Weshalb Spielen über Xbox Live gratis sein sollte

  • Usher gut, alles gut.
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    Usher gut, alles gut.

Warum Online-Gaming kostenlos sein sollte und Gold in Österreich zu teuer ist

Wenn man mit seiner Xbox 360 online gegen andere spielen möchte oder den ein oder anderen Zusatzdienst genießen will, dann muss man eine Xbox Live-Goldmitgliedschaft abschließen. Der unverbindlichen Preisempfehlung zufolge kostet diese 60 Euro pro Jahr, wenngleich im freien Handel günstigere Angebote zu finden sind.

Bleibt man beim von Microsoft veranschlagten Preis, zahlt man also 5 Euro pro Monat, um eine Funktion in Anspruch zu nehmen, die beim PC seit jeher gratis ist und bei der direkten Konkurrenzplattform PlayStation 3 ebenfalls kostenlos geboten wird. Vor ein paar Jahren hat dies der geneigte Zocker noch in Kauf genommen, schließlich ist Xbox Live ein zuverlässiger Dienst und macht das Online-Gaming mit Features wie Chat und Matchmaking äußerst bequem. Die Zeiten haben sich allerdings geändert.

Die Konkurrenz hat aufgeholt

Gut, Cross-Chats sind nach wie vor etwas Feines und Online-Partien direkt aus dem Menü zu starten ist wirklich praktisch. Aber ganz ehrlich: Der Grund, weshalb man für Xbox Live Gold zahlt, ist schlicht und ergreifend weil man sonst keine Möglichkeit hat, gegen andere Xbox-Spieler anzutreten. Stimmt, man könnte die Plattform wechseln. Doch dann würde man einerseits seine Live-Freunde zurücklassen und andererseits auf einen Gutteil der Spielinhalte verzichten, in die man bereits hunderte Euro investiert hat. Denn kauft man heute ein "Call of Duty" oder "Halo", zahlt man auch deshalb den vollen Preis von 60 Euro, weil ein beträchtlicher Teil der Entwicklungskosten in die Online-Modi gesteckt wurde. Spiele ich nur offline, zahle ich praktisch 20 oder vielleicht 30 Euro um sonst.

Und geht man rein vom Online-Spielen aus, dann muss man festhalten, dass man hierfür mit dem kostenlosen und mittlerweile gut nachgereiften PlayStation Network und dem PC mehr als veritable Alternativen hat.

In Österreich überflüssig

Microsoft weiß das gewiss seit geraumer Zeit, weshalb man dazu übergegangen ist, Xbox Live Gold-Mitgliedern jährlich weitere exklusive Funktionen zu offerieren - insbesondere Video-Angebote über Netflix, Hulu und Co.. Abgesehen davon, dass man diese Angebote dann sowieso noch separat zahlen muss, sind die meisten davon nur in den USA erhältlich. Man könnte also meinen, US-Kunden bekommen deutlich mehr für ihr Geld, als Spieler in Österreich oder anderen europäischen Ländern.

Als Österreicher kann ich die 5 Euro pro Monat daher wie gehabt in erster Linie für das Online-Gaming rechtfertigen und von mir aus für die teils vergünstigten Download-Inhalte und -Spiele, die Microsoft seinen Premiummitgliedern zur Verfügung stellt. Regelmäßig bekommt man so 40 bis 50 Prozent auf Spiele und mehr. Ich gebe zu: Kein schlechter Deal.

Schlacht um die Boni

Diese Deals sind allerdings mittlerweile Standard in der Konsolenbranche. Für ebenfalls 5 Euro monatlich können PlayStation-Spieler eine Plus-Mitgliedschaft abschließen und erhalten dafür regelmäßig tolle Deals. Der Unterschied: Plus lockt Kunden vorrangig mit derartigen Boni und setzt daher noch eines drauf. So gibt es für Plus-Abonnenten eine ganze Reihe kostenloser Inhalte. Dazu gehören kleinere Download-Games genauso wie Blockbuster vom Schlage "LittleBigPlanet 2" und "Red Dead Redemption" - jedes Monat gibt es mindestens ein Gratisspiel zum Herunterladen. Xbox Live Gold-Features wie Hulu oder Netflix gibt es auch für US-PlayStation-Spieler, allerdings Freihaus. Funktionen wie Online-Speicher sind allgemeine Premium-Standards, die restlichen Eigenheiten wiegen einander mehr oder weniger auf.

Um die Konkurrenz zu toppen und seine Gold-Mitglieder in ihrer Zahlungsbereitschaft zu bekräftigen, kündigte Microsoft nun Belohnungen für die fleißigsten Spieler an. "MyAchievements" heißt das exklusive Bonusprogramm für Gold-Spieler.

Ärger unter Spielern

In der Community wurde das abermals noch nicht für österreichische Spieler erhältliche Belohnungssystem allerdings reichlich zynisch aufgefasst. Ein Teilnehmer mit einem Gamerscore von 3.000 bis 9.999 Punkten erhält hier als zahlender Gold-Kunde gerade einmal ein "spezielles Geschenk" im Monat seines Geburtstags im Wert von rund 0,25 Dollar. Richtig gelesen: 25 Cent. Spieler mit einem Gamerscore von 10.000 bis 24.999 Punkten bekommen zusätzlich zum Geburtstagsgeschenk 1 Prozent auf ihre monatlichen Einkäufe im Xbox Live Marktplatz gutgeschrieben. Bei einem Gamerscore von über 25.000 Punkten erhält man einen Nachlass von 2 Prozent auf seine monatlichen Marktplatz-Einkäufe.

Um einen Gamerscore von 25.000 Punkten zu erreichen, muss man mindestens 25 Vollpreistitel zur Gänze und auch mit allfälligen kostenpflichtigen Online-Modi durchgespielt haben. In Anbetracht der erbrachten Investition ist es vielleicht verständlich, weshalb zahlreiche Spieler in Online-Foren wie von Eurogamer nicht euphorisch auf die paar Cent bis wenige Dollar leichten Boni reagiert haben.

Nachholbedarf

In einem Vergleich der Dienste Xbox Live Gold und PlayStation Plus schloss der Branchenblog Kotaku mit mahnenden Worten an Microsoft. Zwar stehe es dem Konzern frei, für seine Konsolendienste eine Gebühr zu verlangen, doch hinke man mittlerweile dem Angebot der Kunkorrenz hinterher. "Gold sollte genauso eindrucksvoll sein wie PlayStation Plus. Aus Konsumentensicht sieht es klar so aus, als offeriere Sony das attraktivere Angebot."

Und was ist mit uns österreichischen Gold-Mitgliedern, die eigentlich nur einen Bruchteil des Xbox Live-Portfolios nutzen können? "Ist doch eigentlich eine Frechheit , dass ich genauso viel Mitgliedschaftsbeitrag zahle wie jemand aus den Staaten oder Deutschland und weniger bekomme! Keine Apps, keine Indiegames... usw. Wer ist hier noch dafür, dass wir hier in Österreich weniger für Live zahlen sollten?", fragt GameStandard-Leser "being me". Ich persönlich neige dazu, ihm Recht zu geben. Mit dem Zusatz, dass Online-Gaming immer frei sein sollte. Ich brauche kein Facebook, kein Hulu und kein Twitter auf meiner Xbox. Was ich will, ist spielen und das sollte bei einer Spielkonsole nicht ex-, sondern inklusive sein. (+Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 5.10.2012)

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