18 chinesische Schulkinder bei Erdrutsch gestorben

5. Oktober 2012, 07:02
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Grundschule in Provinz Yunnan betroffen, die Schüler hätten eigentlich Ferien gehabt

Peking - Nach einem verheerenden Erdrutsch in der südwestchinesischen Provinz Yunnan sind 18 Schulkinder tot geborgen worden. Helfer zogen am Freitag das letzte der Todesopfer aus den Trümmern der Grundschule, wie die Behörden mitteilten. Im Internet diskutierten derweil immer mehr Nutzer, wieso die Kinder in den Ferien zur Schule mussten und so Opfer der Naturkatastrophe wurden.

Unter der Schlammlawine, die sich Donnerstag früh durch heftige Regenfälle löste, wurde auch ein erwachsener Dorfbewohner begraben, der ebenfalls starb. Der Erdrutsch zerstörte die Grundschule und drei Bauernhäuser in dem Dorf Zhenhe, das in einer abgelegenen Bergregion im Südwesten des Landes liegt.

2.000 Helfer im Einsatz

Knapp 2.000 Helfer waren im Einsatz, um die Erdmassen, die auch einen Fluss aufstauten, zu beseitigen. Während der Arbeiten wurden 800 Einwohner weiter flussabwärts in Sicherheit gebracht.

Auf Bildern des staatlichen Senders CCTV war zu sehen, wie die 160.000 Kubikmeter Erdreich von einem bewaldeten Hügel auf das Dorf niederrasten. Zu dem Zeitpunkt hätten bereits 18 von mehr als 30 Schülern in ihren Klassenräumen auf den Unterrichtsbeginn gewartet, sagte ein örtlicher Beamter.

Kinder holten Unterricht in den Ferien nach

Eigentlich hätten die Kinder am Tag des Unglücks noch Ferien gehabt. Sie waren gekommen, um Unterricht nachzuholen. Anfang September hatte es in der Region ein Erdbeben gegeben, bei dem 81 Menschen ums Leben kamen. Daraufhin beschlossen mehrere Schulen in dem Gebiet, die einwöchigen Ferien im Anschluss an den Nationalfeiertag am 1. Oktober zu verkürzen, um versäumten Stoff nachzuholen.

Diese Entscheidung bringt den Behörden jetzt Kritik von Internetnutzern ein: "Wären die Schüler in den Ferien geblieben, hätte es diese Tragödie nicht gegeben", schrieb ein Kritiker in einem Microblogging-Dienst. Die wütenden Reaktionen häuften sich. "Behörden, Schulen und Lehrer sind zu sehr auf schnellen Erfolg und sofortige Ergebnisse aus", war im Internet unter anderem zu lesen.

Keine Anzeichen auf möglichen Erdrutsch

Ein Beamter sagte, Untersuchungen nach dem Erdbeben im September hätten keine Anzeichen für einen möglichen Erdrutsch ergeben. Die Berge, die das Tal mit der Schule umgeben, seien dicht mit Pflanzen bewachsen. Nach Medienangaben wollen die chinesischen Behörden Familien, die ein Kind verloren haben, mit 20.000 Yuan (knapp 2.500 Euro) entschädigen.

Seit dem verheerenden Erdbeben in der Provinz Sichuan im Mai 2008, bei dem besonders viele Schulen eingestürzt waren, reagieren die Menschen besonders sensibel auf Unglücke in Verbindung mit Schulen. Die Behörden wehren sich bis heute gegen Vorwürfe, die Schulen in Sichuan seien schlampig gebaut worden und das dadurch eingesparte Geld hätten sich Bauunternehmer und Beamte in die eigene Tasche gesteckt. Von den mehr als 80.000 Toten und Vermissten waren damals über 5.000 Schüler. (APA, 5.10.2012)

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    In der Schule im Dorf Zhenhe waren die Ferien nach dem Nationalfeiertag verkürzt worden, um Unterrichtsstunden nach einem Erdbeben nachzuholen.

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