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Standard: Wie ist Ihre Bilanz der bolivarischen Revolution?
Capriles: Ich habe bei meinen Besuchen in mehr als 300 Gemeinden viel Frust über die Ineffizienz dieser Regierung erlebt. Nach 14 Jahren unerfüllter Versprechen ist die Zeit abgelaufen. Nach 14 Jahren sagt diese Regierung, dass es nicht wichtig ist, Wasser, Strom oder Sicherheit zu haben, sondern dass das Wichtigste die Revolution ist. Diese Regierung fing mit guten Absichten an, aber ihr Kandidat wurde trunken von der Macht.
Standard: Und wie garantieren Sie, dass Sie nicht ebenfalls den Verlockungen der Macht erliegen?
Capriles: Je mehr Macht man hat, desto mehr Verantwortung. Man darf die Demut nicht verlieren, und man muss sich bewusst sein, dass die Macht endlich ist. Deshalb bin ich auch ein Gegner der unbegrenzten Wiederwahl von Präsidenten. Eine einzige Wiederwahl ist ausreichend.
Standard: Caracas ist eine der gewalttätigsten Städte der Welt. Was wollen Sie dagegen machen?
Capriles: Die Justiz muss effizi enter und transparenter werden. Dass Richter sich korrumpieren oder für ein politisches Projekt vereinnahmen lassen, muss beendet werden. Unser Sicherheitsproblem ist hausgemacht, und die Kriminellen müssen entwaffnet werden. Wir müssen auf Prävention setzen, also mehr in Sport, Bildung und Kultur investieren. Dann brauchen wir 100.000 neue Polizisten.
Standard: Wie wollen Sie die Korruption bekämpfen?
Capriles: Mit hartem Durchgreifen. Diese Regierung belohnt Korrupte mit Botschafterposten oder anderen öffentlichen Ämtern. Ich werde keinen der korrupten Verantwortlichen dieser Regierung auf seinem Posten lassen. Der Erste, der gehen muss, ist Erdölminister Rafael Ramírez, und ich bin sicher, dass im staatlichen
Standard: Was passiert mit den Farmen und Betrieben, die unter Chávez enteignet wurden?
Capriles: Die Enteignungen waren ein wirtschaftliches Desaster. Manche Firmen sind pleite, andere bezahlen ihre Arbeiter nicht, dritte produzieren nur noch einen Bruchteil ihrer Kapazität. Jeden Fall muss man einzeln prüfen und dann entscheiden, ob reprivatisiert wird oder was es sonst für Lösungen gibt.
Standard: Umfragen sagen ein knappes Ergebnis vorher, und manche zweifeln, ob der Unterlegene das Ergebnis anerkennen wird.
Capriles: Hier will niemand ein Abenteuer, aber wenn die Regierung das Resultat nicht anerkennt, wird sie sich gegen das Volk stellen. Ich habe nie eine Wahl verloren, aber ich habe sie mir auch nie stehlen lassen. Ich meinerseits werde den Willen des Volkes akzeptieren und hoffe, dass auch die Regierung sich verpflichtet, am Wahltag keine Gewalt zu provozieren und dafür zu sorgen, dass es vor den Wahlzentren keine Aufrührer und Propaganda gibt. (DER STANDARD, 6.10.2012)
Zur Person: Henrique Capriles Radonski (40) ist Gouverneur des venezolanischen Bundesstaates Miranda und gemeinsamer Kandidat des Oppositionsbündnisses Mesa de la Unidad Democrática für die Präsidentschaftswahl am Sonntag. Er ist der Enkel einer jüdischen Polin, die vor dem Holocaust nach Venezuela floh.
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Dort war zu lesen, dass Chavez solchen Regionen, die von der Opposition regiert werden, die Finanzmittel streicht. Bestehende Infrastrukturprojekte wie U-Bahn-Linien werden eben nicht mehr finanziert, um so die Regionalregierungen in Misskredit zu bringen.
Häuser werden zwar gebaut, aber irgendwo draußen vor der Stadt. Es gibt keine Verkehrsanbindung, und niemand weiß, welche Kriterien für die Wohungsvergabe gelten. Am sichersten sei ein Parteibuch der sozialisten. Liest man.
Oder Chavez feiert seine 20 "Volksuniversitäten". Deren Abschluss habe gerade mal Abitur-Niveau, die Absolventen fänden keine Jobs.
Insgesamt ein Bild eines Politikers, der v.a. den schönen Schein liebt und Oppositionswähler auch gern für ihre Entscheidung abstraft.
zu Ölpreis, Armut, Korruption in Venezuela
http://www.zeit.de/news/2012... l-07105411
so wie es schon Ledezma nach seiner BM Wahl mit 3000 Angestellten in Caracas getan hat. Wenn Capriles ähnliches vorhat, wird er wohl 1 Mio.x von Chavez eingesetzten MArionetten entlassen müssen, die z.T. ohne Ausbildung irgendwelche fiktiven Jobs, ohne echte Aufgabenbeschreibung erhalten haben. War schon im früheren Kommunismus auch nicht anders.
Die Opposition hofft, dass sie so ausgeht wie die Parlamentswahlen im Jahr 2010. Da hatte das Wahlbündnis von Chávez keine absolute Mehrheit. Die Opposition ist aber auch nicht geeint angetreten. Die sozialdemokratische Partei PPT hat einen "dritten Weg" vorgeschlagen und hat damit fast 3% bekommen. Dadurch hatte Chávez' Wahlbündnis mehr als die geeinte Opposition (MUD). Chavistische Gruppen haben sich aber jetzt bei der PPT und PODEMOS (auch sozialdemokratisch und einige Zeit lang MUD) durchgesetzt und sammeln Stimmen für Chávez bei den Wahlen. Durch diese Stimmen hätte Chávez' Wahlbündnis über 53% erreicht.
Diese Wahlen sind aber nur schwer zu vergleichen. Bei den Wahlen ist es nicht direkt um Chávez gegangen.
Oft treten unter chavistischen Parteien unbeliebte Gestalten an, die selbst von Chavistas nicht gewählt werden. Auch wenn Chávez sie offiziell unterstützt.
Chávez selbst ist beliebter als "seine" Parteien. Das gleiche gilt aber auch für Capriles.
Außerdem ist in den beiden Jahren einiges passiert. Chávez hat(te) Krebs, das ambitionierte Bauprogramm hat um die 300.000 Sozialwohnungen geschaffen, die Inflation war 2011 niedriger als 2010 und 2012 ist sie auch niedriger und es gibt wieder ein höheres Wirtschftswachstum als in den letzten Jahren (2012: um die 5%). Gleichzeitig bleibt die Inflation (wie seit Jahrzehnten) hoch und die Kriminalität hat sich nicht merklich gebessert.
da geht es eher um konkretes wie die sozialprogramme und um ein "anderes venezuela", in dem gesellschaftliche solidarität wichtiger als privater reichtum ist. und zum thema kriminalität: ich weiss ja nicht, wie das in venezuela diskutiert wird, aber mit dem problem hat eigentlich der ganze kontinent zu kämpfen und "erfolge" gegen das verbrechen sind sehr marginal. klar schüren die rechten ängste, weil das die einzige kompetenz ist, bei der sie wirklich gut sind (ängste schüren). aber sachlich betrachtet ist es für eine regierung schwierig, bei der hohen erwartungshaltung erfolgreich gegen die kriminalität vorzugehen. die meisten schicken mehr polizei (oder sogar militär) auf die strasse und was bringt es? die gewalt eskaliert, siehe mexiko.
Im September haben um die 40% angegeben, dass sie Chavistas sind. Also absolute Anhänger und sichere Stimmen. Die Opposition hatte in der gleichen Umfrage nur 16,1% Hardcore-Unterstützer. Der Rest waren Wechselwähler.
Umfragen in Venezuela sind schwer zu deuten und oft politisch manipuliert. IVAD und Datanalisis zeigten sich in der Vergangenheit am genausten. Die sehen (in den letzten Prognosen) Chávez vorne.
Das "Center for Economic and Policy Research" hat versucht die Umfragen (politisch) zu bereinigen: http://www.scribd.com/doc/10898... l-Election
BTW: https://twitter.com/evagolinger berichtet live (spanisch und englisch) von den Wahlen auf Twitter.
1. Während Chávez mehrmals betont hat jedes Resultat anzuerkennen, hat Capriles das nicht gemacht.
2. Er will Propaganda nach dem offiziellen Wahlkampfende verhindern. Gleichzeitig wurden gestern noch unmengen an SMS von Un Nuevo Tiempo (verbündete Partei von Capriles) verschickt, die zur Wahl von Capriles aufrufen.
'
DAS kann man sich unschwer vorstellen (und würde wahrscheinlich von ziemlich jedem so gehandhabt).
Viel interessanter wäre, zu wissen, wie er ähnliche Korruption in seiner eventuellen zukünftigen Regierung hintanhalten will.
er wird milliarden bei den sozialprogrammen streichen und stattdessen für supersaubere, blendend weisse imagekampagnen ausgeben, zu denen sogar die zahnpastawerbung im vergleich alt ausschaut. wahrscheinlich wird der capriles dem "feschen" karl heinz grasser, für den natürlich die unschuldsvermutung gilt, ein regierungsamt anbieten.
Chávez ist ein Populist. Das ist wahr, aber Capriles ist ebenso ein Populist und dazu noch verlogen. Chávez hat nicht verheimlicht, dass er für einen Sozialismus steht.
Capriles kündigte an alle sozialen Misiones nicht nur zu behalten, sondern sie zu verbessern. Gleichzeitig will er die Kriminalität bekämpfen und sonst alle Probleme der Venezolaner lösen.
In der Realität würde Capriles eine neoliberale Politik einschlagen. Die war bisher in Lateinamerika noch nie zum Vorteil der "einfachen Leute".
Capriles will mit Privatisierungen und Auslandsinvestitionen aus den USA 3 Millionen Jobs schaffen. Das wird sicher klappen :-)
Die Regierungen vor Chávez haben das bewiesen :-)
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