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vergrößern 600x600Brandauer über Österreich: "Man spielt über die Bande."
Alexandra Föderl-Schmid sprach mit ihm über Gefährdungen der Demokratie.
Standard: Warum ist dieses Erinnern wichtig, gerade in Österreich? Oder ist es gerade in Österreich wichtig?
Brandauer: Erinnern ist eine Grundbedingung für unsere Existenz, weil nur durch Erinnerung wissen wir, dass wir sind und wer wir sind! Natürlich ist es in Österreich besonders wichtig, ich habe immer öfter den Eindruck, dass hier nicht nur das Langzeit-, sondern auch das Kurzzeitgedächtnis schlecht funktioniert. Die Texte, die wir am Sonntag lesen, sollen es schaffen, beides zu aktivieren! Die Dinge sind ja nur scheinbar weit weg von uns, das kann immer wieder passieren, überall.
Standard: Die Ermordung von Olof Palme, Anna Lindh, das Massaker von Oslo. Ist das weit weg?
Brandauer: Nein und vielleicht doch! Solche Katastrophen können wachrütteln, aber die Probleme sind viel breiter und viel näher! Darüber müssen wir nachdenken und reden. Deswegen sind diese Texte von heute so wichtig, weil sie uns dafür sensibilisieren können, was für ein kostbares Gut unser Leben, unsere Freiheit ist, und wie schnell das gefährdet sein kann. Es ist schwer über dieses Thema zu reden, aber das darf kein Grund sein, es nicht zu tun. Ich weiß, dass man da schnell als Gutmensch betrachtet wird. Sei es drum. Es braucht das Nachdenken über die Hintergründe, die Frage nach den Ursachen, die Einordnung in den Zusammenhang. Die Medien leisten das kaum noch, da habe ich immer wieder den Eindruck, wir befinden uns in einer Art Kriegszustand.
Standard: Inwiefern?
Brandauer: Alles was passiert wird zum Ereignis, zum Skandal, die Zusammenhänge geraten aus dem Blick, es gibt eine Sucht nach Aktualität, nach der neuen Meldung, die blutiger ist als die nicht mehr ganz so neue. Früher gab es Kriege mit klar verteilten Rollen, heute ist der Feind unsichtbar. Daraus wächst eine große Unsicherheit, wer ist eigentlich der Gegner, der Feind? Wer hat den Film über Mohammed gedreht? War der bestellt? Das muss sich jemand fragen, der mit theatralischen Mitteln umgeht.
Standard: Inwieweit fließen diese Wahrnehmungen in Ihre Figuren ein, etwa in Dorfrichter Adam aus Kleists "Zerbrochnem Krug"?
Brandauer: Es fließt ja in jede Rolle meine ganze Persönlichkeit ein, anders geht es nicht. Ich spiele den Adam als jemanden von heute, weil ich von heute bin, die Freiheit muss ich mir nehmen! Die Aufgabe hat ja jeder, sich in die Gesellschaft einzubringen, mit all seinen Ideen, Wünschen und Erfahrungen. Wenn man sagt, diese Welt ist so schrecklich, das weiß ich schon aus Büchern, lasst mir doch meinen Schrebergarten, dann ist das auch eine Haltung, aber zu kurz gedacht. Es ist gewiss nicht einfach bewusst und kritisch zu bleiben, aber nötig. Ein aufmerksames Mitglied dieser Gesellschaft zu sein fällt immer schwerer, aufgrund der vollkommen unübersichtlichen Vielfalt der Angebote. Dabei fühle ich mich oft gar nicht gut genug informiert.
Standard: Was fehlt Ihnen in den Medien?
Brandauer: Klarheit. Wenn ich derzeit ein Stück zur österreichischen Innenpolitik machen sollte, dann müsste ich sagen, da ist alles im Nebel. Trotz des medialen Angebots haben viele das Gefühl, wir haben keine Wahl. Doch das ist nicht richtig, man muss Mut haben. Beim Thema Europa zum Beispiel. Dass Europa die Lösung und nicht das Problem ist, muss man in Österreich nicht erklären, trotz aller Schwierigkeiten.
Standard: Ich glaube, in Österreich erst recht.
Brandauer: Bei der Volksabstimmung vor dem EU-Beitritt waren fast zwei Drittel dafür. Die haben mit guten Gründen dafür gestimmt, und ein Großteil dieser Gründe trägt nach wie vor.
Standard: Sehen Sie jetzt eine positive EU-Stimmung in Österreich?
Brandauer: Natürlich ist die Einstellung mehrheitlich positiv. Und wenn man nicht ständig irgendwelche Teilaspekte ins Rampenlicht schieben würde ohne das Gesamtbild zu würdigen wäre die Zustimmung noch größer. Man spielt über die Bande, wie so oft in diesem Land.
Standard: Warum wird das in Österreich zu wenig gesehen?
Brandauer: Wir lassen uns zu viel gefallen. Nehmen wir den Untersuchungsausschuss. Es war gar nicht geplant, dass da etwas herauskommt. Die Sache ist noch nicht zu Ende und darf das auch nicht sein. Wir leben doch in einem Rechtsstaat, es geht um die Demokratie. Österreich hat etwas besseres verdient, als das, was jetzt politisch statt findet.
Standard: Sind Sie ein Optimist? Noch immer?
Brandauer: Ich kann nicht anders. Die Leute müssen Druck machen und die Medien müssen den weitergeben. Es geht nicht um die Meldung, sondern um Inhalte. In den USA gibt es "C-Span", in Deutschland den Sender" Phoenix". Man kann sich Politik live anschauen. Wie im Theater: Live. Das bringt ganz andere direkte Eindrücke, die man verarbeiten kann. Und dann Verantwortung übernehmen, im Großen, wie im Kleinen, alles ist Politik. Zynismus ist der falsche Ausweg!
(Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, 6./7.10.2012)
Klaus Maria Brandauer (69) lebt in Wien, Altaussee und Berlin. Zuletzt trat er auf österreichischen Bühnen als Dorfrichter Adam in Heinrich von Kleists "Zerbrochnem Krug" und in "Ödipus auf Kolonos" von Sophokles auf. Unvergessen ist sein Wallenstein in Peter Steins Inszenierung. Brandauer ist auch Österreichs Beitrag zum Weltfilm: Er spielte unter anderem in Coppolas "Tetro".
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"Erinnern ist eine Grundbedingung für unsere Existenz, weil nur durch Erinnerung wissen wir, dass wir sind und wer wir sind!" Wir sind also eine mehr oder weniger präsente Ansammlung von Ereignissen die sich im Gehrin abrufen lassen ? Ihre Aussage klingt zwar sehr klug , aber taugt doch für recht wenig (nichts). Ich kenne niemanden der weiss wer er ist oder sind sie ein Schauspieler ?
und wurden vor der stadt in ungeweihtem grund verscharrt.
heute gelten die hofnarren von einst als moralinstanz und altersweise vor/nachdenker:))
brandauer mag kein schlechter schauspieler sein, aber seine weisheiten sind ja eben gerade die allerweltsphrasen und 'tiefschürfenden' plattheiten, die auch alle anderen irgendwie prominenten in solchen interviews zu solchen gelegenheiten absondern.
vom polit-terror zur europa-skepsis der österreicher: das nenn ich gedankenflucht! :))
...aber warum tut man ständig so, als ob schauspieler weise wären?
wer mal in der nähe von denen war sieht, dass das auch nur normale menschen sind und nicht mehr oder weniger als der durchschnittsmensch wissen.
man stellt sie auf einen sockel auf den sie nicht hingehören. man sollte mit schauspielern in der öffentlichkeit hauptsächlich über film und theater diskutieren.
tut man so, als wäre überhaupt jemand weise, und bedrängt den/die um einen Interview (oder fragt an)? Das betrifft ja nicht nur Schauspieler.
Vielleicht denken Journalisten, dass Schauspieler sehr viel lesen. Aber Fr. Föderl-Schmid erscheint in Bezug auf eine potentielle Quelle der Weisheit, die aus Brandauer zu erschöpfen wäre, doch eher skeptisch?
In diesem Fall: weil der Brandauer heute im Burgtheater-Sonntagsmatinee Texte aus Jelinek u.a. zum Thema Terror vorliest (und das, was man im Burgtheater macht, in Österreich nicht ganz unbeachtet zu sein pflegt) und sich damit politisch betätigt.
Weil man das Blatt füllen muß. Und auch weil eine gewisse Ratlosigkeit vorherrschen könnte (besonders im Boulevard.).
Bei Schönbrunn, eher (Hauptbetrieb. Nebenstelle mindestens eine). Wirtshaus stimmt; Essen meist sehr gut, Mittagsbuffet. Bierspezialist mit nicht übersehbaren Bekenntnissen zur Monarchie. Brandauer zeigt Flagge. Sie verdüstern den ganzen Raum. Hoffentlich ist das nur für Touristen gedacht.
.
Kapitaler Irrtum.
In ganz überwiegender Mehrheit sind Schauspieler hohle Dumpfbacken.
Brandauer...vielleicht...eine der wenigen Ausnahmen.
wäre es auch wert öffentlich in dieser neutralen Republik diskutiert zu werden. Das Anspornen von gewaltbereiten Islamisten und den Sturz einer fremden Regierung zu fordern. Die Libyenreise des Vizekanzlers könnte auch Erwähnung finden. Der Standard berichtete. Sind das die Lehren aus der Geschichte?
zuerst dachte ich: gar nicht schlecht. Als ich dann zum EU-teil gekommen bin, war's damit leider vorbei. Der gute Mann kennt sich wohl wirklich nicht aus. Die EU ist nicht das Problem? Ohje der hat's nicht verstanden. Ich ordne ihn in die riege jener alternden Gockel ein, die gedanklich irgendwo in den 90igern hängen bliebt, als in der EU noch alles eitel wonje ist. Ausserdem kommt diese Haltung vielfach aus einem selbsthass heraus, mit der Grundhaltung, alles was drin ist kann nur schlecht sein und alles draußen gut. Leider hält diese Betrachtung nur sehr selten stand, egal ob im eigenen oder auf Europa bezogen
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