Ausverkauf auf dem Naschmarkt in Wien

5. Oktober 2012, 18:07
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Gastronomie und Kitsch-Souvenirs auf dem Vormarsch

Wien - Die traditionellen Obst- und Gemüsestände sind auf dem Wiener Naschmarkt schon seit längerem auf dem Rückzug, wie auch andere Lebensmittelgeschäfte. Polyester-Kinderdirndl reihen sich an gefälschte Puma-Pullover und Souvenirbuden, dazwischen lauernd Restaurant-Keiler in der Fressmeile auf Kundschaft.

"Wenn ein Stand leer wird, kommt sofort ein Lokal rein", erzählt eine Verkäuferin der Bäckerei Gradwohl. Der Asialaden und der dazugehörige Vietnamese Phò Sài Gòn gegenüber haben überraschend Mitte September zugesperrt und das Feld dem Platzhirsch Tokori überlassen. Der erstreckt sich jetzt über beide Seiten. "Ich dachte, die machen nur Urlaub?", quittiert eine andere Verkäuferin verwundert die Übernahme.

Umbauarbeiten bis 2015

Etwas weiter Richtung Karlsplatz residiert - ebenfalls erst seit kurzem - ein Spin-off der Gastronomin Sohyi Kim ("Kim kocht"), die sich mit einem Schaumweincenter in der ehemaligen Fleischhauerei von Herta Gruber auf dem Naschmarkt vergrößert hat, ein Lokal hat sie bereits.

Die Umbauarbeiten auf dem Naschmarkt, die noch bis mindestens 2015 dauern sollen, seien vor allem wegen der ständigen Erweiterung des Gastro-Betriebs notwendig geworden, erzählt ein Kellner vom Papas. "Die Kanalisation braucht eine Fettentfilterung - sie ist ja schließlich nur für einen Markt gebaut."

Kaum Wiener kommen zum Einkaufen

Die Touristen, die sich an diesem Freitagvormittag über den Markt schieben, können sich mit zahlreichen Fan-Artikeln, vom Teddybär bis zur Klimt-bedruckten Einkaufstasche, mit Erinnerungsstücken an ihren Wien-Besuch eindecken. Wiener würden jedoch kaum noch zum Einkaufen kommen, räumt ein Händler ein. "Die Preise sind fast doppelt so hoch wie beim Billa."

Wer Qualität anbietet, wird sich durchsetzen, ist sich ein anderer Fischhändler sicher, der auf Bio umgesattelt hat. "Der Ramsch geht eher zurück." (juh, DER STANDARD, 6./7.10.2012)

  • Der Wiener Naschmarkt verändert sich: weniger Stände - mehr Kitsch.
    foto: der standard/corn

    Der Wiener Naschmarkt verändert sich: weniger Stände - mehr Kitsch.

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