Buchmessen-Trend Self-Publishing: Jeder Autor sein eigener Verleger

Eine wachsende Zahl von Autoren veröffentlicht ihre Bücher in Eigenregie

Jahr für Jahr schauen die Buchverlage teils ängstlich, teils erwartungsfroh auf die Veränderung ihrer Branche durch E-Books. Viel getan hat sich da noch nicht, der Umsatzanteil digitaler Buchausgaben grundelt im niedrigen einstelligen Bereich. Nun aber treibt das Internet eine weitere Umwälzung voran. Immer mehr Autoren entscheiden sich dafür, ihre Werke ohne Hilfe eines Verlags zu veröffentlichen, und nehmen die Vermarktung in die eigene Hand. Unterstützung bekommen sie von Self-Publishing-Plattformen, welche die Produktion übernehmen - oft zweigleisig als gedrucktes Buch und als E-Book.

"Das wächst sehr steil"

Eine dieser Plattformen, epubli aus der deutschen Verlagsgruppe Holtzbrinck, verarbeitet wöchentlich 200 bis 300 neue Veröffentlichungen, Neuauflagen mit eingeschlossen. "Das wächst sehr steil", sagt Geschäftsführer Jörg Dörnemann und verweist auf eine Umsatzsteigerung von 50 bis 60 Prozent in diesem Jahr. Auch bei der Libri-Tochter Books on Demand (BOD) wird von einem zweistelligen Wachstum gesprochen. Das Self-Publishing verändere die Verlagslandschaft schon seit einigen Jahren, hat BOD-Geschäftsführer Florian Geuppert beobachtet.

Star der Self-Publishing-Szene ist die Amerikanerin Amanda Hocking, die ihre Fantasy- und Science-Fiction-Romane seit April 2010 vermarktet und damit eine Millionenauflage erreicht hat. Auch Martina Gercke, Autorin von "Holunderküsschen", hat die Amazon-Plattform Kindle Direct Publishing (KDP) genutzt, sich bei der Veröffentlichung des Taschenbuchs nun aber für einen etablierten Verlag entschieden.

"Jetzt ist es ein Dauerbrenner mit fünfstelligen Verkaufszahlen."

Solche Wege vom Self-Publishing zum Verlag gibt es auch bei anderen Plattformen. BOD-Geschäftsführer Geuppert sieht denn im Self-Publishing eher eine Ausweitung und Ergänzung des Marktes als eine Konkurrenz zu den Verlagen. Neue Buchformate wie zum Beispiel Kurzgeschichten als E-Book seien dafür besonders geeignet. Zudem könne ein Autor beim Self-Publishing schneller sein als auf den herkömmlichen Wegen, was besonders bei aktuellen Themen sinnvoll ist.

Autoren könnten im Self-Publishing neue Ideen ausprobieren, an die sich ein Verlag nicht trauen würde. "Das Buch 'Natural Dog Food' unserer Autorin Susanne Reinerth wurde von Verlagen zunächst abgelehnt", sagt Geuppert. "Jetzt ist es ein Dauerbrenner mit fünfstelligen Verkaufszahlen." Der Erfolg lasse sich aber nicht nur an der Stückzahl messen. So nutzen etwa professionelle Trainer die Buchveröffentlichung, um das eigene Profil zu stärken.

"Das Thema wird von unseren Verlagskunden nicht als Bedrohung empfunden", sagt Geuppert. Allerdings müsse der Verlag seine Dienstleistungen anders akzentuieren. "Der Verlag wird sich künftig noch mehr auf seine Kernkompetenzen wie die Veredelung und Vermarktung der Inhalte konzentrieren."

Auch epubli-Manager Dörnemann ist sicher: "Nein, die Verlage verschwinden nicht." Es sei durchaus ein Nebeneinander beider Publikationsformen möglich. Aber manche bisher übliche Modelle werden sich nach seiner Ansicht bald überlebt haben, etwa der gängige Ansatz, einen Druckkostenzuschuss von den Autoren zu verlangen und sich so gegen Risiken abzusichern. Und wenn der Autor über Facebook und andere Internetnetzwerke mit den Lesern in direkten Kontakt treten könne, "muss sich die Marketing-Abteilung der Verlage schon anstrengen".

"Es gibt Autoren, die das sehr spannend finden und sich über diese Möglichkeit freuen"

Die kanadische E-Book-Plattform Kobo will verstärkt Autoren und Leser zusammenführen. "Es gibt Autoren, die das sehr spannend finden und sich über diese Möglichkeit freuen", sagt Kobo-Managerin Nina Kreutzfeld. Den Self-Publishing-Autoren müsse klar sein, dass sie das Marketing für ihr Buch selbst in die Hand nehmen müssten. "Aber ich denke, dadurch wird der Markt insgesamt bunter." Kobo bietet unter der Bezeichnung "Writing Live" ebenfalls ein Programm für Autoren an und schließt zusätzlich Partnerschaften mit anderen Plattformen.

So ist es im Interesse der Autoren, sich nicht einseitig an eine Plattform wie Amazon oder Apple zu binden, sondern mit ihren Werken ein möglichst großes Publikum zu erreichen. Ideal ist dafür das Standardformat Epub, das in der Version 3 auch interaktive Möglichkeiten fürs "Storytelling", also für die literarische Aufbereitung der eigenen Ideen, anbietet, die das rein lineare Lesen auflockern. Geuppert sieht in Epub 3 "ein sehr innovatives, attraktives Format, das nicht nur neue Möglichkeiten für die Integration multimedialer Elemente bietet, sondern auch für anspruchsvolle Formatierungen und Layouts". (APA, 05.10. 2012)

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Kobo

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