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Washington - Nachdem die Occupy Student Debt Campaign, ein Ausläufer der Occupy-Wall-Street-Bewegung, mit einem großangelegten Aktionstag im Frühling dieses Jahres den öffentlichen Diskurs in den USA auf das massive Problem der überhöhten Studiengebühren und der daraus resultierenden Verschuldung vieler Studenten aufmerksam gemacht hat, findet gegenwärtig ein verwandtes Thema zunehmende Beachtung: die finanzielle Situation externer Lehrbeauftragter.
In den Vereinigten Staaten sind circa 1,6 Millionen Lehrende im tertiären Sektor tätig, davon sind 73 Prozent extern angestellt. Das heißt, fast drei Viertel des Lehrkörpers bestehen aus sogenannten "adjuncts" oder "contingents", das heißt aus Teilzeitkräften beziehungsweise befristeten Angestellten mit geringer Aussicht auf entfristete Verträge, abgeschnitten vom raren Privileg einer ausfinanzierten Gesundheitsvorsorge, oft mit einem Gehalt weit unter der Armutsgrenze. Mehr als die Hälfte aller Kurse auf College-Niveau werden mittlerweile von diesen Menschen geleitet.
Daten des Department of Higher Education in Washington enthüllen den bemerkenswerten Wandel, dem der universitäre Arbeitsmarkt in Amerika in den vergangenen Jahrzehnten unterworfen war: Während im Jahr 1975 weit mehr als die Hälfte aller Lehrenden eine Anstellung auf Lebenszeit ("tenure") innehatte oder sich auf dem Weg dorthin befand ("tenure-track"), war es 2007 weniger als ein Drittel. Die auf die Finanzkrise folgende Rezession der amerikanischen Wirtschaft verstärkte diese Tendenz: Der Rückbau des ordentlichen Personals setzte sich fort, während die Uni-Manager immer größeren Gefallen an der geldsparenden Besetzung ungeschützter Stellen fanden.
Der akademische Nachwuchs ist diesen Entwicklungen nachgerade ausgeliefert - wer den Traum einer Karriere an der Uni nicht aufgeben will, nimmt widrigste Bedingungen in Kauf. Sarah Kendzior, als Adjunct an der University of Washington in St. Louis selbst betroffen, bringt es im Gespräch mit dem UNISTANDARD auf den Punkt: "Die akademische Welt ist wie eine Sekte - es ist sehr schwer, rauszukommen, ist man aber einmal draußen, kommt man garantiert nie wieder rein."
7750 Euro Gehalt im Jahr
Die Universitäten sahen bislang keinen Sinn darin, öffentlich darüber aufzuklären, wie viel ein Externer an welcher Institution und für welches Fach verdient. Deshalb wurde unlängst die Website "Adjunct Project" gegründet - eine Crowdsourcing-Plattform, auf der Betroffene ihren Verdienst in anonymisierter Form veröffentlichen, um auf diese Weise einen nationalen Vergleich herzustellen. Die Ergebnisse sind erstaunlich: Während die Abhaltung einer Lehrveranstaltung in Anthropologie an der prestigeträchtigen Harvard University laut "Adjunct Project" ganze 12.575 US-Dollar (circa 9750 Euro) inklusive Krankenversicherung einbringt, zahlt die University of Akron im Bundesstaat Ohio für einen Kurs im selben Fachgebiet weniger als 2000 Dollar (circa 1550 Euro). Bei einem jährlichen Pensum von fünf Kursen - dem typischen Lehrausmaß eines Vollzeitangestellten - sprängen hier also nicht einmal 10.000 Dollar (circa 7750 Euro) im Jahr heraus.
Natürlich ist es kaum möglich, von einem derartigen Gehalt zu leben - geschweige denn eine Familie zu ernähren oder die Schulden zu bedienen, die viele zur Finanzierung ihrer Studien aufnehmen mussten. Angepasst an die Inflation, sind die Honorare für externes Lehrpersonal binnen der vergangenen 40 Jahre um die Hälfte gesunken, während die Rektorengehälter im selben Zeitraum um 35 Prozent zunahmen. Hinzu kommt, dass externe Lehrende politisch kaum Repräsentation finden. Erst 2009 wurde die Initiative New Faculty Majority ins Leben gerufen, eine Art Interessenvertretung für Adjuncts, mit der erklärten Mission, gegen das festgefahrene Zwei-Klassen-System unter den Lehrenden vorzugehen.
Klar ist, dass das Image höherer Bildung in den USA als Wegbereiter einer besseren Zukunft durch diese Entwicklungen stark beschädigt wurde. Das gilt mittlerweile auch für die Jobwelt jenseits der Unis: Wie eine detaillierte Zahlenaufstellung des Bureau of Labor Statistics im US-Arbeitsministerium zeigt, haben im Jahr 2010 an die 17 Millionen Amerikaner mit mindestens einem Bachelor-Titel Arbeiten ausgeführt, die ihrer Qualifikation nicht entsprechen. Darunter finden sich rund 300.000 Kellner und Kellnerinnen mit College-Abschluss und ein kurioses Häufchen von 5057 Hausmeistern mit Doktorat.
Wie ernst die Situation ist, zeigt sich auch an einer Studie des Urban Institute, aus der hervorgeht, wie viele Akademiker staatliche Hilfe beanspruchen: Von 2008 bis 2011 ist die Zahl aller PhD-Absolventen, die auf die Zuweisung von Lebensmittelmarken angewiesen sind, von 9776 auf 33.655 Personen gestiegen; bei Personen mit Master-Abschluss waren es sogar 293.029. (Dominik Zechner, DER STANDARD, 4.10.2012)
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ist amerikaner, aber seit seinem 5 lebensjahr in österreich aufgewachsen. er hat somit hier auf österreichische kosten medizin studiert. danach sofort ab in die usa und verdient dort mittlerweile 23.000 $ pro monat. ohne kredit rückzahlen zu müssen.
1. warum verzichtet der staat österreich hier auf rückzahlungen der ausbildungskosten?
2. so schlecht gehts den amerikanischen ärzten wohl doch nicht allen?!
Der eine (oder andere) Automobilhersteller im Bayerischen macht das z.B.
Da wird dann argumentiert, für eine Festanstellung fehlt der "Bedarf" und der Abschluss wäre ja auch nicht "fachbezogen".
Kommt sicherlich billiger als Werksverträge und hinterher ist man den Betroffenen dann schnell wieder los.
...aber ich verstehe es, der Staat muss sparen:
Hier eine kleine Übersicht von Praktikumsstellen:
http://goo.gl/qxJzH
Solange sich besser anhört "Mein Sohn studiert Journalistik und Politologie" als "mein Sohn lernt Maler und Anstreicher" bleibt das ein Problem. Einen Schraubenzieher am richtigen Ende angreifen zu wissen, ist heutzutage ja schon imageschädigend.
Und immerhin bleibt ein arbeitsloser Akademiker ein "Herr Magister"...
Detailliertere Aufspaltung im welchen Fächern diese Leute ihren PHD gemacht haben, wäre aufschlussreich - haben diese Leute großteils vergleichende Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte oder etwa doch technische Chemie oder Physik studiert ?
dass das hauptsaechlich die 'Humanities' betrifft. In den Naturwissenschaften braucht man Postdocs die im Labor stehen und experimentell arbeiten: das geht nur mit Vollanstellung und guter Bezahlung um die richtigen Spezialisten zu bekommen - sonst gehen die in die Industrie.
In den Humanities muss vielleicht nur ein Schreibtisch zur Verfuegung gestellt werden und solche Leute kann man schnell kuendigen weil es viele willige Bewerber fuer jeden freigewordenen Posten gibt die aehnlich gut qualifiziert und willig sind geringe Gehaelter hinzunehmen weil es keine ausserakademischen Moeglichkeiten gibt.
Selten so gelacht!!
PostDocs die im Labor stehen mit guter Bezahlung!!! Witz des Tages!
Zugegeben, die Bedingungen in den Humanities sind vermutlich noch schlimmer, aber als Vollanstellung und gute Bezahlung haben die wenigsten Naturwissenschafter, vor allem wenn sie ihren PhD machen. Der Witz in Österreich: als PhD Student ist man die ersten 3 Jahre 30 h/Woche angestellt - das geht ja noch (obwohl man meist 40 oder mehr arbeitet). Dann würde man im Gehalt vorrücken - stattdessen werden aber die Stunden auf 25 h/Woche runtergekürzt, damit man denen nicht mehr zahlen muss.
Und unbefristete Verträge gibt's sowieso keine. Außer für Professoren.
hat m.E. wenig mit der unterscheidung humanities/naturwissenschaften zu tun, sondern viel mehr mit der tatsache, dass die meisten us universitäten (vor allem private) in den letzten jahren ihr budget "marktorientiert" umstrukturiert haben: weg von der unterstützung der faculty hin zu umfangreichen administrationen und vor allem serviceleistungen für die kunden/studenten (etwa athletic facilities), wie auch financial aid. bin prof an einer privat uni in new england (tuition über $ 55,000 pro jahr) und obgleich meine institution die anzahl von adjuncts in den letzten jahren stark reduzierte, bedeutete dies zugleich ein einfrieren oder gar eine reduzierung von tenure und tenure track positionen quer durch humanities, naturwissenschaften etc.
Sicherlich. Ich argumentiere allerdings dass Doktoren mit naturwissenschaftlichen Abschluessen weniger Probleme mit "Marktorientierung" haben weil auch in der Industrie ein signifikanter Bedarf an technisch hochausgebildetem Personal besteht. Die Universitaeten muessen dadurch auf diesem Sektor mehr konkurrieren als bei Geisteswissenschaftlern.
wahrscheinlich war mein posting nicht klar genug, und ich entschuldige mich dafür. "marktorientierung" bezieht sich vor allem auf die transformation im selbstverständnis der universitäten: diese begreifen sich hauptsächlich als unternehmen, welche für ihre kunden attraktiv zu sein haben - aus diesem grund der finanzielle akzent auf administrativen apparaten und serviceleistungen (z.b. athletic facilities, psychologische beratungen wie auch vergnügungsmöglichkeiten innerhalb der Campusstruktur) auf kosten neuer stellen in den humanities, naturwissenschaften etc. Dies ist zumindest die tendenz, die in den letzten jahren immer wieder in publikationen wie "Chronicle of Higher Education" beschrieben und kritisiert wird
Österreich so, aber denken sie nicht dass die Studenten bzw, ihre Eltern in den USA teils um einiges pragmatischer Sind da sie ja teils bis zu 20.000 € pro Jahr an Studiengebühren zahlen müssen, da studiert dann niemand mal so 1-2 Jahre Psychologie weil das klingt recht interessant und eigentlich weiß man ja nicht so genau was man machen will und arbeiten will man auch noch nicht unbedingt
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