Prozess am Linzer Landesgericht: "Bin vielleicht ein Totschläger"

5. Oktober 2012, 18:54
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Zechkumpel erschossen: Prozess am Landesgericht Linz

Linz - Waffen sind die große Leidenschaft von Wilhelm K., Alkohol sein Problem. Die Mischung ist mitunter fatal, für den Deutschen Oliver D. war sie im heurigen April tödlich. Am Freitag musste Wilhelm K. - unter Freunden gerne "Waffen-Willi" genannt - deswegen am Landesgericht Linz vor Richter Rainer Nimmervoll Platz nehmen.

Anklage auf Mord

Die Anklage lautet auf Mord. Der 66-jährige, bisher unbescholtene Mühlviertler Pensionist soll am 27. April schwerbetrunken im Streit in seiner Wohnung einen Zechkumpanen erschossen haben. Aus 20 Zentimetern Entfernung, mit einer 357 Magnum Double Action - direkt in den Kopf. Was der Angeklagte auch gar nicht bestreitet. Wilhelm K. ist geständig, aber: "Ich wollte ihn nicht töten. Ich bin vielleicht ein Totschläger, sicher kein Mörder." Da die Tat im vollberauschten Zustand geschehen sei, könne man nicht von einer Mordanklage ausgehen, führt Verteidiger Manfred Luger aus. Dem widerspricht aber der Sachverständige: Die Disposition sei nicht aufgehoben. Trotzdem Wilhelm K. zwischen 2,73 und 3,18 Promille Alkohol im Blut hatte.

Der "Waffen-Willi" ist fachmedizinisch ein Epsilon-Trinker. Quartalssäufer. Und der 27. April 2012 war ein starker Tag. Frühmorgens zum nahen Supermarkt: "Ein paar Jägermeister. Wegen dem Zittern." Dann zur nahen Tankstelle. Im Laufe des Vormittags kommt der begeisterte Jäger - sechs Gewehre und ein Revolver waren legal in seinem Besitz - mit Oliver D. ins Gespräch. Wilhelm K. lädt seine neue Bekanntschaft in die Wohnung ein. Man trinkt weiter. Bis Oliver D. sich plötzlich auf die Couch legt und kundtut, bleiben zu wollen. "Reiß ab, sonst kracht's!", habe er gesagt, erinnert sich der Angeklagte. Oliver D. bleibt: "Traust dich eh net schießen." Der Willi greift zur Magnum und drückt ab. Und informiert dann Freunde, die die Polizei alarmieren.

Urteil steht aus

Vor Gericht erklärte der Angeklagte nun, dass der Schuss ein "Versehen" gewesen sei: "Ich wollte ihn erschrecken und den Polster treffen." Auf den Vorhalt des Richters, dass er die Tat bei der Polizei völlig anders beschrieben und offenbar "gezielt geschossen" habe, entgegnet Wilhelm K. , dass er sich an nichts mehr erinnern könne. Das Urteil stand bei Redaktionsschluss noch aus. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 6./7.10.2012)

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