Nach Wasser graben, auf Sekt stoßen

  • Gesamtgehzeit 4½ Stunden, Höhendifferenz im Aufstieg 350 m, im Abstieg knapp 600 m. Pollereshütte bis Ende Oktober täglich von 9 bis 17 Uhr offen. Gondelbahn auf den Hirschenkogel bis 28. Oktober von Donnerstag bis Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr in Betrieb. ÖK25V Blatt 4212-Ost (Gloggnitz), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt Atlas Wiener Hausberge, Maßstab 1:50.000.
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    Gesamtgehzeit 4½ Stunden, Höhendifferenz im Aufstieg 350 m, im Abstieg knapp 600 m. Pollereshütte bis Ende Oktober täglich von 9 bis 17 Uhr offen. Gondelbahn auf den Hirschenkogel bis 28. Oktober von Donnerstag bis Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr in Betrieb. ÖK25V Blatt 4212-Ost (Gloggnitz), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt Atlas Wiener Hausberge, Maßstab 1:50.000.

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Für Rosegger war der Sonnwendstein wohl ein prickelndes Erlebnis. Für Wanderer gibt es aber auch stille Wege

Höhenwanderungen im Semmeringgebiet - oder auf den "Zauberbergen", wie es der Fremdenverkehr lieber nennt - haben einen besonderen Reiz, weil man sich zwischen Urgestein und Kalk bewegt. Auf der einen Seite schaut man zu den dunklen Matten und Kuppen des Hochwechsels und des Stuhlecks, auf der anderen Seite zeigen sich die hellen Wände der Kalkalpen mit Schneeberg, Rax, Schneealpe, Veitsch und Hochschwab. Vom Gipfel des Sonnwendsteins wieder genießt man einen umfassenden Blick auf die berühmte Ghega-Bahn und ins Wiener Becken.

Zwischen Hirschenkogel und Sonnwendstein hat man bei halbwegs gutem Wetter mit einem größeren Aufkommen an Wanderern zu rechnen; schon Peter Rosegger meinte: "Dort ein Wirtshaus, hier ein Hotel - wer am Sonnwendstein nach Wasser gräbt, wird auf Sekt stoßen." Es gibt aber auch eine stille Seite, einen Weg, der nur selten begangen wird, nämlich durch den malerischen Dürrgraben und über die Johannespromenade.

Der Pfad befindet sich stellenweise in keinem guten Zustand, was ihm einen Hauch von Abenteuer verleiht. In der Bundesamtskarte ist zudem die Markierung falsch eingezeichnet. Aber man weicht dem in dieser Region üblichen Trubel aus. Die Johannes-promenade, die im Winter als Trasse für eine Loipe dient, weist praktisch keine Steigung auf. Von einem Punkt dieses Abschnitts schaut man direkt auf die neue Schnellstraße und einen Teil der Bahn, was einen guten Vergleich des Platzbedarfs von Schiene und Straße ermöglicht.

Wer die Mühen des Dürrgrabens scheut, kann von der Pollereshütte auf der Forststraße direkt zum Fuß des Hirschenkogels absteigen, wofür man etwa 1½ Stunden braucht. Noch gemütlicher wird's, wenn man auf der Anstiegsroute zur Bergstation zurückwandert.

Ein Manko: Die Gondelbahn auf den Hirschenkogel nimmt relativ spät den Betrieb auf.

Die Route: Vom Semmering mit der Gondelbahn auf den Hirschenkogel und weiter zur Pröll-Warte. Man steigt auf unmarkiertem, aber gutem Steig nach Südosten auf dem Kamm in einen Sattel ab, wählt dann den (schütter) blau markierten Hochalmweg. Zuerst steil, dann gemächlich erreicht man über den Dürriegel den Gipfel des Erzkogels. Danach gelangt man in kurzem Abstieg wieder in einen Sattel, von dem es zur Pollereshütte und zum Gipfel des Sonnwendsteins geht. Gehzeit 1½ Stunden.

Nun zurück in den Sattel unterhalb des Erzkogels, dann folgt man dem rot markierten Weg Richtung Alpkogel. Bei der ersten Wiese verlässt man die rote Markierung und folgt dem blau markierten Weg, der am unteren Ende der freien Fläche beginnt. Nach zwei Kehren führt die Route - ohne wesentlich die Richtung zu ändern - in den Dürrgraben und zum Beginn der Johannespromenade. Gehzeit ab Sonnwendstein 1¾ Stunden. Auf der fast ebenen Promenade kehrt man in weiteren 1¼ Stunden zum Ausgangspunkt zurück. (Bernd Orfer, Album, DER STANDARD, 6.10.2012)

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