Der frühere Offizier Chavez hat mit seiner Politik der Verstaatlichung und Umverteilung die Gesellschaft in dem ölreichen Land tief gespalten. Seine Anhänger verweisen auf eine niedrigere Armut und bessere Grundversorgung in Elendsvierteln. Seine Kritiker prangern die hohe Arbeitslosigkeit, wachsende Kriminalität sowie Vetternwirtschaft in Staatsbetrieben an.

Herausforderer Capriles propagiert eine Kombination aus freier Marktwirtschaft und Sozialpolitik. Als Vorbild nennt der 40-jährige Jurist den früheren brasilianischen Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva, der als pragmatischer Linker gilt. Auch deshalb hoffen ausländische Investoren auf einen Sieg des ehemaligen Gouverneurs und ein Ende der Verstaatlichungswelle. Ein Machtwechsel in Caracas hätte nicht nur Auswirkungen auf andere links-gerichtete Regierungen in der Region, sondern auch auf das Verhältnis zu den USA. (Reuters, 7.10.2012)

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