Wieder an der Volksoper: "Tosca"

Geballte Wucht, furchtbare Inszenierung

Ein seltsamer Abend. Am positivsten in Erinnerung bleibt bei Wiederaufnahme der Tosca das Volksopernorchester. Geballte Wucht, Dynamik, Glut: Wow. Eine bemerkenswerte Zahl an falschen Einsätzen - mehr beim Holz als beim Blech - trübt den Gesamteindruck. Mit der Bühnenmusik wie mit den Sängern hat Dirigent Gerrit Prießnitz fallweise Koordinationsschwierigkeiten.

Vincent Schirrmacher zieht als Cavaradossi seine Trumpfkarte Lautstärke etwas zu oft. Was am Abend auf Kosten der Eleganz geschieht, wird im Lauf der Jahre zulasten seines Stimmkapitals gehen. Davor müsste der 1978 geborene, chinesischstämmige Tenor gewarnt werden. Melba Ramos hat mit ihrer Durchschlagskraft eine ideale Stimme für die Tosca, auch bringt sie Kampfeslust für die Partie mit. Jedoch wäre es von Vorteil, die Aussprache des Deutschen zu beherrschen. Das tut auch Egils Silins als Scarpia nur bedingt. Mit machtvollem vokalem Druck stellt er die (negative) Autorität der Figur etwas eindimensional dar.

Petar Naydenov bietet mit seinem nobel konturierten und doch männlichen Bariton als Angelotti die beste Leistung des Abends, auch der Spoletta (Christian Drescher) ist an der Staatsoper meist schlechter besetzt. Leider verhindert die furchtbare, vier Jahre alte Inszenierung von Alfred Kirchner im ersten (das Baugerüst) und im zweiten Akt (die Dauerverhörbeleuchtung) das Aufkommen jeglicher Atmosphäre. (end, DER STANDARD, 6./7.10.2012)

Volksoper, bis 14. 12.

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6 Postings
Wenn man sich die Inszenierungen an der Volksoper ansieht,

hat man seit Jahren den Eindruck, der Direktion sei es vollkommen egal, was sich auf der Bühne abspielt. Erstaunlich eigentlich, weil Robert Meyer ja Schauspieler ist... aber da fehlt jede Handschrift, jede Dringlichkeit, jeder Geschmack... bei jeder Produktion frage ich mich, wieso gerade das gespielt wird... und das ist doch die grundsätzlichste Frage, die eine "Inszenierung" beantworten sollte.... sonst ist Theater schnell belanglos - und das wäre dessen sicherer Tod!

Wenn Petar Naydenov

als Angelotti mit seinen paar Sätzen die beste Leistung des Abends geboten hat, muss alles Übrige ja wirklich furchtbar gewesen sein - nicht nur die Inszenierung !

"Inszenierung"

- das ist ein Kurzzeit-Thema für Premieren-Kritiker mit Freikarten! Im Repertoire geht's um stimmliche Umsetzung, und da ist dieser "Tosca"-Versuch arg!

Um Inszenierungen zu beurteilen, fehlen in Wien leider alle Koordinaten. Alle wichtigen Opernregisseure fehlen an unseren Häusern - wer soll denn da, von ganz klassisch bis ganz zeitgenössisch - einen Geschmack ausbilden können? Da ist etwa Graz eine Metropole dagegen ...

Uihhh Uihhh uihh

Bedauerlicherweise haben Sie recht

Wien ist eben nur eine Opernstadt, nicht die Opernstadt

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