Das Spiel ist ernst: E-Learning im Uni-Alltag

Der Uni-Alltag verlagert sich zunehmend vom Hörsaal auf den Bildschirm. Wichtige Vehikel dafür sind die immer ausgefeilteren E-Learning-Portale, die das "aktive Erleben" der Lehrinhalte anpreisen

Wien - Es erinnert ein wenig an ein Computerspiel: Stellvertretend für einen selbst tritt am Bildschirm ein Avatar den Weg von der "Mensa" zum "Hörsaal" an, trifft auf virtuelle Kollegen, deren Namen in kleinen Kästchen über ihren Köpfen schweben. Via Chat unterhält man sich noch ein wenig über die nächste Vorlesung.

Im Online-Geografiekurs reist man per Mausklick nach Rom, besichtigt das Kolosseum von innen oder klickt sich Jahrhunderte rückwärts in die Antike. In der Geologie-Vorlesung wird erst die Funktionsweise eines Vulkans erläutert, um im Anschluss gleich hinabzufahren in die Tiefen der Erde. "Serious Games" lautet das Schlagwort, das E-Learning den Weg in die Zukunft leuchten soll: So können beispielsweise Medizinstudierende in einem virtuellen Sezierspiel ein paar Schnitte üben, bevor es richtig zur Sache, in diesem Fall: Leiche, geht.

Jedoch für "komplexe Wissensvermittlung" sei dieses Serious Gaming noch nicht geeignet, sagt E-Learning-Spezialistin Sigrid Hantusch vom Unternehmen "Create-Mediadesign" in Wien. Im Moment komme ihm eher eine die Lehre ergänzende Rolle zu, von Vorteil für überlaufene Massenfächer, Fern- und berufsbegleitende Studien, eine Erleichterung für Studenten mit eingeschränkter Mobilität.

Auch Ringvorlesungen oder die im März dieses Jahres online stattgefundene Konferenz "Virtual Worlds" mit 5000 Teilnehmern sind mit relativ geringem Aufwand zu organisieren. Alles Entwicklungen, die vielen Menschen erlauben, Inhalte gleichsam "aktiv zu erleben", wie Johannes Moskaliuk, Psychologe an der Universität Tübingen und Spezialist für Second-Live-Lehrveranstaltugen, schwärmt.

Infos als Wissen verkauft

Fördert also der Ausbau von E-Learning, niederschwellig und unbürokratisch, das allgemeine Bildungsniveau, wenn alles jederzeit verfügbar und von überall abrufbar ist? Die virtuelle Uni - eine erstrebenswerte Utopie?

Eine Umfrage vom Institut für Psychologie der Uni Graz - 2000 Befragte von 16 Unis und 13 Fachhochschulen - kommt zu dem Ergebnis, dass "gut erreichbare Ansprechpersonen, die Rückmeldungen geben, die im Lernprozess beratend, motivierend und unterstützend zur Seite stehen", für E-Learning Konzepte unumgänglich seien. An der Uni Wien wird das Angebot stark genutzt, zwischen 2009 und 2011 haben sich die Nutzerzahlen versiebenfacht.

Wenn Informationen aber, kompakt verdichtet und festgezurrt "wie ein Paket", die Illusion erwecken, es handle sich hierbei quasi um "fertiges Wissen", sei dies jedoch bedenklich, findet Karl Klement, Pädagoge und Vorsitzender der Pädagogischen Hochschule Burgenland. "Eine Information wird für mich bedeutsam, wenn sie von mir bewertet und hinterfragt wird." Nach Wissen zu streben meine, "als Mündiger nach einer Wahrheit zu suchen, sich zu fragen: Was ist eigentlich richtig und was wird fälschlicherweise als Wahrheit verkauft?".

Und wesentlich: Wissen entsteht erst im Dialog, durch Auseinandersetzung mit anderen Meinungen. In "Webinaren", online ablaufenden Live-Lehrveranstaltungen, kann aber auch E-Learning Anregung zum Austausch bieten. (Michael Fasching/Nermin Ismail, DER STANDARD, 4.10.2012)

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11 Postings

Ein Problem welches sich bei e-Learning ergeben wird:

Ist die "Vorlesung" einmal abgespeichert, ist der Anreiz diese durch eine aktuellere zu ersetzen sehr gering. Das sich jemand den Aufwand machen wird diese am aktuellen Stand zu halten, bezweifle ich stark.
Weiters fehlt die nonverbale Interaktion zwischen Prof und Studis, was sicherlich auch nicht vorteilhaft ist.

das beste serious game

jetzt mit echter wissensvermittlung!

browser öffnen und wikipedia eingeben

Ja wenn der Standard immer die gleichen Hirsln zu diesen Themen bringt, schauts wirklich nach Stillstand aus. Es gibt aber auch EU weite richtige Forschung zum Thema serious games: http://galanoe.eu

E-Learning zu meiner Zeit:

"E, -lernst grod, hob docht mir gemma auf a Bier?"
"Bin E- schon fertig ... "so, gemma !

Vielschichtig

E-Learning kann durchaus in verschiedenen Gewändern daher kommen. Sehr geeignet scheint es für "stupides Pauken" zu sein, wo einfache Inhalte auch gleich abgeprüft werden können - z. B. Vokabeltests, Grundbegriffe etc. Jedes Studium hat so eine Grundphase, wo es um das Erlernen von einfachen Konzepten geht. Mathematische Formeln und Lösungsansäzte können bis zum kleinsten Zwischenschritt aufgefächert und erklärt und damit selbsterklärend werden - was kann daran falsch sein? Und selbst das Hinterfragen kann auf elektronischem Weg gelöst werden - siehe Internetforen... Da ist die sprechende Powerpoint-Präsentation oder das Online-Vorlesungsvideo ja noch die Rohkost. Das Lehrpersonal kann dadurch sicher erheblich entlastet werden.

Richtig!

Volle Zustimmung, wobei dass bei der DUK jetzt weniger rausgekommen ist, verwundert jetzt nicht :) Die StudentInnen "forschen" ja im Bereich der Serious Games, dabei sind die meisten nicht mal in der Lage, Moorhuhn selbst zu programmieren.

Stimmt!
Für die Bereiche Auswendiglernen oder jedenfalls Inhalte, die nicht hinterfragt werden müssen, oder reine Wiederholungen oder Auffrischungen aus der Schulzeit sind, könnte eLearning etwas hergeben.
Bereiche, die tiefergehen und mehr Reflexionen notwendig haben halte ich im direkten Lehrdialog oder in einer Fachgruppe für besser kommunizierbar.
Das Dilemma von eLearning bleibt seit jeher dasselbe:
wenns ums Eingmachte geht, reichts einfach nicht aus.
Als Plattform zur Verwaltung mit Foren, Lexicas und Basics halt ichs aber für sinnvoll.

mein e-learning Albtraum

Für jedes beliebige Studienfach + Vorlesung

- österreichweit ein einheitlicher e-learning Kurs (aber wer darf den machen und wie wir das entschieden ?)

- österreichweit ein einheitliche e-learning Übungen

....weitergedacht kauft man sich dann für jedes Studium eine DVD ala "theoretische Führerscheinprüfung"....

Vorteil : das spart jede Menge Professorenstellen und Zugangsprobleme gibt es auch keine !

Wieso fällt mir plötzlich das Wort "Gleichschaltung" ein ? Ahja, Gott sei dank bin ich nass geschwitzt aufgewacht. Beten und kämpfen wir besser darum, dass es nicht dazu kommt.

Die Donau-äh "Universität" forscht doch seit 15 Jahren in dem Bereich.

Ist dabei irgendetwas heraus gekommen, das besser funktioniert als schlichte Videoaufnahmen vom Kurs, mit ein bisserl Editing, Skriptum und so weiter?

Herausragende e-learning-Inhalte kenne ich etwa von Yale, http://oyc.yale.edu/ , und auch andere Spitzenunis betreiben ähnliche Portale.

In Österreich hört man gelegentlich von ein paar angeblichen Forschern. Aber alle Fortbildungen und MBA-Studienprogramme usw (von denen ich recht oft höre) sind auf 80er-Jahre-Niveau: Fotokopie statt Matritze, und evtl ein paar PDFs.

Wird e-learning irgendwo sinnvoll eingesetzt? Oder scheitern Webinare und Co eher daran, dass keiner extra eine neue Software lernen will?

Massive Open Online Courses

Zu 'ob E-learning auch wo sinnvoll eingesetzt wird': Ich nutze seit kurzem die Angebote von https://www.edx.org/ und https://www.coursera.org/ wo (hauptsächlich amerikanische) Universitäten offene Kurse zu den verschiedensten Themen anbieten. Das ganze besteht aus Videovorlesungen, Quizzes, Foren und Hausaufgaben. Klar hat dieses System auch seine Grenzen, aber ich finde gerade zum Einstieg in ein Thema sind diese Kurse gut gemacht, weil man zb die Videos pausieren und zurückspulen kann, wenn man nicht mehr mitkommt, und durch das Format des angeschlossenen Forums, die Hemmschwelle Fragen zu stellen enorm sinkt. Nicht zu vergleichen mit dem Gefühl eine Frage im 400 Leute Hörsaal zu stellen...

Und ein Zusatzproblem:
So eine virtuelle Lern-Umgebung wäre wohl sehr aufwändig gemacht. Klingt ja fast wie ein WoW, in dem man sich zum Strebern trifft?

... es wird also ziemlich aufwändig und damit teuer, so ein Lern-MMO zu basteln. Simple Versionen kriegt man mit 2, 3 Programmierern in einigen Monaten hin, aber das kann dann halt nix.

... und alle wie viele Jahre muss man die Software von Grund auf neu herausgeben, weil die bisherige völlig veraltet aussieht?

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