Euro-Finanzminister geben Portugal mehr Zeit

Das Defizit muss nun erst bis 2014 auf die Maastrichter Kriterien zurechtgestutzt sein, bisher lief die Frist bis 2013

Brüssel/Luxemburg - Die Euro-Finanzminister kommen heute in Luxemburg zusammen, um dem krisengeschüttelten Portugal ein Jahr mehr Zeit für die Budgetsanierung einzuräumen. Das Defizit muss nun bis 2014 auf die Maastrichter Marke von drei Prozent der Wirtschaftsleistung gedrückt werden, bisher lief die Frist bis 2013. Lissabon wird auch eine weitere Kreditzahlung von 4,3 Milliarden Euro aus dem Hilfsprogramm von insgesamt 78 Mrd. Euro erhalten. Portugal galt bisher als ein Erfolgsfall bei der Euro-Rettung; doch unlängst musste die Regierung nach Massenprotesten Rückzieher machen und das Sanierungsprogramm umbauen.

Weitere Entscheidungen zu Krisenländern stehen nicht auf dem Programm der Ressortchefs. Da die "Troika" mit Vertretern der internationalen Geldgeber bisher nicht das neue Sparprogramm Griechenlands von 14,5 Milliarden Euro billigte, kann die dringend benötigte neue Hilfstranche von 31,5 Milliarden Euro nicht für Athen freigegeben werden. Die Ressortchefs werden von der "Troika" allerdings einen Zwischenbericht erhalten. "Wir bekommen da einen Vorgeschmack", meinte ein Diplomat.

Spanischer Hilfsantrag kein Thema

Im Falle Spaniens wird seit Wochen über einen neuen Hilfsantrag der Regierung in Madrid spekuliert - bisher ist noch nichts in Brüssel eingegangen, und in baldiger Zukunft wird auch nicht damit gerechnet, da sich Madrid an den Märkten refinanzieren kann. Die Ressortchefs erwarten vom spanischen Vertreter Luis de Guindos einen Ausblick auf das neue Spar- und Reformprogramm und das Budget 2013.

Wann der Inselstaat Zypern mit seinem schon länger angekündigten Gesuch für Hilfsmilliarden aufwarten wird, ist offen. Diplomaten erwarten Entscheidungen in Nikosia noch im laufenden Monat. Wackelig ist die Lage auch beim kleinen Adria-Anrainer Slowenien.

Die Oktober-Sitzung der Kassenhüter hat historischen Charakter, denn es wird der neue Rettungsschirm ESM aus der Taufe gehoben. Der ESM ist nach den Worten von Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker global die größte internationale Finanzinstitution und entscheidender Teil der europäischen "Brandmauer" von insgesamt 700 Milliarden Euro gegen die Schuldenkrise. Heftig umstritten ist immer noch, unter welchen Bedingungen der Fonds maroden Banken in den Mitgliedsländern direkte Finanzspritzen geben kann. (APA, 7.10.2012)

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