Islamist Abu Hamza an die USA ausgeliefert

7. Oktober 2012, 08:29
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Islamistischer Prediger ist seit langem wegen terroristischer Aktivitäten angeklagt - Auch vier seiner Kumpane ausgeliefert

Washington/London - Der wegen Terrorverdachts angeklagte islamistische Hassprediger Abu Hamza und vier Gesinnungsgenossen sind in der Nacht zum Samstag von Großbritannien in die USA ausgeliefert worden. Der 54-jährige Abu Hamza wurde noch am Samstag einem Haftrichter in New York vorgeführt werden, teilten die Justizbehörden mit. Bei der kurzen Zusammenkunft wurde der gebürtige Ägypter über die Anklagepunkte unterrichtet. Am Dienstag soll er wieder vor Gericht erscheinen. Laut dem Sender CNN ist dann auch die offizielle Anklageerhebung vorgesehen. Erst dann muss Abu Hamza auch zu den Vorwürfen Stellung nehmen.

 

Khaled al-Fawwaz and Adel Abdul Bary erschienen vor einem Gericht in New York. Die beiden anderen, Babar Ahmad and Talha Ahsan, traten in Gefängniskleidung vor einen Richter in New Haven (Connecticut). Alle Männer sind wegen schwerwiegender terroristischer Vergehen angeklagt. Die vier Islamisten, die gemeinsam mit Abu Hamza von den britischen Behörden an die USA ausgeliefert worden waren, plädierten auf "nicht schuldig".

Abu Hamza ist in den USA in elf Punkten angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, im Jahr 1998 an einer Geiselnahme westlicher Touristen im Jemen beteiligt gewesen zu sein. Außerdem werden ihm die Einrichtung eines Terrorcamps im US-Staat Oregon 2000 und 2001 und die Unterstützung terroristischer Anschläge in Afghanistan von 1999 bis 2001 zur Last gelegt. Bei einer Verurteilung muss der mutmaßliche Terrorist mit lebenslanger Haft rechnen.

Geld für Terrorakte

Dem 54-Jährige mit markanten Gesichtszügen und einem Metallhaken statt der rechten Hand war bereits in Großbritannien zu sieben Jahren Gefängnis wegen Volksverhetzung verurteilt worden. Der gebürtige Ägypter, der britischer Staatsbürger ist, hatte im Norden Londons ein islamistisches Zentrum aufgebaut. Die USA versuchten seit 2004, seine Auslieferung durchzusetzen. Abu Hamza wehrte sich bis zuletzt erbittert dagegen. Ihm sowie den anderen Ausgelieferten droht für ihre mutmaßlichen Terrorvergehen lebenslange Haft.

Zwei der Verdächtigen, die beiden Briten Babar Ahmad und Syed Talha Ahsan, sollten am Samstag um 08.00 Uhr (Ortszeit, 14.00 Uhr MESZ) vor einem Bundesgericht in New Haven im US-Staat Connecticut erscheinen. Dem 38-jährigen Informatiker Ahmad wird vorgeworfen, eine Website programmiert zu haben, mit der Geld für Terrorakte gesammelt werden sollte. Er saß ohne eine Verurteilung bereits acht Jahre in Großbritannien in Haft. Dem 32-jährigen Ahsan wird Verschwörung zu Mord, Entführung, Körperverletzung oder Sachbeschädigung im Ausland vorgeworfen.

Ebenfalls ausgeliefert wurden der 52-jährige Ägypter Adel Abdul Bary und der 50-jährige Saudiaraber Khaled Al-Fawwaz. Sie sollen an den Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenias Hauptstadt Nairobi und im tansanischen Daressalam beteiligt gewesen sein, bei denen 1998 mehr als 220 Menschen starben.

Auslieferung

"Den Anklagepunkten zufolge agierten diese Männer in den Nervenzentren der Terrorakte von Al-Kaida", so der Staatsanwalt für den südlichen Bezirk von New York, Preet Bharara. "Sie trugen dazu bei, dass Blut vergossen wurde, dass Leben verloren und Familien zerstört wurden." Nach dem langen Hin und Her um die Auslieferung der drei nun in New York einsitzenden Männer sei ein Wendepunkt für den landesweiten Kampf gegen den Terrorismus gekommen. "Wir setzen das Versprechen an die amerikanische Bevölkerung um, dass wir jedes diplomatische, juristische und bürokratische Werkzeug einsetzen, um angeklagte Terroristen zu verfolgen, ganz gleich wie lange es dauert", so der Staatsanwalt. Bharara gilt als einer der angesehensten Juristen der USA. Unter anderem feierte ihn das "Time Magazin" in diesem Jahr als einen der "100 einflussreichsten Menschen der Welt".

Die britische Innenministerin Theresa May begrüßte es, dass die Männer, die alle sehr ernster Straftaten beschuldigt würden, endlich vor Gericht gestellt würden. Der High Court in London hatte am Freitag in letzter Instanz einen Versuch Abu Hamzas zurückgewiesen, die Auslieferung zu verhindern. Er hatte zuletzt gesundheitliche Gründen angeführt und erklärt, er leide an Depressionen. Die Richter in London erkannten dies jedoch nicht an. Eine Behandlung sei auch in den USA möglich. Zuvor hatte bereits der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Zuständigkeit für den Fall abgelehnt. (APA, 6.10.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Abu Hamza mit offenbar Kamera-scheuen Unterstützung Anfang Februar in London.

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