Deutsche Journalisten protestieren gegen KV-Kündigung in Österreich

    5. Oktober 2012, 13:11
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    "Provokation" und "Aberwitz" - Gefährdung einer "demokratierelevanten Säule" - Zurück an den Verhandlungstisch

    Wien - Der Streit um den österreichischen Journalisten-Kollektivvertrag sorgt nun auch für ausländische Reaktionen. In einer Resolution erklärt sich die in der Gewerkschaft ver.di verankerte Deutsche Journalisten-Union (dju) solidarisch mit den österreichischen Kollegen und protestiert gegen die Kündigung des Kollektivertrags durch den Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ). Die Vorgehensweise der österreichischen Verleger sei "tatsächlich eine Provokation, wenn die Kündigung mit der Aufforderung verknüpft wird, dass bis Jahresende ein neuer Kollektivvertrag ausgehandelt werden solle", heißt es in einem dju-Schreiben an Österreichs Journalisten.

    Gefährdung einer "demokratierelevanten Säule"

    "Offenbar soll damit an Arbeitsplatzabbau in Redaktionen und Versuche, die geltenden kollektiven Regelungen für Journalistinnen und Journalisten zu unterlaufen, angeknüpft werden." Die Deutsche Journalisten-Union kenne diese Herangehensweise "aus eigener Erfahrung" und müsse sich selbst "immer wieder gegen Verleger-Versuche wehren, Redaktionen kaputt zu sparen". Die Taktik der Verleger gefährde eine "demokratierelevante Säule". Unabhängiger Journalismus benötige einen rechtlich abgesicherten Rahmen und wirtschaftliche Bedingungen, die dieser verantwortungsvollen Tätigkeit entsprechen.

    Zurück an den Verhandlungstisch

    "Es ist daher ein Aberwitz, dass die selben Herausgeber, die noch vor wenigen Wochen eine PR-Kampagne für den Wert von Meinungsvielfalt und von journalistischer Arbeit gestartet haben, jetzt den österreichischen Journalistinnen und Journalisten den rechtlich gesicherten wirtschaftlichen Boden unter den Füßen wegziehen wollen", so die deutschen Journalisten-Gewerkschafter. Die dju fordert den österreichischen Zeitungsherausgeberverband deshalb auf, die Kündigung des Kollektivvertrags zurückzuziehen und mit einer konstruktiven Grundeinstellung an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Nur so könnten Herausgeber und Verleger ihren Pflichten, die weit über die eines einfachen Kaufmannes hinaus gehen, verantwortungsvoll nachkommen. (APA, 5.10.2012)

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