Wiener Grüne pochen auf Solarverpflichtung

4. Oktober 2012, 21:25
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Chorherr: "Das Haus des 21. Jahrhunderts muss auch Energie erzeugen"

Wien - "Wenn der Eindruck entstanden sein sollte, dass mit der jüngsten Bauordnungsnovelle eine Solarverpflichtung gefallen wäre - dann ist das absolut nicht der Fall", betonte Christoph Chorherr, Energie- und Planungssprecher der Wiener Grünen am Donnerstag im Standard-Gespräch.

Die "Techniknovelle" der Wiener Bauordnung war am Mittwoch im Wiener Landtag beschlossen worden, mit der ganz allgemein der Einsatz von " hocheffizienten Energiesystemen" im Neubau und in der Sanierung vorgeschrieben wird (der Standard berichtete).

Im Büro von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SP) war dazu betont worden: In Wien gebe es eben keine Solarverpflichtung, sondern eine Auswahlmöglichkeit, etwa auch Erdwärme, Geothermie oder Fernwärme einzusetzen. Grundsätzlich dürften Wohnbauten nicht teurer werden.

Dazu nun Chorherr: "Da wurde die gestrige Novelle korrekt interpretiert - aber die große Bauordnungsnovelle wird ja noch weiter vorbereitet." Bei den Verhandlungen gebe es Wünsche seitens der SP und Wünsche der Grünen - "und bei den Grünen steht die Solarpflicht ganz oben auf der Prioritätenliste".

Eine Solarverpflichtung im Neubau war auch einer der Punkte, die Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) am 11. und 12. September bei der jüngsten Klausur der Stadtregierung in Wildalpen angeführt hatte. Chorherr am Donnerstag: "Das Haus des 21. Jahrhunderts muss einfach auch Energie erzeugen - genauso wie ein Haus ganz selbstverständlich ein Dach haben muss, eine Wasserversorgung und einen Kanalanschluss." In erster Linie sollen Sonnenstromanlagen errichtet werden. Aber wenn lokal Solarwärme sinnvoller sei, werde das "auch möglich sein".

Die Befürchtung, dass dadurch die Errichtungskosten deutlich steigen würden, teilt Chorherr überhaupt nicht: "Die Mehrkosten für eine Photovoltaikanlage können in anderen Bereichen wieder eingespart werden - zum Beispiel über die Stellplatzverordnung, wenn nicht mehr so viele Parkplätze errichtet werden müssen."

Andererseits gebe es ja bereits Modelle, wie etwa die Angebote von Wien Energie: Dabei kann man sich aussuchen, ob man beispielsweise selbst in ein Solarkraftwerk investiert - oder aber das Dach nur der Wien Energie für Errichtung und Betrieb einer Photovoltaikanlage vermietet. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 5.10.2012)

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