Damit die Kinder sehen, dass es geht

Kopf des Tages |

Thomas Vanek kehrt in den Liebenauer Eisbunker zurück

Die Geschichte vom Steirer, der nach Nordamerika auswandert, um reich und berühmt zu werden, zurückkommt und die Heimat zu beglücken sucht, gibt es in allerlei Variationen. Sie erzählt vom starken Arnold, vom geschäftstüchtigen Frank oder von Thomas, dem Eishockeyspieler, der anno 1984 deshalb in Baden zur Welt kam, weil seine Eltern im Flüchtlingslager Traiskirchen logierten.

Die Vaneks waren aus der kommunistischen Diktatur in der damaligen Tschechoslowakei geflohen. Und landeten in Graz, wo der Vater, selbst Eishockeyspieler, den Nachwuchs trainierte. In diesem stach bald der zwölfjährige Thomas hervor, er spielte die 17-Jährigen schwindlig, und das wurde auf die Dauer fad. Mit 13 beschloss er, nach Nordamerika zu übersiedeln, mit 14 landete er zunächst in Kanada. "Das war nicht einfach für die Eltern und für mich", sagt er, "aber ich wollte unbedingt mein Eishockey verbessern. Das ging nur in Amerika."

Vanek lebte bei Gastfamilien, stach in Nachwuchsligen hervor, erhielt ein Stipendium der Uni Minnesota, landete schließlich bei den Buffalo Sabres. Der Siebenjahresvertrag, den er 2007 für 50 Millionen Dollar unterschrieb, machte ihn vorübergehend zum bestbezahlten Eishockeyspieler der Nordamerikanischen Profiliga (NHL). Und zu Österreichs Sportler des Jahres. In bisher 583 NHL-Spielen erzielte der linke Flügel 245 Tore und lieferte 222 Assists. 2009 zertrümmerte ein Puck seinen rechten Kiefer, sein Mund musste für zwei Wochen zugenäht werden. "Das Spiel meines Lebens", lautet der Titel seiner 2010 erschienenen Biografie.

Vanek war stets bereit, sich in den Dienst des österreichischen Nationalteams zu stellen, wenn das sein Arbeitgeber zuließ, was etwa der Fall war, als die Sabres die Playoffs verpassten. Und dass er nun voraussichtlich bis 4. November Zeit hat, für die Graz 99ers zu spielen, ist der Tatsache zu danken, dass sich Klubbesitzer und Spielergewerkschaft noch nicht auf einen NHL-Tarifvertrag einigten, die Liga ausgesetzt ist. Deshalb wirken die österreichischen NHL-Profis Michael Grabner für Villach und Andreas Nödl für Innsbruck.

Vanek, dessen Frau und die drei Kinder in Buffalo blieben, hatte auch Angebote aus Russland und Deutschland. "Für mich kam nur Österreich infrage", sagt der brave Millionär, der nun bei seinen Eltern in Liebenau wohnt. "Ich will dem österreichischen Eishockey Aufschwung geben. Und ich will, dass die Kinder sehen, dass es geht." (Benno Zelsacher, DER STANDARD, 06./07. Oktober 2012)

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