Eine Welt ohne Ausgang

Tennessee Williams' "Die Glasmenagerie" in einer behutsamen Inszenierung

Schnipp: Licht aus. Schnipp: Licht an. Mit zwei Fingern bringt Tom Wingfield (Ferdinand Seebacher, gelungener Einstand) die Theatermaschine zum Laufen, um von seinen prägenden Jugendtagen zu erzählen und die neue Spielzeit des Volkstheaters in den Bezirken zu eröffnen. Der kroatische Regisseur René Medvesek hat hierfür Tennessee Williams' gut abgehangenes Familiendrama Die Glasmenagerie behutsam inszeniert.

Im St. Louis der 1930er-Jahre wohnt Tom mit seiner Mutter Amanda und Laura, seiner Schwester, in bescheidenen Verhältnissen. Während Amanda (Doris Weiner) von ihrer fernen Vergangenheit als umschwärmte Südstaatenschönheit zehrt, lebt die aufgrund einer leichten körperlichen Behinderung überbehütete und entsprechend verschüchterte Laura (Andrea Bröderbauer) in erster Linie für ihre Sammlung kleiner Glastiere.

Tom ist zwar der Ernährer der Familie, sehnt sich aber nach der weiten Welt, in die sich sein Vater schon längst vertschüsst hat. Zur Haushaltssicherung braucht es also einen Mann für Laura. Toms Arbeitskollege Jim (Tim Breyvogel) wäre da auf den ersten Blick eine Option.

Was folgt, ist natürlich eine Tragödie, welche Medvesek zwar spürbar, jedoch nicht erdrückend macht.

Momente der Komik werden zugelassen, ohne die Figuren der Lächerlichkeit preiszugeben. Auch Lauras Behinderung wird nicht ausgestellt, sie erscheint vielmehr lediglich von ihrer Mutter, einem Ausbund unbedarfter Nervigkeit, herbeigeredet zu sein.

Dass es für die beiden Frauen aus ihrer schlammfarbenen Welt (Bühne: Hans Kudlich, Kostüme: Aleksandra Kica) dennoch keinen Ausweg gibt, ist letztlich schlimm genug. (wall, DER STANDARD, 5.10.2012)

Bis 2. 11.

 

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