Heute hoffen Mediziner auf einen Anruf aus Stockholm

8. Oktober 2012, 00:00
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Der Countdown läuft: Die Bekanntgabe des Medizin-Nobelpreises ist ab 11.30 Uhr zu erwarten

Stockholm - In Stockholm werden ab heute wieder die wissenschaftlichen Nobelpreisträger bekannt gegeben. Den Anfang macht der Preis für Medizin, dessen Verlautbarung "frühestens" um 11.30 Uhr zu erwarten ist. Im vergangenen Jahr waren die Immunologen Ralph Steinman, Bruce Beutler und Jules Hoffmann ausgezeichnet worden - wobei das Nobel-Komitee nicht darüber informiert war, dass Steinman wenige Tage zuvor verstorben war.

Ein so gewaltiger Fauxpas ist ungewöhnlich, kleinere Pannen kann es im alljährlichen Ablauf hingegen hin und wieder geben, wie die Sprecherin des Chemie-Komitees, Astrid Gräslund, berichtet. Denn erst wenige Minuten vor der offiziellen Bekanntgabe informieren die Juroren die frischgekürten Preisträger telefonisch, aber: "Wir haben auch schon mal die falsche Nummer gehabt." Den richtigen Namen des falschen Preisträgers will sie aber nicht preisgeben: "Ich nenne ihn mal Smith." Und weiter: "Der sagte dann: Wieso Professor Smith und Nobelpreis bekommen? Ich bin nur Mister Smith." Da habe man den Irrtum bei der Telefonnummer erkannt und nach einer diskreten Entschuldigung aufgelegt. 

Die Hoffnungsvollen und die Schlummernden

Über verschiedene Netzwerke fischen die Juroren auch private Telefonnummern heraus, die bei prominenten Wissenschaftern oft "heiße Ware" sind. Einerseits, weil die viel Gefragten nicht von jedermann belästigt werden wollen. Andere aber auch, weil sie unter gar keinen Umständen wissen sollen, dass man in Stockholm nach ihnen sucht. Nicht alle potenziellen Kandidaten sitzen am Stichtag hoffnungsvoll vor dem Telefon - erst recht nicht auf der anderen Seite des Atlantiks, wo die meisten zu der Zeit noch schlafen.

"Wir haben da eine gewisse Finesse entwickelt", meint Gräslund, auch wenn dies nicht immer auszureichen scheint: "Ziemlich viele sind am Telefon doch nicht so richtig überrascht, dass wir anrufen", bekennt die Komiteesekretärin nach 15 Jahren Nobel-Telefondienst. Vorgesorgt ist aber für den Fall, dass die Angerufenen glauben, Scherzkekse würden sie auf Englisch mit schwedischem Akzent auf den Arm nehmen: "Wir sind mehrere rund ums Telefon mit Lautsprecher. Da ist eigentlich immer jemand dabei, den der Preisträger persönlich kennt."

Was man tun kann, wenn keiner abnimmt? "Nichts" sagt Astrid Gräslund, schränkt aber ein: "Bei zwei von drei Anrufen kommen wir durch." (APA/red, derStandard.at, 8. 10. 2012)

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