55 Länder: Mit dem Fahrrad um die Welt

Ansichtssache | Florian Bayer, 29. Oktober 2012, 10:16

Mehr als 87.000 Kilometer und exakt 57 Reifenpatschen: Zwei Grazer radelten sechs Jahre lang durch alle Kontinente

Alles begann bei einer "kleineren" Radtour in Kanada und Alaska: Die Grazer Philipp (39) und Valeska Schaudy (34) waren mit Rädern und Kanu unterwegs und hantelten sich von Straße zu Straße beziehungsweise von Fluss zu Fluss. Dabei gebaren sie die Idee, das nächste Mal "open end" unterwegs zu sein und auf diese Art die ganze Welt zu erkunden. Eine mehrjährige Radreise durch alle Kontinente sollte es werden.

Nach langen Vorbereitungen, mehreren Arktis-Expeditionen und mit den nötigen Ersparnissen ausgestattet, begann die ambitionierte Tour am 9. Oktober 2006. Die erste große Etappe führte vom europäischen Nordkap bis zur Südspitze Afrikas. Direkt im Anschluss, zwischen Jänner und Dezember 2008, umrundete das Paar Australien, danach radelten die beiden bis Mai 2009 durch Indien und Nepal.

Ein Highlight war schließlich die Durchquerung Amerikas von Nord nach Süd, von Alaska bis Feuerland. Nach einem Abstecher nach Neuseeland, Ost- und Südostasien durchquerten sie im Winter 2011/12 die USA von West nach Ost. Im März 2012 begann die Rückfahrt von Portugal nach Graz, wo sie am 20. Mai feierlich auf dem Hauptplatz empfangen wurden.

Wichtige Motivation

Das Wichtigste für die beiden Geografen war, alles aus eigener Kraft zu schaffen: "Das Umsteigen auf ein anders Verkehrsmittel gab es in unseren Köpfen nicht, und das haben wir auch nie getan. Auch wenn Streckenabschnitte extrem kräfteraubend und zum Verzweifeln waren - zum Beispiel Pistenstrecken durch die Sahara und im Norden Kenias -, war für uns klar, dass wir da selbst durchkommen müssen." Nur zwischen den Kontinenten reisten sie per Flugzeug. Eine wichtige Motivation für die beiden waren die "klassischen" Kontinentdurchquerungen: "Von Alaska nach Feuerland zu radeln ist  motivationsmäßig etwas ganz anderes als eine Radtour nur durch Patagonien. Wir haben uns immer sehr große Ziele gesteckt und diese mit viel Willenskraft bis zum Erreichen verfolgt."

Ausgerüstet waren Philipp und Valeska meist nur mit dem Allernötigsten: ein Erste-Hilfe-Kasten, einige Ersatzteile und Werkzeug, Campingausrüstung, Essen und Trinken, Kleidung. Letztere hat, je nach Abschnitt, stark variiert: In Afrika und Australien, wo es ständig trocken und heiß war, konnten sie leicht bepackt reisen, wohingegen sie von Alaska bis Feuerland fast nur in kühlen Regionen unterwegs waren und dementsprechend mehr Gepäck mitschleppen mussten.

Aktive Couchsurfer

Weil beide sehr gerne zelten, haben sie so oft wie möglich campiert. Nur in wenigen Ländern wie Indien und Äthiopien sei das schwierig gewesen, weil es aufgrund der dichten Besiedlung kaum einen sicheren Platz zum Zeltaufstellen gab. In Teilen von Mittel- und Südamerika war es zu gefährlich, weshalb Philipp und Valeska dort auf günstige Bleiben zurückgriffen.

Auch über die Couchsurfing-Community und direkt von der Straße weg fanden sie Leute, die ihnen Schlafgelegenheiten anboten: "Der Kontakt zur Bevölkerung wurde für uns immer mehr zu einem Hauptinhalt des Reisens. Sehenswürdigkeiten wurden für uns zweitrangig. Wir sehen uns selbst als Reisende und nur im entferntesten Sinne als Touristen."

Überwiegend positive Erfahrungen

Gröbere Pannen gab es auf der 87.020 Kilometer langen Strecke kaum. Nur einmal, im Nordwesten Australiens, mussten die beiden mehrere Tage lang auf ein Ersatzteil warten. Ansonsten konnten sie immer alles während der Fahrt zurechtbiegen oder, zumindest provisorisch, bis zur nächsten Werkstatt reparieren. Auch negative Erlebnisse gab es kaum, außer in Äthiopien: Hier wurden sie des Öfteren von einer Menschenmenge umringt - aber auch mit Steinen beworfen. "Meist hat es aber in solchen Fällen geholfen, einfach stehen zu bleiben, zu grüßen und zu lächeln", erzählen die Weltreisenden.

Insgesamt überwogen die positiven Erinnerungen: "Von der Gastfreundschaft der Menschen müssen wir vor allem die Türken, Südafrikaner, Argentinier, Kolumbianer, Australier, Sudanesen sowie die US-Amerikaner erwähnen. Oft sind wir eingeladen worden und die Menschen sind uns sehr offen begegnet. Mit dem Rad ist man so langsam unterwegs, dass man Länder und Kontinente ganz anders wahrnimmt beziehungsweise aufnimmt", erzählen Philipp und Valeska.

Spannende Geschichten

"Man ist näher dran und oft mittendrin im Geschehen, keine Autoglasscheibe schirmt einen ab. Wir durften erfahren, dass die Menschen auf der ganzen Welt freundlich sind, ganz egal welche Hautfarbe sie haben und welcher Religion sie angehören."

Diese Kernaussage und die Erfahrungen von mehr als fünf Jahren "on the road" wollen Philipp und Valeska in einem Buch und einem Multimediavortrag vermitteln, mit dem sie ab Herbst 2013 durch Österreich unterwegs sein werden. Spannende Geschichten und Fotos von der einzigartigen Reise findet man schon jetzt auf ihrer Website.

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foto: philipp schaudy

Aus dem Reise-Tagebuch der Schaudys: "Start am Nordkap am 9. Oktober 2006. Etwas zu spät im Jahr. Wir sind bis auf einen einsamen Franzosen im Kleinwagen die einzigen Touristen. Es verfolgen uns Schnee, Kälte bis -20 Grad (Finnland) und Regen bis ans Mittelmeer."

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wie schön!!!

irgendwann, irgendwann...

du kannst im leben sicher vieles machen, aber nichts ist so eine umfangreiche erfüllung wie das.

ich bin auch schon viel herumgekommen auf diesen planeten, nicht so extrem mit dem rad und jahr lang hindurch mit zelt etc.. ich beneide diese zwei dass sie diese austauer und vorallem veranlagung haben das durchzumachen aber auch dass es ihnen gelungen ist, es in ihren leben so einzuplanen sodass dieses abenteuer überhaupt möglich war. Und vorallem eines, auch das notwendige glück war immer auf ihrer seiten, von krankheiten über gefährliche tiere bis hin zu menschenfresser hätte alles dem spass ein ende bereiten können.
aber ich kann jeden nur empfehlen, reisen dieser art zu unternehmen. aber nicht übers reisebüro im 5 sterne hotel mit organisierter rundfahrt, da erlebt wird die wirklichen schönen erfahrungen mit sicherheit nicht machen!

aber die richtig schlechten eben auch nicht. ist so ein ding, wie abenteuerlustig man ist. Wobei es doch nur wenige Flecken Erde gibt, die für 1-3 Reisende mit Hirn und kulturellem Verständnis permanent gefährlich sind.

Ich hatte letztes Jahr das Glück, mit einem Freund für 4 Monate durch Westafrika zu schaukeln und empfehle jedem der reist seitdem konsequent ein Reisetagebuch oder wenn möglich einen Blog durchzuziehen. In erster Linie, damit man sich zuhause nicht nur an ein paar Highlights, sondern auch an die Strapazen die diese so besonders machen erinnert.

eine unglaublich tolle und v.a. beneidenswerte Erfahrung! Vl hab ich auch irgendwann den Mumm dazu. Wünsche jedem Abenteuerlustigen (und wenns nur 4 Wochen allein backpacken sind), dass er/sie sich darauf einlässt und den Schritt wagt!

egal wie gekünstelt, die

sponsoren mussten in jedes foto....

Ja, die heißen Sponsoren, weil sie dafür zahlen, ins Bild zu kommen.

und der standard is ein werbeheftchen für die grawe?

krieg Dich wieder ein...

Bei mir startet die Tour im Dezember. Um die Welt geht es nicht, aber ein paar tausend Kilometer werden es werden.

Meine Bandscheiben sind leider nicht die besten.

Eine gefederte Sattelstütze werd ich einbauen, den Lenker ein bisschen höher machen und die Reifen werden ein bisschen dicker werden.

Hat jemand einen Tipp was ich noch machen kann damit meine Bandscheiben eine lange Tour durchhalten?

@ Reifen

Schwalbe Marathon Plus

Diese Reifen haben ein gutes Verhältnis zwischen Rollwiderstand und Profil. Halten ca. 15.000 km (mit Gepäck!) und sind dank dem eingebautem Pannenschutz extrem unempfindlich.

Nachteil:
- relativ hohes Gewicht
- teuer

Ach noch was:
Als Gepäckträger empfehle ich Tubus Cargo classic. Ist aus Stahl und kann daher in jeder Autowerkstatt geschweisst werden.

Regelmäßige (Wirbelsäulen)gymnastik ist was was man auf jeden Fall machen kann... Kräftigen, dehnen und an der Beweglichkeit arbeiten...

Und natürlich das Rad ausgiebigst testen bevor´s wirklich losgeht... Ob gefederte Sattelstützen das gelbe vom Ei sind? hmmm... Am Besten mal mit dem Radl zum Ciclopia (oder zur Cooperative Fahrrad) schauen, die beiden waren bei der Planung meiner Tour damals sehr hilfreich!

Und dann: just do it! Hatte mal nen Japaner zu Gast der ist mit nem Eingang-Damenrad v Tokio gekommen... hat halt 6 Jahre gedauert... ;-)

Erfahrungsgemäß sind sehr viele km auf Asphalt zurückzulegen. Ein Reifen mit geringem Rollwiderstand ist unbedingt zu empfehlen. Ich fuhr auf Semislicks und vermisste Stollen nur ein einziges mal als ich bei Regen auf lehmigen Untergrund unterwegs war, rutschte ein wenig, kam aber trotzdem zügig voran.

Das Problem sind Straßen die vor Jahrzehnten asphaltiert wurden und sich jetzt auflösen.

Mit Regen und Gatsch werd ich keine Probleme haben weil eh Trockenzeit ist und wenn doch mal ein Wasserloch auf der Straße ist, dann kann man das Rad (im Unterschied zum Motorrad) ja schieben.

Tipp:

So wenig Gepäck wie möglich mitnehmen. Dann können Sie auf ein Fully umsteigen. Ich hatte gerade so viel mit, dass ich im Flugzeug nichts aufzahlen musste, fuhr allerdings in tropischen Gebieten und verzichtete auf´s campieren.

Gepäck werd ich nicht viel haben aber ein Fully ist halt kein Reiserad. Die Dinger sind auf einen andere Einsatz optimiert und ich mach mir Sorgen um die Zuverlässigkeit bzw. Ersatzteilversorung.

Abgesehen von der Federung ist auch die Sitzposition wichtig. Da würde ich einen Lenker suchen den man gut und schnell einstellen kann.

Auch auf einem Fully können Sie einen Lenker nach Ihrem Geschmack montieren.

Meine Dämpfer waren noch nie defekt. Einziges Problem: Fullys gibt es meist in Kombination mit Scheibenbremsen. V-Brakes sind sicher einfacher zu warten und auch die Ersatzteile sind leichter zu kriegen.

Salar de Uyuni

Die Hauptstadt Boliviens ist nicht La Paz sondern Sucre, nur zur Info...

wobei sich die regierung in la paz befindet. sucre wird in bolivien irgendwie ignoriert.

Seufz

Wenn mir vom Radfahren nur nicht immer der Arsch so schmerzen würde.

Ledersattel, Hoserl mit Polsterl, der Gewöhnungsfaktor und Hirschtalg sind Dinge die helfen... ;-)

Naja da gehts auch um den Nachahmungseffekt.
Der nächste Radelt durch die Wüste Gobi und stellt
fest das drei Wasserflaschen mit Red Bull und ein IPhone nicht ausreichen.

Noch so ein Ego-Krieger

Jeder doofe kleine Ego-Krieger, der nicht darauf verzichten kann, die Welt in seiner Wohlstandsseele zu versammeln, kommt in diese Zeitung.

Aber was ist mit den Kriegskindern in Afganistan? Was mit den Kindern in Syrien?

Und bei wievielen kleinen Handwerksbetrieben, Restaurants und Gaststätten in

Schwellenländern haben Sie in letzter Zeit Geld ausgegeben und damit der dort lebenden Bevölkerung geholfen ihre Kinder vor Ort zu ernähren?

diese leute haben eben einen alternativen lebensplan. was soll daran schlecht sein? was tun denn sie für den hungernden kontinent, sie systemerhalter?

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