Bosnien: Srebrenica vor heikler Entscheidung bei Lokalwahlen

5. Oktober 2012, 19:19
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Symbolort des bosnischen Bürgerkriegs könnte künftig serbische Bürgermeisterin bekommen

Sarajevo - Wird Srebrenica künftig eine serbische Bürgermeisterin bekommen? Am Sonntag finden in Bosnien-Herzegowina Lokalwahlen statt. Und offen ist, wer an der Spitze der Verwaltung in jener Stadt sitzen wird, die zum Symbol für die "ethnische Säuberung" wurde. Nach dem Genozid an etwa 8000 Bosniaken, verübt von der bosnisch-serbischen Armee im Juli 1995, hat bisher der Internationale Hohe Repräsentant verfügt, dass auch Bosniaken, die vor dem Krieg in Srebrenica lebten, aber nicht mehr dort gemeldet sind, in der Stadt wählen können.

Diesmal ist das nicht mehr so. In den vergangenen Wochen haben sich deshalb viele Bosniaken in Srebrenica registrieren lassen, um an der Wahl teilnehmen zu können und eine bosniakische Mehrheit zu sichern. Vor dem Krieg lebten in Srebrenica mehrheitlich Bosniaken. Aber auch Serben haben sich registrieren lassen. Auf der bosniakischen Seite tritt der bisherige Bürgermeister Camil Durakovic an. Die gemeinsame Kandidatin der serbischen Parteien, allen voran der SNSD von Milorad Dodik, ist Vesna Kocevic. Anders als Dodik leugnet Kocevic den Völkermord in Srebrenica nicht.

Insgesamt werden in Bosnien-Herzegowina 139 Lokalverwaltungen gewählt, es gibt mehr als 30.000 Kandidaten. (awö/DER STANDARD, 6.10.2012)

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